30. März 2016 Verabschiedung Stefan Herms

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Verabschiedung Stefan Herms

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft (Duden),
Sehr geehrte Mitglieder des Konsularischen Korps,
Sehr geehrter Herr Ehrenbürger Otto,
Sehr geehrte Damen und Herren,
und natürlich lieber Stefan Herms,

„Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen“, hat Fontane behauptet, aber an diesen Rat halte ich mich als Bürgermeister besser nicht. Er passt nicht zur Etikette, vor allem
aber käme die Fülle des beruflichen Lebens von Stefan Herms dann viel zu kurz.

Ich hätte beispielsweise keinen Raum zu erwähnen, dass Stefan Herms im vergangenen Jahr den Shanghai DiaLawgue in China entscheidend geprägt oder wie er sich für die Ostseeländer eingesetzt hat. Die große Zahl der heute zu Ihrer Verabschiedung in den sogenannten Ruhestand gekommenen Gäste zeigt, wie vielfältig und erfolgreich Ihr Wirken war.
Deshalb möchte ich mir einige Minuten Zeit nehmen, um die Stationen Ihres Berufsweges in Gedanken noch einmal passieren zu lassen.

Schon früh, nämlich als Jurastudent, fand Stefan Herms einen seiner Schwerpunkte: die Verwaltungswissenschaft. Zu einer Zeit, als man den Staat noch als „Apparat“ bezeichnete, war Stefan Herms klar, dass in genau diesem „Apparat“ die Grundlagen guten Regierens gelegt werden, weshalb dieser dringend zu modernisieren und mitzugestalten sei.

Ebenfalls früh angelegt war seine Begeisterung für die Wissenschaft: Als Assistent am Seminar für Verwaltungslehre bei Werner Thieme erstellte Stefans Herms unter anderem Lehrmaterialien, die man übrigens heute noch antiquarisch erwerben kann – falls Sie sich beispielsweise für „Die Fallmethode als didaktisches Mittel“ und verwaltungswissenschaftliche Fälle interessieren. Er war dann auch noch Mitarbeiter von Professor König an der Hochschule der Bundeswehr – wieder im Bereich der Verwaltungslehre. Sie sehen, Stefan Herms hat für seine dann folgende Referententätigkeit im Bundesministerium für Forschung und Technologie ab 1981 sehr ordentliche Grundlagen geschaffen.

Im Ministerium in Bonn entwickelte er dann seinen dritten Schwerpunkt: als Anbahner internationaler Kooperationen.

Auch da konnte Stefan Herms wieder auf vorherigem Wissen aufbauen. Denn im Rahmen seines Referendariats hatte er Station bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaften in Brüssel gemacht und so über den bundesdeutschen Tellerrand geschaut. Im Forschungsministerium setzte er sich dann für die Zusammenarbeit mit Japan, der UdSSR, Australien und Neuseeland ein.

Womit das Trio seiner beruflichen Leidenschaften komplett war: Verwaltung, Wissenschaft, globale Orientierung. Diese Mischung bildet den roten Faden seines weiteren Werdegangs:

  • 1985 gelang es der Freien und Hansestadt Hamburg, sich der Dienste dieses jungen Beamten zu versichern. Stefan Herms konnte für eine Tätigkeit in der Landesvertretung Hamburgs beim Bund gewonnen werden.
  •  1986 übernahm er als Regierungsdirektor den Aufbau des neuen Referats Forschung und Technologie, er brachte also sein Wissen aus dem Bund für unsere Stadt ein.
  • 1990 übernahm Stefan Herms die Leitung der Abteilung 2 des Planungsstabes der Hamburger Senatskanzlei,
  • und im Jahr 2000 die Leitung des Staatsamtes hier in der Senatskanzlei.

Sehr geehrter Herr Herms,
Ihnen ist natürlich nicht entgangen, dass ich zwei Stationen bislang nicht genannt habe, die Beachtung verdienen: die als Politikberater unter dem Staatssekretär Hans-Hilger Haunschild im Forschungsministerium und die als kaufmännischer Geschäftsführer des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht, also dem heutigen Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung, wo Sie bis zu Ihrem Wechsel an die Spitze des Staatsamtes wirkten. In diesen Stationen zeigt sich eine Vielseitigkeit, die Ihnen bei späteren Aufgaben sehr zugute gekommen ist.

