19. Mai 2016 Friedrich Ebert-Stiftung - Veranstaltung zur Metropolregion

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Rede des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Friedrich Ebert-Stiftung - Veranstaltung zur Metropolregion

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Werner,
sehr geehrter Herr Badenschier,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

im politischen Prozess ist es sinnvoll, sich immer mal wieder zu vergewissern, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist und wo dieser in Zukunft hinführen soll. Insofern bin ich der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) sehr dankbar, dass sie uns heute zu einem Gedankenaustausch nach Schwerin eingeladen hat. Die Einladung gefällt mir aber auch aus einem anderen Grund: Sie zeigt einen gewissen Witz. Und den sollten wir als Bindeglied zwischen den Regionen nicht unterschätzen.

Die Metropolregion Hamburg mit Mecklenburg-Vorpommern ist heute einer der großen dynamischen Wirtschaftsräume Europas und eine aufstrebende Wissensregion. Wir setzen auf die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft und auf entsprechende Innovations- und Technologieförderung über Landesgrenzen hinweg. Das hat sich herumgesprochen und eröffnet uns auch in Europa und weltweit neue Möglichkeiten.

Meine Damen und Herren,

ich kann mir keinen besseren Ort als Schwerin für unser Treffen vorstellen:

• vor der atemberaubenden Kulisse des Schlosses, das Schwerin und Hamburg gemeinsam bewerben;
• in der Orangerie des Schweriner Schlosses und damit quasi im Vorraum des Landtags von MV, der 2012 den Beitritt von MV zur MRH beschlossen hat;
• dort, wo unmittelbar zu spüren ist, wie 1989 der Fall des Eisernen Vorhangs auch der Globalisierung den Weg geebnet hat. 

Ein guter Ort für dieses Treffen ist Schwerin aber auch, weil vor wenigen Tagen, am 13. Mai, der Lenkungsausschuss der MRH den Beitritt der Landeshauptstadt und die Ausweitung des Kooperationsraumes auf den Altkreis Parchim beschlossen hat. Eine gute Entscheidung, die ich begrüße und die dazu führt, dass die MRH um fast 200.000 Bürgerinnen und Bürger und damit auf eine Bevölkerung von 5,3 Millionen wächst.

Auch strukturell wird sich in diesem Zusammenhang etwas tun: Künftig werden Politik und Verwaltung gemeinsam mit Kammern und Unternehmen, Vertretern des DGB und des Unternehmensverbandes Nord die Projekte der Region gemeinsam voranbringen. Durch den vorgesehenen Beitritt der Wirtschaft in die Gremien der MRH werden wir nun noch zielgerichteter handeln. Von der Einbindung der Unternehmen erhoffen wir uns zudem greifbare Vorteile wie die Einbringung von Finanz- und Personalmitteln, die Generierung von Projektideen und die Übernahme von Projektverantwortung.
Im Wettbewerb um Köpfe und Ideen ziehen nun tatsächlich alle an einem Strang. Dies wird uns bei ganz unterschiedlichen Themen – von der Ausbildung der Flüchtlinge bis zur Digitalisierung – weiter voranbringen. 

Meine Damen und Herren,
wie richtig der Zusammenschluss zur MRH ist, kann man zum Beispiel an dem Ringen um den neuen Bundesverkehrswegeplan sehen: Dank der norddeutschen Einigkeit über die „Ahrensburger Liste“ stehen die Chancen gut, dass der Norden sich im Wettbewerb um die Verkehrsinfrastruktur-Mittel behaupten wird. Das zeigt, wie viel besser wir unsere Interessen auf Bundesebene gemeinsam vertreten können. Zusammen finden wir auch neben bevölkerungsreichen Ländern wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen oder Bayern Gehör.

