09. September 2016 10 Jahre IBA Hamburg

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Rede des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

10 Jahre IBA Hamburg

Sehr geehrte Frau Pein,
sehr geehrter Herr Hellweg,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zehn Jahre - so lange gibt es schon die IBA Hamburg GmbH. Sie hat die drei Buchstaben I, B und A zu einem Synonym für Hamburgs Wege zur neuen Stadt und den berühmten Sprung über die Elbe gemacht.

400.000 Frauen, Männer und Kinder besuchten im Präsentationsjahr die Projekte in Wilhelmsburg. Wer dabei war, wundert sich vielleicht: „Was schon zehn Jahre? War es nicht der Sommer 2013 als die Internationale Bauausstellung auch zusammen mit der Internationalen Gartenausstellung zu sehen war? Die IBA muss doch viel jünger sein.“ Die IBA Hamburg ist jung, das ist auf jeden Fall richtig, denn Innovation ist ihr Prinzip. Dennoch, dass die IBA Hamburg GmbH vom Senat, den Auftrag zur Entwicklung einer Internationalen Bauausstellung für Hamburg erhielt, das ist zehn Jahre her. Und es waren sehr intensive Jahre:

Denn eine Internationale Bauausstellung ist keine Ausstellung im klassischen Sinne. Sie ist vielmehr ein Instrument der Stadtplanung, mit dem Fachbehörden, Architekten und Bürger gemeinsam noch nicht Erprobtes als Vorschläge für die Stadtentwicklung auf den Weg zu bringen.

Die IBA Hamburg GmbH hat ihren Schwerpunkt in Wilhelmsburg und Veddel, und hier liegt auch der Ursprung für den neuen Ansatz in der Stadtentwicklung, den wir in Hamburg – immer wieder neu – mit der IBA verbinden.

Die Stadtteile auf den Flussinseln galten lange als Orte mit sozialen, ökonomischen und städtebaulichen Problemen. Von den Bürgerinnen und Bürgern aus Wilhelmsburg kam um die Jahrtausendwende immer mehr die Forderung nach Veränderung. Sie waren unzufrieden mit der isolierten Lage der Elbinseln und wollten einen echten Anschluss an den Rest der Stadt. Der Senat griff den Impuls auf und finanzierte eine „Zukunftskonferenz Wilhelmsburg“.

Mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger, Architekten und Stadtplaner arbeiteten mit Behördenvertretern Ideen aus, die das Weißbuch von 2002 dokumentiert: Gefordert wurden bessere Schulen, eine soziale Durchmischung des Stadtteils und attraktive Wohnungen. Thema war auch die Trennung des Stadtteils durch die Wilhelmsburger Reichsstraße. Von den „Inseln im Fluss Brücken in die Zukunft“ zu bauen, schlägt der Titel des Weißbuches vor.

Eine Idee, die damals nicht nur gewagt, sondern geradezu utopisch erschien. Große Teile der Elbinseln und des Harburger Binnenhafens waren unzugängliche Industriebrache. Auch die geografische Tatsache, dass Wilhelmsburg und Veddel Inseln sind, blieb im Alltag der Bewohner verborgen. Kaum ein Hamburger dachte damals, dass es eine gute Idee ist, einen Sonnentag auf den Elbinseln zu verbringen. Und an eine Fahrradtour war schon mal gar nicht zu denken, überall standen Zäune.

Aber auch die Stadtplaner in den Fachbehörden sahen das Potential für eine städtebauliche Entwicklung der Gebiete zwischen Norder- und Süderelbe. 2003 verabschieden Senat und Bürgerschaft den Rahmenplan „Sprung über die Elbe“ und das Memorandum für eine Internationale Bauausstellung in Hamburg. Eine riesige Aufgabe lag vor dem Team um Uli Hellweg, das 2006 die Arbeit der IBA GmbH startete.

Nur sieben Jahre später hatte sich die IBA Hamburg GmbH eine zentrale Rolle in der Hamburger Stadtentwicklung erarbeitet und konnte der internationalen Öffentlichkeit die Ergebnisse einer bemerkenswerten Veränderung präsentieren: Die Hamburger hatten nicht nur die Inseln neu entdeckt, sondern auch weitere Entwicklungsgebiete im Harburger Binnenhafen.

