9. Juli 2016 Eröffnungsfest Lohsepark

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Eröffnungsfest Lohsepark

Sehr geehrter Herr Professor Bruns-Berentelg,
sehr geehrter Herr Professor Vogt,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Park gehört zur Stadt wie die Pause zur Musik. Ohne Pause keine Spannung, kein Rhythmus, keine Komposition. Das gilt auch für die Hafencity, deren Architektur erst durch die optischen Pausen, durch die Plätze, Wasserflächen und durch den Lohsepark ihre Wirkung entfaltet.

Aber das Prinzip funktioniert natürlich auch umgekehrt: Gäbe es die umliegenden Gebäude mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern nicht, wäre der neue Park wie das berühmte Musikstück von John Cage, das lediglich aus einer Pause von „4 Minuten 33“ besteht. So lange vernimmt der Zuhörer einfach nichts, was als wichtige künstlerische Erfahrung, aber nicht als ständiges Element im Alltag gedacht ist.

Wer sich ein Luftbild der Hafencity anschaut, sieht sofort, was für einen wirkungsvollen Kontrapunkt zur dichten Architektur des neuen Stadtteils der Lohsepark bildet. Aber darum geht es natürlich nicht in erster Linie. Denn vor allem anderen ist hier ein Tummelplatz für die Hamburgerinnen und Hamburger wie für die Gäste unserer Stadt entstanden. Sich tummeln bedeutet laut Duden in Österreich „sich beeilen“, aber diese Wortbedeutung meine ich natürlich nicht, sondern – ganz norddeutsch – sich treiben lassen oder ausgelassen beisammen sein. Bolzen und spielen, joggen und auf Bänken sitzen, flanieren und sich mehr oder weniger ziellos herumtreiben – der Lohsepark ist ein echter Volkspark, wie er in Hamburg vor gut hundert Jahren entstand.

38 Prozent der Landflächen in der Hafencity sind öffentliche Freiräume. Entlang der Waterkant sind bislang mehr als 10 Kilometer Promenaden entstanden, hinzu kommen Terrassen, Plätze sowie zahlreiche kleine und größere Sitz- und Spielgelegenheiten. Eine wachsende Stadt braucht solche Freiräume, die allen gehören und die in ihrer Nutzung weitgehend zweckfrei sind. Orte, die keinen Eintritt kosten und niemanden ausschließen, an denen man planlos anhalten und Unbekannten auf eine zwanglose Weise begegnen kann.

Im Lohsepark können Kinder toben und Jugendliche sich treffen, alles ist barrierefrei und für jeden erreichbar. Auf wenig Raum hat die Natur hier viel Platz bekommen. Mehr als 500 Bäumen – Eichen, Linden, Buchen, Äpfeln, Kirschen – kann man zuschauen, wie sie allmählich gen Himmel wachsen. Weitere Pflanzen und auch Tiere werden sich mitten in der Stadt ansiedeln. „Umzäunte Wildnis“ nennen die Landschaftsarchitekten das.

Mit dem Lohsepark schließen wir den Halbkreis, den der historische Wallring um die damalige Stadt gezogen hat. Auch der Park selbst ist ein geschichtsträchtiger Ort. Vom Hannoverschen Bahnhof aus, auf dessen Grund er angelegt ist, wurden über 7.500 Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma aus ganz Norddeutschland in Ghettos und Konzentrationslager deportiert. Dass Nachbarinnen und Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen, Mitbürgerinnen und Mitbürger ihnen nicht zu Hilfe kamen, beschämt uns bis heute. An die Deportationen erinnern die Relikte des Bahnhofsvorplatzes und eine Fuge im Park, die den Gedenkort mit dem geplanten Dokumentationszentrum verbindet, das auf dem denkmalgeschützten Bahnsteig 2 entstehen soll.

Meine Damen und Herren,
Jenisch- und Innocentiapark, Hammer- und Wacholderpark, Volks- und Stadtpark, Bergedorfer Schlossgarten und der Appelhoffweiher an der Steilshooper Allee, Planten un Blomen, Wilhelmsburger Inselpark und Park Fiction bei den Landungsbrücken: Im größten Stadtentwicklungsgebiet Europas setzt Hamburg seine gute Tradition des Volks- und Bürgerparks fort. Gleichzeitig ist der Lohsepark auch etwas ganz eigenes geworden. In keinem anderen Hamburger Park kommen sich Stadt und Natur, Wasser und Grün, Gestaltung und Freiraum, Spiel- und Gedenkfläche so nahe wie hier. Auch wenn wir den Vergleich durchaus als Kompliment verstehen – dies ist nicht die kleine, hanseatische Variante des Central Park, sondern eine neue, urbane Form des öffentlichen Raumes in der großen, demokratischen Stadt.

Allen, die daran mitgewirkt haben, meine Anerkennung und meinen Dank – ganz besonders Herrn Professor Günter Vogt aus Zürich. Ich freue mich, dass wir Sie heute zur Eröffnung in Hamburg begrüßen dürfen.

Und dann gibt es im Park das Spiel des Boltzteams. Für alle Hamburgerinnen und Hamburger wird das Kicken im Lohsepark definitiv der wichtigste Anpfiff vor dem morgigen EM-Finale.

Vielen Dank.
 

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