Und das gilt erst recht weltweit. Aus amerikanischer oder asiatischer Perspektive spielen innerstaatliche Grenzen zwischen den deutschen Ländern keine Rolle. Global werden wir längst als ein einziger Wirtschaftsraum betrachtet – und dieser umfasst gefühlt auch die Region Kopenhagen und sogar weite Teile des Ostseeraums. Investoren denken da pragmatisch. Sie wollen in der Regel wissen, wie viele Kunden sie im Einzugsgebiet des Unternehmens erwarten, wie viele qualifizierte Arbeitskräfte sie vorfinden und wo Wissenschaftler forschen können.

In der MRH leben heute bereits mehr als 1 Prozent der EU-Bevölkerung. Für unsere Größenverhältnisse ist das beachtlich. Aber um mit Shanghai und seinen mehr als 20 Millionen Einwohnern oder den Städte-Bändern in den USA, die teilweise mehr als 100 Millionen Einwohner umfassen, mithalten zu können, sind wir auf weitere Partner und unsere Nachbarn angewiesen. Es kommt eben auch auf die Größe an, wenn man global sichtbar sein will. Die Anzahl an Konsumenten, Fachkräften, Forschungseinrichtungen, innovativen Unternehmen und Clustern spielt hier eine ganz wesentliche Rolle. 

Deshalb freuen wir uns sehr, dass MV ebenfalls die feste Fehmarnbelt Querung unterstützt. Hervorzuheben ist auch, dass sich der Kreis Nordwestmecklenburg der „Kooperation an der Fehmarnbeltachse“ angeschlossen hat und wir hier gegenüber Skandinavien eine gemeinsame Linie vertreten. Durch den Schulterschluss mit dem Großraum Kopenhagen kämen weitere vier Millionen Einwohner sowie viele bedeutende Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen hinzu. 10 Millionen Konsumenten, eine solide Wirtschaftsstruktur, grenzübergreifende Kooperationen der Cluster und Universitäten – ein solches Potential dürfte für internationale Investoren von einigem Interesse sein.

Aber lassen Sie uns nicht nur in die Zukunft schauen. Auch der sich stetig weiter entfaltende, bereits bestehende Wirtschaftsraum lohnt einen Blick. Wachsende Pendlerzahlen sowie zahllose Lieferwagen von Handwerksunternehmen aus MV auf Hamburger Straßen belegen, wie weit der gemeinsame Wirtschaftsraum, zu dem naturgemäß ein gemeinsamer Arbeitsmarkt gehört, schon Realität geworden ist. Deshalb gelingt es uns viel eher, Unternehmen in die Region zu holen. Ein gutes Beispiel ist Nestle, das die Standortvorteile von Schwerin wie auch die Nähe zum Hamburger Hafen nutzt. 

Historisch gesehen ist die Verbindung zwischen Hamburg und speziell Westmecklenburg so neu nicht. Allerdings hatte die deutsche Teilung das Land für 40 Jahre schmerzlich von der Verbindung zur Metropole abgetrennt. Erst mit der Wiedervereinigung Deutschlands konnten die historisch gewachsenen wirtschaftlichen, verkehrlichen und naturräumlichen Verflechtungen wieder aufleben.

Der Landkreis Ludwigslust hat damals besonders schnell an die engen Beziehungen der Vorkriegszeit angeknüpft: 1991 ist er dem touristischen „Verein Naherholung“ beigetreten. 2007 wurde der Landkreis Gesellschafter der Hamburg Marketing GmbH – fünf Jahre vor dem Beitritt zur eigentlichen Regionalkooperation. Dass Hamburg seine Marketinggesellschaft für die Nachbarkreise geöffnet hat und damit Zusammenarbeit mit den HMG-Tochtergesellschaften Hamburg Tourismus, Wirtschaftsförderung und Convention Bureau ermöglicht, ist deutschlandweit einzigartig. Der Landkreis Westmecklenburg ist 2012 hinzugestoßen, und als Vorsitzender des Aufsichtsrats spreche ich gern auch eine Einladung an die Landeshauptstadt Schwerin aus, sich an der HMG zu beteiligen.

