21. März 2016 150 Jahre Darboven

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Rede des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

150 J.J. Darboven Albert Darboven und Bürgermeister Olaf Scholz auf dem Senatsempfang zum 150-jährigen Bestehen der Firma J.J.Darboven am Montag (21. März) im Rathaus.

150 Jahre Darboven

Sehr geehrter Herr Darboven,
sehr geehrter Herr Dr. Otto,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen
Bürgerschaft (Veit),
sehr geehrte Frau Ministerin (Özoğuz)
sehr geehrte Vertreter des Konsularischen Korps,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

1866. Seit sechs Jahren ist die erste Hamburger Verfassung in Kraft, seit fünf Jahren die Torsperre aufgehoben, ein Jahr noch ist es hin bis zur Gründung des Norddeutschen Bundes. In Hamburg werden Wohnungen, eine zentrale Wasserversorgung sowie ein moderner Hafen gebaut, und noch immer ächzt die Stadt unter den Schulden, die sie nach dem Großen Brand hatte aufnehmen müssen. 1866 ist eine unruhige, für viele auch eine aufregende Zeit, die durch Industrialisierung, Zuwanderung und Wachstum bestimmt ist. Der Große Grasbrook, wo keine zwanzig Jahre später die Speicherstadt entsteht, ist 1866 ein enges Quartier der Arbeiter, die zunehmend gegen ihre Verelendung aufbegehren und nach Demokratie rufen. Im Hafen sieht man noch die großen Segler, aber bei Bloom & Voss werden schon erste Dampfschiffe gebaut.

In diesem Hamburg gründet der junge Kaufmann Johann Joachim Darboven zum Frühlingsanfang eine Kaffeerösterei. Drei Jahre später hat er 144 verschiedene Kaffees im Sortiment und eine Idee, die für Furore sorgt: Er liefert den gerösteten Kaffee direkt nach Hause und packt noch in Würfel geschlagenen Zucker dazu. Das Unternehmen wächst, übersteht Inhaberübergaben, Wirtschaftskrisen, zwei Weltkriege, Preisschlachten und in unserer Zeit die Erfindung von Kaffeekapseln – Sie alle kennen die Geschichte: Seit 150 Jahren wird die Kaffeerösterei erfolgreich in Familienhand geführt, seit 1960 in vierter Generation durch Albert Darboven, mit dessen Gesicht auch ich diese Marke verbinde, seit ich das Wort Kaffee aussprechen kann.

Über Albert Darboven, den man in Hamburg vor allem als bedeutenden Unternehmer und Pferdenarr kennt, habe ich mir erzählen lassen, dass er in den 50er Jahren im Hafen als Schauermann Kaffeesäcke geschleppt hat, 60 Kilo auf der Schulter. In Lateinamerika hat er den Kaffee per Hand geerntet, weshalb er genau weiß, woran man die Qualität der Ware erkennt, wenn die Container mit dem Rohkaffee im Rosshafen oder in Billbrook ankommen. Albert Darboven kann man nichts vormachen, er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt.

Meine verehrten Damen und Herren,
lassen Sie mich raten, was Ihr erster Wunsch am Morgen ist: eine Tasse heißer Kaffee? Es muss eine schöne Aufgabe sein, derartige Wünsche in großem Stil zu erfüllen. Auf einen Kaffee trifft man sich mit Kollegen, mit Kaffee übersteht man jedes Meeting – Kaffee ist die einzige pharmakologisch aktive Substanz, deren angeblich negative Nebenwirkungen die Forschung fast alle widerlegt hat. Wenn wir in Deutschland also mehr Kaffee als Bier oder Mineralwasser trinken – 149 Liter sind es im Jahresschnitt –, dann können wir das ohne Bedenken tun.

Der traditionellen Kaffeestadt Hamburg soll es recht sein. Über den Hamburger Hafen werden jedes Jahr um die 700.000 Tonnen Kaffee im- und 400.000 Tonnen exportiert. Drei Viertel des in Deutschland getrunkenen Kaffees wird in Hamburg verarbeitet, namhafte Kaffeehändler, Röstereien und Europas modernstes Kaffeelager sind in unserer Stadt zuhause. In Hamburg hängen viele Arbeitsplätze am Kaffee, vom Rohkaffeeagenten bis zum Lagerhalter, Röster und Maschinenbauer, und viele kleine Startups machen den Kult um eigene Mischungen, Röstungen und Zubereitungen gerade zur Geschäftsidee.

Albert Darboven ist ein Unternehmer, wie man ihn sich für eine Stadt nur wünschen kann. Erfolgreich hat er seinen Kaffeehandel modernisiert und die Darboven-Gruppe ausgebaut, und genauso verlässlich ist auch sein vielfältiges Engagement in der Stadt: Er unterstützt Fußball und Derby, das Kinderhospiz Sternenbrücke und mit dem hochdotierten Idee-Förderpreis hilft er Frauen bei der Existenzgründung – um nur einige Beispiele zu nennen.

Verehrter Herr Darboven,
für diese großzügige Unterstützung danke ich Ihnen ebenso wie für Ihre verantwortungsvolle Unternehmensleitung und das stetige Investment in die Zukunft – gerade erst haben Sie Verwaltung und Lager an Ihrem Standort in Billbrook ausgebaut. Es gibt also viele Gründe, weshalb die Stadt in diesem Jahr ihren Dank auf besondere Weise ausdrücken möchte:

In Würdigung der Bedeutung ihres Unternehmens für den Wirtschaftsstandort Hamburg sowie aus Anlass seines 150-jährigen Bestehens widmet Ihnen der Senat der Freien und Hansestadt einen Verfassungsportugaleser in Silber.

Der Verfassungsportugaleser ist ein Geschenk für außergewöhnliche Menschen und außergewöhnliche Anlässe. Auf der Vorderseite der Medaille sieht man einen aus den Wolken kommenden Arm, der eine Fackel trägt – ein Zeichen unserer freiheitlichen Rechtsordnung. Auf der Rückseite sind die wichtigsten Daten der Hamburgischen Verfassungsgeschichte durch ein Unendlichkeitsband verbunden – und in der Mitte ist der Name Darboven eingraviert.

Sehr geehrter Herr Darboven,
ich freue mich sehr, Ihnen heute den Verfassungsportugaleser in Silber zu überreichen. Meinen herzlichen Glückwunsch!

Und meinen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
 

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