2. Juni 2016 Verabschiedung Brigitte Behrens, Greenpeace

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Verabschiedung Brigitte Behrens, Greenpeace

Sehr geehrte Frau Behrens,
meine sehr geehrten Damen und Herren

1986 war ein ereignisreiches Jahr: Tschernobyl, Golfkrieg, die Attentate auf Olof Palme und die Berliner Diskothek „La Belle“. Im Rhein sterben nach einem Brand bei Sandoz die Fische, und an deutschen Universitäten werden erste Emails ausgetauscht. 1986 wird die Berliner Mauer 25, die Freiheitsstatue 100 Jahre alt. Argentinien gewinnt die Fußball-WM und Boris Becker Wimbledon. 

1986 ist auch das Jahr, in dem die 35-jährige Soziologin Brigitte Behrens zu Greenpeace Deutschland geht. Schnell wird sie Stellvertreterin der Geschäftsführung, 1999 – und einige  männliche Geschäftsführer später – gelangt sie ganz an die Spitze. 17 Jahre lang hält Brigitte Behrens das Team und die Finanzen zusammen und baut den deutschen Zweig immer weiter zu einer modernen Umweltorganisation aus, die wie keine andere den ökologischen Wandel fordert und voranbringt.

Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, dass 2016 für Greenpeace Deutschland eine Ära zu Ende geht. Mit Brigitte Behrens verabschiedet sich nun peu á peu die erste Generation. Dabei sind, was nicht so oft gelingt, wichtige Weichen für die Zukunft bereits gestellt.

Seit Brigitte Behrens 1986 bei Greenpeace anheuerte, hat sich vieles zum Guten verändert. Der deutsche Atomausstieg ist beschlossen, Erneuerbare Energien sind weitgehend akzeptiert, die Umstellung auf Elektromobilität ist eingeleitet. In der Deutschen Bucht tummeln sich wieder zahlreiche Seehunde und Kegelrobben, sogar im Mühlenberger Loch kann man gelegentlich Schweinswale beobachten. Wer hätte 1986 gedacht, dass Badefreuden am Elbstrand, sofern man die Strömungen beachtet, 30 Jahre später wieder zum Hamburger Sommer gehören wie Eiscafés und Public Viewing?

Doch der Klimawandel oder die Verschmutzung der Meere durch kleinste Plastikpartikel zeigen, dass die größten Aufgaben vielleicht noch vor uns liegen und viele Herausforderungen sich nur verlagert haben, zum Beispiel in die Schwellenländer, die heute genauso nach Wohlstand streben wie einst Deutschland. Bei Greenpeace hat man diese Veränderungen früh erkannt und die Aufmerksamkeit auf die globalen Verflechtungen von Ursache und Wirkung gelenkt. Dabei darf man es gerne als einen Ritterschlag der besonderen Art sehen, dass eine der Protestaktionen zum Klimawandel es  bereits 2008 ins Miniaturwunderland geschafft hat. Dort warnen seither kleine Umweltschützer-Figuren mit blankem Po vor der Gletscherschmelze. 

Aber nicht nur die Ritterschläge, auch die Mittel der Wahl haben sich verändert. Bei Greenpeace zerbricht man sich den Kopf nicht nur über Kampagnen gegen, sondern auch über Lösungen für etwas. So zeigt die  Energiegenossenschaft Greenpeace Energy ganz praktisch, wie eine Idee  technisch und auch ökonomisch funktionieren kann.

Meine Damen und Herren,
der neue Hamburger Klimaplan vom Dezember 2015 hat die Halbierung der CO2-Emissionen bis 2030 und die Reduzierung um mindestens 80 Prozent bis 2050 festgelegt. Um diese Ziele zu erreichen, wird die Stadt Maßnahmen in Hamburg verstärken und die Umsetzung bundespolitischer Aktivitäten nach Kräften unterstützen. Auch  Unternehmen und Forschung, NGO´s und Behörden sollten an einem Strang ziehen. Und wir müssen innovative Technologien noch weiter entwickeln.

Im besten Fall sind diese gut fürs Klima und gut fürs Wirtschaftswachstum. Klimaschutz und Energiewende profitieren von diesem  Wachstum. Es ist eine Voraussetzung, um zum Beispiel Schulen und andere öffentliche Gebäude energetisch auf den neuen Stand zu bringen und den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Auch  Forschungsförderung und neue Netze sind nicht umsonst zu haben.

Die Offshore-Windenergie ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Energiewende Arbeitsplätze und Wachstum schaffen kann. Allerdings ist auch die Produktion von Ökostrom nicht immer frei von unerwünschten Nebenwirkungen. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die Balance zwischen den vielfältigen Nutzungswünschen und dem Schutz der Meeresumwelt herzustellen. Greenpeace sehen wir dabei als wichtigen Partner. Helfen Sie mit, die Offshore-Anlagen so weiterzuentwickeln, dass sie Vögel, Fische und das Leben am Meeresboden möglichst wenig beeinträchtigen.

Nicht erst seit dem Abgas-Skandal machen wir uns in Hamburg Gedanken über die hohe Belastung der Luft mit Stickoxiden. Deshalb fördern wir diverse Alternativen zum klassischen Autoverkehr. Wir bauen Fahrradwege und neue U-Bahnlinien, lassen mehr Züge fahren und machen die Haltestellen barrierefrei. Mithilfe unseres erfolgreichen switch-Modells verbinden wir verschiedene Mobilitätsarten wie Öffentlichen Nahverkehr, Leihrad und Carsharing. Um die digitalen Dienste auszubauen, hat der Senat im April seine Strategie für Intelligente Transportsysteme verabschiedet. Wir fördern auch die Elektromobilität und den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ab 2020 wird die Stadt nur noch emissionsfreie Busse anschaffen – auf der Linie 109 testen wir diese heute bereits im Dauereinsatz.

Werte Frau Behrens,
Sie haben seit 1986 viel für Greenpeace und mit Greenpeace viel für Hamburg getan. Ich weiß: Nicht immer geht Ihnen die Entwicklung weit und schnell genug. Aber die Erfolge sind doch unübersehbar. Und so hoffe ich, dass Sie ein wenig stolz auf das Geleistete und auch einigermaßen zufrieden mit Ihrer Wahlheimat Hamburg in den Ruhestand gehen.

Innovative Technik und Digitalisierung werden zum Schutz von Umwelt und Klima noch vieles möglich machen, was wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können. Aber wir müssen neue Möglichkeiten natürlich auch suchen, fördern und ausprobieren. Da halte ich es mit Georg Christoph Lichtenberg: „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll“, schrieb der große Göttinger Aufklärer einst in sein sogenanntes „Sudelbuch“.

Dass mit dem heutigen Tag für Sie, liebe Frau Behrens, manches anders wird, steht wohl fest. Dass es  auch gut wird, das wünsche ich Ihnen und Ihrem Mann von Herzen.

Vielen Dank.

Danke für Ihr Interesse!

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