Gerade im Tourismus passen die Partner gut zueinander. Viele Hamburger machen Urlaub bei Ihnen, gern auch übers Wochenende: „MV tut gut“ (offizieller Claim), das will ich gern bestätigen. Umgekehrt reizt auch Hamburg zum Städtebesuch. Was läge da näher, als die Urlaubsregion gemeinsam zu entwickeln. Dabei gehen wir entlang der Elbe von Bergedorf sogar bis Wittenberge in Brandenburg. Hamburg transferiert dafür Mittel in die Metropolregion und darüber hinaus und bewirbt die Region als eigenen Standortfaktor.

Wie vielfältig die positiven Effekte der Kooperation sind und welche Sogwirkung sich durch sie im Norden entfaltet, lässt sich auch an anderen Beispielen gut verdeutlichen: 

• Zum Cluster Maritime Wirtschaft war Schleswig-Holstein vorangegangen, dann ergriff Hamburg die ergänzende Initiative für die übrige Metropolregion, und schließlich kam Niedersachsen an Bord. Es ist nun ausgemacht, dass Mecklenburg-Vorpommern und Bremen sich zum 1. Januar 2017 ebenfalls anschließen. Damit wird dieser Cluster endgültig zum Global Player, mit dem sich international die Zusammenarbeit lohnt. Gemeinsam können wir nun unseren norwegischen Nachbarn auf ihrem Spezialgebiet auf Augenhöhe begegnen.

• Innerhalb der Luftfahrtregion Norddeutschland hat sich in den letzten Jahren eine starke Achse entwickelt. Als drittgrößter Standort der zivilen Luftfahrtindustrie weltweit hat Hamburg hier die Initiative ergriffen. MV ist bereits seit 2006 Mitglied im Kuratorium des Luftfahrtclustervereins „Hamburg Aviation“. Die moderne Zulieferindustrie von MV mit etwa 30 leistungsstarken Unternehmen verteilt sich – mit Rostock als Zentrum – über das ganze Land. Dadurch sind die Unternehmen im ländlichen Raum in Innovationsnetzwerke eingebunden.

• Auch in der Wissenschaft pflegen wir die Zusammenarbeit. Die Fachhochschule Wismar bildet für den erweiterten Standort Hamburg aus und arbeitet eng mit Einrichtungen der großen Hansestadt zusammen. Selbstverständlich nimmt Wismar an der Hamburger „Nacht des Wissens“ teil. Und zum 3. Oktober wird die FH Wismar erstmals auf dem Hamburg-Stand in Dresden vertreten sein.

Dass es bei so unterschiedlichen Themen und so vielen beteiligten Ländern und Kommunen manchmal auch unterschiedliche Interessen gibt – das gehört ebenfalls dazu. Gleichzeitig sind wir uns aber alle einig, dass wir unsere Unternehmen in der Region halten und für den Norden neue hinzugewinnen wollen. Deshalb haben die Gebietskörperschaften der MRH beschlossen, ihre Gewerbegrundstücke gemeinsam zu klassifizieren und zu bewerben. An dem System nehmen Schwerin und der Raum Parchim schon jetzt teil. 

In der MRH sehe ich noch viel Spielraum für ein gemeinsames Vorgehen, lange bevor der Wettbewerb um die konkrete Ansiedlung einsetzt. Das gilt auch für unsere Anstrengungen, qualifizierte Arbeitskräfte für unsere Region zu gewinnen. Letztlich kommt es darauf an, Geben und Nehmen im Großen und Ganzen in etwa im Gleichgewicht zu halten.

Meine Damen und Herren,
Sichtbarkeit nach außen, Vernetzung nach innen, das Zusammenbringen von innovativen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, eine gemeinsame Fachkräftestrategie, der Ausbau der Infrastruktur: Unsere gemeinsame Metropolregion stellt sich gut auf in der globalisierten Welt. In dieser ist eine gute Anbindung der Regionen an große Städte sicherlich eine Voraussetzung. Aber auch die Metropolen sind gut beraten, das sogenannte Hinterland in der Vorderhand zu behalten.

Insofern bin ich gespannt auf die Diskussion heute Abend und freue mich auf vielerlei Anregungen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Danke für Ihr Interesse!

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