Dass Senat und Bürgerschaft das Rahmenkonzepts „Sprung über die Elbe – Zukunftsbild 2013 plus“ verabschiedeten und die Stadt mit der IBA GmbH diesen Weg weiter gehen wird, ist geradezu ein Muss. Wilhelmsburg und Veddel gelten nun überall als typisch hamburgisch. Sie sind Stadteile auf die die Hamburger mit großem Interesse blicken. Man weiß, zwischen Norder- und Süderelbe werden Konzepte für Wohnen am Wasser verwirklicht, hier können Spaziergänger und Radler ihre eigenen Wege in die neue Stadt finden und hier werden Arbeit und Wohnen wieder zusammengeführt.

1733 Wohnungen sind im Bau oder fertiggestellt worden, rund 105.000 m² Büro- und Dienstleistungsflächen wurden in Wilhelmsburg, Veddel und Harburg realisiert. Dazu kommen acht Bildungseinrichtungen, zwei Seniorenwohnheime, drei Kitas, vier Sporthallen, ein Gewerbehof und ein Zentrum für Künstler und Kreative.
Über 71 Hektar an Parkanlagen gibt es inzwischen, Hafenanlagen wurden für Fußgänger zugänglich gemacht und 2,7 km neue Wasserwege sind dazu gekommen, so beispielsweise der schöne Aßmannkanal, der bis zur Mengestraße verlängert wurde.

Und Wilhelmsburg und Veddel sind nun Orte für Innovationen zu Ökologie und Nachhaltigkeit: Wer kennt ihn nicht, den ehemaligen Luftschutzbunker, der nun ein Energiebunker ist und 925 Haushalte mit Wärme versorgt. Oder das futuristisch anmutende BIQ [Bio-Intelligenzquotient] mit der weltweiten ersten Algenfassade, die zur Energieerzeugung genutzt wird. Auch die S-Bahn in Wilhelmsburg ist viel attraktiver geworden, eine Fußgängerbrücke empfängt die Pendler und Reisenden mit einem hervorragenden Blick auf den Stadtteil.

140 private und öffentliche Unternehmen sind im Netzwerk der IBA. Allein in den ersten sieben Jahren des IBA-Prozesses sind 700 Millionen Euro an privaten Investitionen und noch einmal 300 Millionen Euro öffentlicher Mittel in die drei Stadteile geflossen.

Zahlreiche Projekte der IBA haben nationale und internationale Preise gewonnen. Gut 80 verschiedene Auszeichnungen sind es inzwischen, darunter Publikumspreise, Architekturpreise und Designpreise, der Wichtigste ist vielleicht der Deutsche Städtebaupreis für das „Weltquartier“, bei dem es um die Aufwertung eines bestehenden Gebäudekomplexes ging ohne die bisherigen Bewohner zu verdrängen.

Nach der IBA-Ausstellung begann die neue IBA: Die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße ist der sichtbarste Ausdruck dafür, der Bau ist im Gange.

Der Wettbewerb für das 41 Hektar große Gebiet Nord-Süd-Achse ist entschieden – der Masterplan wurde im Juli vorgestellt: Auf dem Gelände werden bis zu 2.300 Wohnungen gebaut. Statt der Reichsstraße gibt es in Zukunft eine Wohnstraße, die an die Wanderungen der Römer erinnert. Ein Park wird die Mitte des Quartiers sein und es bleibt auch Platz für Gewerbe und Kleingärten.

Von Anbeginn gehört die Bürgerbeteiligung zum Stadtentwicklungsprozess der IBA in Hamburg. Das IBA Beteiligungsgremium hat zig Sitzungen durchgeführt. Insgesamt sind ein Dutzend zielgruppenorientierter Beteiligungsformate entwickelt worden.

In den aktuellen Entwicklungsprojekten, dem Projekt Wilhelmsburger Rathausviertel [Dratelnstraße] und der Nord-Süd-Achse im Herzen von Wilhelmsburg, begannen die Beteiligungsverfahren schon vor Erstellung der Auslobungsunterlagen. Man sieht, wie viel Kompetenz in der verantwortlichen Bürgerbeteiligung steckt, wenn man die Organisationen betrachtet, die daran arbeiten: Für die Nord-Süd-Achse in Wilhelmsburg gehören dazu: das Projekt "Perspektiven! Miteinander planen für die Elbinseln", die Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg und ihre Kooperationspartner, der Beirat für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg und der vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.

