9. Mai 2016 Überseetag

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Überseetag

Sehr geehrter Herr Behrendt,
sehr geehrter Herr Dr. Grube,
sehr geehrte Frau Doyenne,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
Exzellenzen,
sehr geehrte Mitglieder des Konsularischen Korps,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Überseetag ist immer eine hervorragende Gelegenheit, die Themen aufzugreifen, die Hamburg als Weltstadt auszeichnen: wichtige Leute, globale Handelsströme und internationale Verkehrswege. Wir haben heute einen Gast, der diesen spezifischen Blick mit seiner Arbeit verbindet, der in Hamburg geboren ist, und immer gerne kommt:

Lieber Herr Grube, ich freue mich sehr, dass Sie Ihre gute Verbindung genutzt haben und heute dabei sind. Sie wissen: Was gut ist, das kommt aus Hamburg oder es ist auf dem Weg nach Hamburg. Und in sehr vielen Fällen laufen die guten Dinge auf Schienen. 45,76 Millionen Tonnen Güter wurden im vergangenen Jahr von der Hamburger Hafenbahn transportiert. 200 Güterzüge und 5.000 Wagons werden hier täglich abgefertigt. Alle Containerterminals verfügen über hochmoderne, flexible und leistungsstarke Umschlaganlagen. Hamburg ist der größte Eisenbahnhafen Europas. 

Hamburg schlägt fast so viele Güter um wie die Nation Brasilien - all das muss Wege durch unsere Stadt finden. Um allein die Ladung eines einziges Containerschiff mit 10.000 TEU weiter zu transportieren, braucht es 42 Ganzzüge, zehn Feederschiffe und 3.400 Lkw. Hamburg ist der Welthafen für Ost-, Mittel und Südeuropa. Vor allem aber: Hamburg ist ein wichtiger Vertriebshafen für den Exportweltmeister Deutschland. So wird beispielsweise die Hälfte des Bayerischen Überseehandels in Hamburg umgeschlagen. Jeder Engpass im Verkehrsknotenpunkt Hamburg geht zu Lasten der deutschen Wirtschaft.

Ein moderner Seehafen ist ein Multiwirtschaftsfaktor, davon profitieren Arbeitnehmer, Handel und Industrie weit über die Region hinaus. Dieses vitale Interesse an einer vernünftigen Infrastruktur darf auch bei der Planung des Schienennetzes im Raum Hamburg/Bremen/Hannover nicht vergessen werden. Die norddeutschen Küstenländer wissen sehr genau, dass sie mit der Anbindung der Häfen eine nationale Verantwortung tragen. Wir müssen das mit den Anwohnerinteressen verbinden und dabei auch den Klimaschutz bedenken.

Die nun statt der Y-Trasse vorgeschlagene Alpha-E Variante ist - wir sagen es höflich - eine Diskussionsgrundlage. Allein der Bau eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen reicht nicht für unsere täglich anfallenden Nord-Süd-Verkehre. Wir müssen mit starkem Aufwuchs im Güterverkehr und bei den beruflich Reisenden rechnen. Hamburg hat vorgeschlagen, auch eine Trasse neben der Autobahn zu prüfen. Eine solche Verbindung könnte die prognostizierten Gütermengen aufnehmen und außerdem den Personenfernverkehr zwischen Hamburg und Hannover erheblich beschleunigen. Wir begrüßen, dass das Bundesverkehrsministerium das ganze Projekt noch einmal anschaut. Überhaupt sind wir mit dem Entwurf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) sehr zufrieden. Viele unserer wichtigen Projekte sind berücksichtigt. Zum Beispiel der für den Hafenhinterlandverkehr wichtige Neubau der A26-Ost (Hafenquerspange). Und natürlich die Strecke Uelzen-Stendal, deren zweigleisigen Ausbau wir schon so lange angemahnt haben.

Meine Damen und Herren,

Hamburg ist ein Verkehrsknotenpunkt, hier an der Alster kann man das schon mal vergessen. Aber nur wenige hundert Meter von hier entfernt, am Hauptbahnhof, sieht man deutlich, welche ungeheuren Verkehrsleistungen unsere Stadt erbringt: Der Hauptbahnhof ist der meistfrequentierte Bahnhof Deutschlands und steht an zweiter Stelle in Europa. Jeden Tag werden 200 Züge des Fernverkehrs, 500 Züge des Regionalverkehrs und 1000 S-Bahnen abgefertigt. Oder anders gesagt: Eine halbe Millionen Menschen steigen jeden Tag ein und aus. 

Stadtverkehr, Regionalverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr nutzen den Hauptbahnhof. Der Verkehr steigt, aber der Platz wird nicht größer. Die Bahn tut, was sie kann. Weil die Gleise so knapp sind, werden die Bahnsteige 5–7 und 11–14 geteilt. Auf tatsächlich sieben Gleisen gibt es virtuell 14 Gleise, das ist eine enorme Herausforderung, für die Logistik und für die Umsteigenden. Jedes a und b auf den großen Anzeigetafeln zeigt jeden Tag: Der Hauptbahnhof muss entlastet werden.

Erfreulicherweise gibt es eine Möglichkeit, mit der wir gut anfangen können, um das Kapazitätsproblem zu lösen. Der erste Schritt der Lösung heißt S 4.

