15. März 2016 Medaille für treue Arbeit

Symbol für Leichte Sprache
Leichte Sprache
Symbol für Gebärdensprache
Gebärdensprache
Vorlesen
Symbol für Drucken
Drucken
Artikel teilen
Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz. Es gilt das gesprochene Wort.

Medaille treue Arbeit 31 Hamburger Bürger wurden am Dienstag (15.März) von Olaf Scholz für ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit im Rathaus geehrt. Bürgermeister Scholz überreichte ihnen die Medaille für treue Arbeit und bedankte sich.

Medaille für treue Arbeit

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Medaille für Treue Arbeit im Dienste des Volkes. Das klingt nicht so, als hätte sich gerade erst jemand den Namen für diese Ehrung ausgedacht. Und zugegeben: Die Medaille ist schon etwas älter. 90 Jahre ist es her, dass der Hamburger Senat in der Weimarer Republik diese Anerkennung ins Leben rief. Was für eine weitsichtige Entscheidung!, muss man vom heutigen Standpunkt aus sagen. Denn inzwischen ist das Ehrenamt so tief in unserer demokratischen Gesellschaft verankert, dass jeder Dritte freiwillig Aufgaben für die Gemeinschaft übernimmt.

Und so mag der Name der Medaille vielleicht erklärungsbedürftig geworden sein, die Tradition ist es nicht. Ich freue mich aufrichtig, dass ich Sie zur Verleihung der Medaille für Treue Arbeit in unserem Rathaus begrüßen darf.

In den vergangenen Monaten haben wir in Hamburg eine Ausnahmesituation erlebt, die wir ohne die große Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger kaum hätten bewältigen können. 40.000 Geflüchtete haben wir in unserer Stadt untergebracht und fast alle, die bleiben, werden noch über längere Zeit unsere Unterstützung benötigen, weit über die staatliche Hilfe hinaus.
Aber wir können zuversichtlich sein, dass das Engagement anhält, und das kommt nicht von ungefähr, daran haben auch Sie Ihren Anteil, unabhängig davon, wo Sie sich aktuell einbringen. In Hamburg kennt wohl jeder jemanden, der irgendwo freiwillig tätig ist, sei es im Sportverein, in sozialen Einrichtungen, in den öffentlichen Bücherhallen oder in der Nachbarschaftshilfe. Die tatkräftige Verantwortung fürs Gemeinwesen, die Sie dort vorleben, hinterlässt weit über Ihren persönlichen Wirkungskreis hinaus ihre Spuren, besonders bei Jugendlichen. Und das zahlt sich nun aus.

Dabei unterliegt auch das Ehrenamt dem Wandel, wie man gerade in den vergangenen Monaten beobachten konnte. Freiwilligendienst, soziales oder bürgerschaftliches Engagement sind Begriffe, die eine Entwicklung hin zu einem zeitlich begrenzten, projektorientierten Engagement beschreiben – ein Weg, den gerade die Jüngeren gerne wählen. Sie wollen verständlicherweise eine gewisse Flexibilität, und in bestimmten Bereichen ist diese sogar von Vorteil. Andere Aufgaben aber verlangen nach langfristigem Einsatz und höherer Verbindlichkeit. Vereine benötigen eine zuverlässige Struktur ebenso wie Beratungsstellen und Projekte, in denen der Aufbau von Beziehungen im Vordergrund steht. Dass Sie einer einmal übernommenen Aufgabe über 20 Jahre und länger treu geblieben sind, ist etwas ganz Besonderes und verdient hohen Respekt.

Das zivilgesellschaftliche Engagement ist facettenreicher geworden, aber das klassische Ehrenamt mit seinen festen Zuständigkeiten bleibt so wichtig wie eh und je. Deshalb meine Bitte: Geben Sie Ihre Erfahrungen weiter und erzählen Sie anderen, was Ihnen Ihr Ehrenamt persönlich bedeutet. Bauen Sie Brücken zu den Jüngeren, auch wenn diese sich vielleicht noch nicht langfristig einer Aufgabe verschreiben möchten. Jeder, der sich engagiert, ist willkommen.

Das Ehrenamt ist ein bedeutender Teil unserer Kultur – unserer europäischen Kultur, möchte ich betonen. Schon im antiken Griechenland und im alten Rom gehörte es für die, die dazu in der Lage waren, zum guten Ton, sich für das Wohl der Gemeinschaft einzusetzen. Im 18. Jahrhundert war es dann bei uns zunehmend das Bürgertum, das sich die Hilfe für Benachteiligte zur Verpflichtung machte. In Hamburg führte dieses Engagement zu ersten Formen der kommunalen Armenfürsorge. Später organisierte die erstarkende Arbeiterbewegung Vereine zur Selbsthilfe und drängte auf staatliche Unterstützung der Bedürftigen.

Hamburg ist seit jeher eine Stadt mit einem ausgeprägten Bürgersinn. Diesen zeigen nicht nur Einzelne, sondern auch Unternehmen, wenn sie zum Beispiel, wie in diesen Monaten, Arbeits- und Praktikumsplätze für Geflüchtete bereitstellen. Aber ganz besonders sichtbar wird der Bürgersinn im breiten ehrenamtlichen Engagement der Bürgerinnen und Bürger, das sich wie ein dichtes Netz über der Stadt ausbreitet – die Bandbreite Ihrer Aktivitäten illustriert das:

  • Ob Jugendliche in einem Zeltdorf an der Ostsee bekocht oder THW und DLRG unterstützt werden,
  • ob die Beratung für vergewaltigte Frauen organisiert oder Antisemitismus bekämpft wird,
  • ob jemand ehrenamtlich als Richter arbeitet oder eine Jugendstilsammlung einrichtet 

was Sie leisten, ist so vielfältig und beeindruckend, dass der Senat die Medaille für Treue Arbeit erfinden müsste, gäbe es sie nicht schon. 

Meine Damen und Herren,

für Ihre Unermüdlichkeit, Ihre Geduld und Ihre Kompetenz, die Sie sich im Laufe von Jahrzehnten erworben haben, danke ich Ihnen im Namen aller Hamburgerinnen und Hamburger. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch weiterhin Zeit für ein Ehrenamt finden könnten – und dies einzurichten, ist ja nicht immer leicht. Deshalb gilt mein Dank auch allen Partnern, Familien und Freunden, die nicht murren, wenn Sie Stunde um Stunde an eine gemeinnützige Aufgabe verschenken.

Und nun sollen Sie nicht länger auf die Verleihung der Senatsmedaille für Treue Arbeit im Dienste des Volkes in Bronze warten. Meinen herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung!
Und meinen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
 

Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Themenübersicht auf hamburg.de

Empfehlungen

Symbol für Schließen Schließen Symbol für Menü üffnen Aktionen