Große städtebauliche Veränderungen dauern gerne schon mal mehrere Generationen. Wie heißt es doch so treffend in dem Lied für Generationen bei den Puhdies? „Wär man hundert, wär die Welt auch von uns ein Teil, weil man (sie) besser gemacht (hat).“ Es ist kaum zu glauben, wie viel mit der IBA Hamburg allein in zehn Jahren verbessert wurde.

Schon jetzt zeigen die nächsten Generationen, wie gut ihnen das Erreichte gefällt: Viele junge Menschen ziehen nach Wilhelmsburg, die Einwohnerzahl steigt. Auch immer mehr Kinder werden in Wilhelmsburg und Veddel geboren. Dabei sind die Mieten konstant günstig, sie liegen unter dem Hamburger Durchschnitt und auch die Steigerung der Angebotsmieten ist geringer als die Quote, die wir in Hamburg insgesamt haben. Das trägt zu einer guten Durchmischung der Einwohnerstruktur bei.

Die IBA Hamburg ist einmalig und unvergleichbar. Ein riesiges Investitionsvolumen, ein ganzheitlicher Entwicklungsansatz mit intensiver Bürgerbeteiligung, die soziale, ökologische und ökonomische Ausrichtung der Projekte, die Verbindung der Anforderungen von Gewerbe, Wohnraum, Freizeit und Infrastruktur – es gibt wohl kein innerstädtisches Entwicklungskonzept, das damit vergleichbar wäre. Alle, die dabei waren und sind, können sehr stolz darauf sein, diesen Prozess mitgetragen und mitgestaltet zu haben.

Die großen Erfolge der IBA Hamburg wären ohne ihren ersten Geschäftsführer Uli Hellweg nicht möglich gewesen. Seine herausragende fachliche Kompetenz, seine Beharrlichkeit und sein Durchsetzungsvermögen zeichnen ihn ebenso aus wie sein Mut und sein Gespür für zukunftsweisende Projekte. Uli Hellwegs großes Kommunikationstalent hat dafür gesorgt, dass sich die Hamburger für die Elbinseln begeistern und die IBA Hamburg im kritischen Blick von Fachwelt und Medien ein positives Label geworden ist.

Seit Mai 2015 ist Karen Pein die Chefin der IBA GmbH. Sie hat zuvor als Projektkoordinatorin zum großen Erfolg der Internationalen Bauausstellung beigetragen und gleich im Anschluss 2013 die Aufgabengebiete in Neugraben-Fischbek übernommen. Sie hat den Übergang zur städtischen Projektentwicklungsgesellschaft bereits hervorragend gemeistert.

Manche sagen, Wilhelmsburg ist - nach Manhattan - die zweitgrößte bewohnte Flussinsel der Welt. Aber was viel wichtiger ist: Wilhelmsburg und Veddel sind zum Zentrum der städtebaulichen Innovation geworden.

Hier ist die IBA Hamburg GmbH zuhause und mit ihr die Erfahrung für große und kleine Sprünge. Das ist wichtig, denn vor der IBA Hamburg GmbH liegen auch weiterhin große Aufgaben. Die IBA verantwortet mittlerweile die Entwicklung von neun Gebieten, hier haben die ersten Planungen ein Potential für ca. 9.650 Wohneinheiten, 280.000 qm Grünflächen und 310.000 qm Gewerbeflächen identifiziert. In Neugraben-Fischbek geht es um drei familienfreundliche und naturnahe Wohnquartiere: Vogelkamp Neugraben, Fischbeker Heidbrook und Fischbeker Reethen.

Die IBA ist ein unverzichtbares Element in der Hamburger Wohnungsbaupolitik. Der Hamburger Senat und die Behörden haben sich vorgenommen, in Zukunft jedes Jahr 10.000 Wohnungen zu bauen. Wir denken dabei nicht nur an die Stadtteile zwischen Elbe und Alster, sondern ganz wichtig auch an die, die stromaufwärts an Elbe und Bille liegen.

Es sind nicht die zehn Jahre, die uns heute feiern lassen, sondern die großartigen Veränderungen die Hamburg erlebt: Die IBA hat den Sprung über die Elbe hervorragend hinbekommen. Und sie setzt nun, so wie ihr Logo es verlangt, zum nächsten Sprung an. Wir freuen uns darauf und sind gespannt: Vielleicht wird Hamburg ja noch die Erfinderstadt des städtebaulichen Viersprungs. Flüsse und Kanäle haben wir ja genug.

Vielen Dank! 

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