29. April 2016 Wiedereröffnung Hamburger Kunsthalle

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Wiedereröffnung Hamburger Kunsthalle

Sehr geehrter Herr Professor Gaßner,
sehr geehrter Herr Otto,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Das Kunstwerk ist eine imaginäre Insel, die rings von Wirklichkeit umbrandet ist.“

So lautet ein Zitat des spanischen Philosophen José Ortega y Gasset.

Schaut man sich die Hamburger Kunsthalle heute an, trifft dieses Bild nicht mehr zu. Nach dieser historisch zu nennenden Modernisierung rücken die Kunsthalle und die in ihr präsentierten Kunstwerke wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit und ins Zentrum der Stadt.

Der neue alte Eingang wirkt wirklich einladend. Man schaut hinaus zur Stadt, und die Stadt schaut hinein zur Kunst: Knapp hundert Jahre nach der Schließung des ursprünglichen Entrées ist dies technisch nun möglich. Hell und großzügig nimmt die Kunsthalle ihre Gäste in Empfang und leitet sie ohne Umstände durch die Gänge und Präsentationen – und auch wieder hinaus. Langjährige Freunde der Kunsthalle erinnern sich gut, dass Letzteres vor dem Umbau nicht selbstverständlich war. „Come in, don´t find out“ hat eine Zeitung deshalb einmal gewitzelt.

Doch jetzt öffnet sich die Kunsthalle langjährigen Freunden wie auch einem neuen Publikum ohne Hindernisse. Das Herzstück der Modernisierung ist zweifellos der neu gestaltete chronologische Rundgang, der die Vielfalt der Sammlungen für die Besucherinnen und Besucher ganz neu erlebbar macht. Die Sammlung Alte Meister gewinnt dadurch überragend an Kontur. Kräftige Wandfarben tragen zur neuen sinnlichen Ästhetik und Wahrnehmung der Kunst bei.

Die Hauptwerke werden in neuen Konstellationen präsentiert, welche die wechselseitigen, länderübergreifenden Einflüsse sichtbar machen. Die bedeutende Kunst des 19. Jahrhunderts knüpft nun nahtlos an die Alten Meister an, und zum ersten Mal ist auch der Kuppelsaal wieder in den chronologischen Rundgang einbezogen. In seinem Mittelpunkt steht jetzt die vermutlich einzige Büste, die von dem lebenden Immanuel Kant gefertigt wurde, und erinnert an dessen Ruf „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Meine Damen und Herren,

das Museum bleibt – im Sinne Kants – ein Ort der Aufklärung, aber mit modernen Mitteln. Unsere Ansprüche an ein Museum haben sich durch die Globalisierung und Digitalisierung in den vergangenen Jahrzehnten gravierend gewandelt. Noch mehr als früher muss ein Museum dieser Größe heute international aufgestellt sein und weltweit Exponate leihen und verleihen. Die Digitalisierung der Bestände, die für die Allgemeinheit aufbereitet und zugänglich sein sollten, gehört heute ebenfalls zu den zentralen Aufgaben und wird vom Senat gefördert. Dafür mussten zusätzliche Arbeitsräume eingerichtet werden. Aber auch die realen Wege zum und im Museum sollten zugänglich und barrierefrei sein – hier waren ebenfalls erhebliche Baumaßnahmen nötig.

In der Wissensgesellschaft kommt den Kunstmuseen eine wichtige Rolle zu. Museen sind Bildungs- und Selbstbildungsanstalten, Trendsetter und Traditionshüter, sie sind Orte der Kommunikation und Integration. Und sie bilden ein wichtiges Forum für die Debatten, welche die Stadt beschäftigen. Als solches sollten sie alle gesellschaftlichen Gruppen ansprechen und auch Interessierten mit geringerem Einkommen offenstehen. Die Hamburger Kunsthalle macht dies beispielhaft, etwa indem sie Geflüchtete zu Führungen einlädt.