Die Hamburger Morgenpost zitierte im Februar 2000 zum erneuten Wechsel von Stefan Herms in die Senatskanzlei die damalige Chefin der Senatskanzlei wie folgt „[…] Gitta Trauernicht sagte, Herms habe sich in einer kleinen Spitzengruppe qualifizierter Kandidaten aus Deutschland und Brüssel mit Abstand als der Beste erwiesen.“ Die Mopo erläutert dann weiter, dass ein „Headhunter" 110 Gespräche mit Bewerbern und potenziellen Kandidaten geführt habe.

Und so haben Sie dann in den letzten 16 Jahren Ihre vielfältigen Erfahrungen und Kenntnisse an einem der vermutlich abwechslungsreichsten Arbeitsplätze der Stadt einbringen können.

Als Leiter des Staatsamtes haben Sie viele Dinge bewegt – Ihre zahlreich anwesenden Weggefährten und -gefährtinnen können sich daran sicher ebenfalls noch gut erinnern. Ich will nur ein paar Stichworte nennen:

  • Sie haben sich dafür eingesetzt, dass die europäische Großforschungseinrichtung European Spallation Source – ESS – im schwedischen Lund, also der nahen Region Schonen, angesiedelt wird, wodurch eine enge wissenschaftliche Verbindung zwischen Hamburg und der Öresundregion entstand und in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden kann.
  • Von Bedeutung war auch das frühere Interreg-Projekt STRING, aus dem heraus sich eine sehr fruchtbare schwedisch-dänisch-deutsche Zusammenarbeit mit den Regionen Schonen, Kopenhagen und Seeland sowie Schleswig-Holstein ergeben hat. Gemeinsam arbeiten die Partner nun an der Fehmarnbelt-Querung, welche uns zu einer global wahrnehmbaren Wirtschaftsregion zusammenschließen wird.
  • Überhaupt, der Ostseeraum. Unter der fachlichen Federführung von Stefan Herms hat Hamburg sich hier gut positioniert. Das sieht man auch in der Ostseestrategie der EU-Kommission, dort finden sich die Interessen unserer Metropolregion wieder.
  • Herausheben möchte ich schließlich das Engagement in der – verzeihen Sie das Wortungetüm – Baltic Sea States Subregional Cooperation (BSSSC). Die Jahre des Hamburger Vorsitzes in diesem Netzwerk und das Engagement im Vorstand wusste Stefan Herms gut zu nutzen.

Meine Damen und Herren,
Stefan Herms ist ein überzeugter Europäer. Die Europawochen, der Hamburger Vorsitz bei der Europaministerkonferenz, das Hanse-Office in Brüssel, die Schaffung von Poolstellen, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behörden für eine befristete Zeit in Brüssel arbeiten können – mit all diesen Aufgaben waren Stefan Herms und sein Team befasst. Zuletzt kam die enge Zusammenarbeit mit Frankreich hinzu – neben unserer Partnerstadt Marseille hat Stefan Herms gute Kontakte zu dem anderen großen europäischen Airbus-Standort, Toulouse, aufgebaut, die wir nun gemeinsam nutzen wollen.

Aber er hat natürlich über Europa hinaus gewirkt – sein Engagement in China habe ich ja schon anfangs erwähnt. Mir sind aus der Zeit seit März 2011 insbesondere die vielen Auslandsreisen in guter Erinnerung geblieben, die uns doch in so manches Land geführt haben.

Sehr geehrter Herr Herms,
ich danke Ihnen im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg herzlich für Ihren Einsatz für unsere Stadt und das Gemeinwesen in Deutschland und Hamburg über so viele Jahre. Ich hoffe, dass in den vielen Berufsjahren die Freude die sicher manchmal auch vorhandenen Nervereien und Verärgerungen überwogen hat und Sie, ebenso wie wir alle hier, mit Dankbarkeit und Freude auf Ihr spannendes Berufsleben zurückblicken.

Gleichzeitig freue ich mich, dass Ihre Erfahrungen nicht verloren gehen und Sie sich in Zukunft als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung weiter einbringen und engagieren werden.

Als Entrée in eine vermutlich etwas leichtfüßigere Lebensphase gestatten Sie mir, dass ich Ihnen zum Schluss einen entsprechend leichtfüßigen Reim von Joachim Ringelnatz vortrage:

Ein Rauch verweht,
ein Wasser verrinnt,
eine Zeit vergeht,
eine neue beginnt.

So ist es, sehr geehrter Herr Herms.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie für die Zukunft alles Gute. Und freue mich auf die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit in neuer Funktion!

Vielen Dank.

Danke für Ihr Interesse!

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