Mit der geplanten neuen S 4 auf der Strecke von Hamburg bis Bad Oldesloe wird der Regionalverkehr von den Fernbahngleisen genommen. Um rund 100 Regionalbahnen und je 25 Minuten Bahnsteignutzung kann die S 4 den Hauptbahnhof entlasten. Für 300.000 Einpendler und 100.000 Auspendler bedeutet das Zeitersparnis und deutlich weniger Stress und weniger Umsteigen. Auch die Strecke nach Lübeck bekommt so mehr Platz. Denn mit der S 4 werden Nah- und Vorortverkehr vom Fernverkehr und Güterverkehr getrennt. So werden dann auch die Kapazitäten für die Schienenanbindung zur Festen Fehmarnbeltquerung geschaffen.

Die S 4 ist ein Mischprojekt, sie organisiert den Nahverkehr, den Güterverkehr und den Personenfernverkehr neu und besser. Die Lösung ist ideal, denn sie lässt sich bautechnisch gut realisieren. Hamburg, Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn sind sich einig: Das Projekt S4 hat eine sehr hohe Priorität.
Aber wir bauen gemeinsam mit der Deutschen Bahn auch einen neuen Bahnhof: Die Verlagerung des Bahnhofs Altona nach Diebsteich ist ein sehr großes Projekt, bei dem wir auf einem guten Weg sind. Für Hamburg steht das im Kontext wichtiger städtebaulicher Planungen, weil wir damit Flächen für den Wohnungsbau in der Mitte Altona schaffen.

Bleiben wir beim guten Ausblick: Gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Hamburger Hochbahn bauen wir die Station Elbbrücken. Die Hamburger Bürgerschaft hat im März den Weg freigemacht, Hamburg investiert 40,17 Millionen Euro. Auch die U-Bahn Linie 4 wird bis zu den Elbbrücken verlängert. Die Haltestelle Elbbrücken wird ein spektakuläres Eingangstor der Stadt. Der Entwurf der Architekten gmp lässt erahnen, was für einen wunderbaren Ausblick man von dort auf Elbe und Hafencity haben wird. Luftige und lange Glasdächer schützen vor dem manchmal etwas herben Hamburger Wetter. Ich bin mir sicher: die neue Station Elbbrücken wird mindestens so schön wie der Berliner Hauptbahnhof.

Meine Damen und Herren,

der Brite Neil MacGregor hat ein Buch geschrieben, das Deutschland an Hand von Objekten erklärt. Zwischen Denkmälern, Münzen und großartigen Gebäuden gibt es ein Bild vom Hamburger Hafen. Es zeigt die Verschiffung von Autos nach Übersee. Die Deutschen haben das Auto erfunden, in Deutschland gehört das Auto immer dazu. Verwunderlich eigentlich nur, dass es ein Franzose war, der das Auto als „Äquivalent der großen gotischen Kathedralen“ bezeichnete.
In vielen Ländern baut man inzwischen schnelle Autos, aber alle Welt und besonders die Amerikaner schauen neidisch auf unsere Autobahnen.
In Hamburg, um Hamburg und an den Grenzen von Hamburg bauen wir Autobahnen: Wir verlängern die A 26 bis zur A 7 (A 26 West), schließen dann die Lücke zur A 1 (A 26 Ost), verbessern die Erreichbarkeit des Hafens und schaffen eine Verbindung zwischen Stade, Hamburg und Lübeck. Und wir freuen uns über die Pläne für die A 20, denn die Verlängerung der Autobahn ist wichtig für die Metropolregion.

Die A 7 ist übrigens die längste durchgehende nationale Autobahn Europas. Vor über vierzig Jahren wurde sie durch den Elbtunnel an Skandinavien angeschlossen. Das hat sich gelohnt. Bis 2020 wird die Strecke nördlich und bis voraussichtlich bis 2024 die Strecke südlich des Tunnels auf 6 bzw. 8 Streifen ausgebaut.

Wir sehen in Hamburg sehr schön, wie es vorangeht, ganz im Zeitplan: Im März wurde das erste Teilstück der Langenfelder Brücke fertiggestellt. Vor wenigen Tagen wurde mit dem Bau des Lärmschutztunnels in Stellingen begonnen.

Auf rund 3,5 Kilometer wird die A 7 in Hamburg unter einem Deckel verschwinden. Das ist international ein Rekord und auch städtebaulich ein bemerkenswertes Projekt. Auf dem Deckel entstehen 25 ha neue Grünflächen, das verbindet den Stadtteil und schafft an anderer Stelle mehr Platz für den Wohnungsbau.

Es war übrigens ein aus Hamburg stammender Finanzminister, der sich in den Bonner Regierungsjahren darum gekümmert hatte, dass für den Bau der A7 durch Hamburg und nach Skandinavien, wie er sich ausdrückte, „die Penunsen stimmen“. Ich meine Helmut Schmidt, und er war es auch, der bei der Eröffnung des Tunnels unmissverständlich deutlich machte, warum wir Verkehrsinfrastruktur vorrauschauend bauen müssen: (Zitat): „Die Investitionen von heute, ziehen die Arbeitsplätze und die Masseneinkommen von Morgen nach sich“.

Ich meine, Helmut Schmidt sollte man nicht unnötig widersprechen.

Vielen Dank! 

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