„Wir wollen nicht über die Dinge, sondern von den Dingen und vor den Dingen reden.“

Diesen Satz von Alfred Lichtwark hat die Kunsthalle sich selber ins Buch oder richtiger: an die Wand geschrieben, was ich so verstehe: Man muss die Bilder anschauen, Face-to-Face statt auf Facebook. Und das gilt ganz besonders für die Kinder und Jugendlichen. Ihnen ein gutes „Kontaktangebot“ – so will ich es mal nennen – zu machen, gehört zu den wichtigen Aufgaben einer Kunsthalle. Und übrigens auch der neuen Elbphilharmonie.

Die Kunsthalle kann hier seit Lichtwark auf eine gute Tradition zurückblicken, die sie im Zuge der baulichen Modernisierung ebenfalls erneuert. Die „Abteilung Bildung & Vermittlung“ hat die Zeit des Umbaus genutzt, um innovative Konzepte der Kunstvermittlung auszuarbeiten. Neue Technik kann hier helfen, barrierefreie Formate für Gehörlose, Sehbehinderte, demenziell Erkrankte zu entwickeln. Erwähnenswert im Zusammenhang der Kunstvermittlung ist auch das neu konzipierte „Transparente Museum“ im Hamburger Gang, welches interaktive Zugänge für weniger geübte Kunstbetrachter anbietet.

Die Kunsthalle ist eben keine Insel. Das zeigt sich auch in der Architektur. Der Eingang mit der dem Berliner „Neuen Museum“ nachempfundenen Treppe lässt den Blick zur Unger-Galerie, zur Binnenalster, aber auch nach innen schweifen. Die drei Gebäude-Kuben werden nun zu einem Ensemble verbunden, was nicht ohne Spannung ist: drei Zeiten, drei Baustile, ein Eingang.

Auch die Außenanlagen, Teile des Glockengießerwalls sowie Fuß- und Radwege an der Kunsthalle haben wir umgestaltet. Wir haben Sitzbänke und Skulpturen aufgestellt, begrünt und Bäume gepflanzt. Im Stadtbild kommt die modernisierte Kunsthalle mit dem Muschelkalkbau jetzt noch besser zur Geltung – ich vermute, das hätte auch Lichtwark gefallen.

Meine Damen und Herren,

Hamburg wird zu Recht als Deutschlands Tor zur Welt bezeichnet. Traditionell bezieht sich der Begriff vor allem auf den weltweiten Handel über den Hafen. Aber wir müssen ihn natürlich auch im übertragenen Sinn verstehen: als Tor zur Wissensgesellschaft, zu Bildung, Forschung und Kultur. Eine zeitgemäße Kunsthalle von Rang, die das Publikum anzieht und begeistert, ist für eine Stadt wie Hamburg von zentraler Bedeutung.

Damit diese auch arbeiten kann, brauchte es neben dem bereits Erwähnten auch Räume für Restauratoren und Verwaltung, das Fundament musste saniert werden und vieles mehr. All das wäre ohne die Dorit und Alexander Otto-Stiftung nicht umsetzbar gewesen.
Hamburg kann sich über viele engagierte Bürgerinnen und Bürger freuen. Eine Spende in dieser Größenordnung ist auch für uns außergewöhnlich.

Sehr geehrte Frau Otto,
sehr geehrter Herr Otto,

ich möchte mich bei Ihnen im Namen des Senats und aller Hamburgerinnen und Hamburger sehr herzlich für Ihre Großzügigkeit bedanken. Dieser Umbau wurde exzellent geplant und ausgeführt. Die Zusammenarbeit der zentralen Partner war effektiv und angenehm – wir alle wissen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist.

Mein Dank gilt auch der „Stiftung Hamburger Kunstsammlungen“, der Initiative „Kunst auf Lager“ und allen, die sich für die Modernisierung stark gemacht haben. Und natürlich Herrn Professor Gaßner und seinem Team sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kunsthalle. Ohne Sie alle könnten wir uns heute nicht über dieses überragende Ergebnis freuen.

Karl Kraus sagte einmal: „Vor der Wahrheit der Kunst ist die Wirklichkeit nur eine optische Täuschung.“

In diesem Sinne möchte ich Sie einladen, sich von der Kunst inspirieren und irritieren zu lassen und Antworten auf Fragen zu finden, die Sie ohne die Kunst und die Kunsthalle nicht gestellt hätten.

Vielen Dank.

Danke für Ihr Interesse!

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