8. Oktober 2016 75. Geburtstag Weihbischof Jaschke

Symbol für Leichte Sprache
Leichte Sprache
Symbol für Gebärdensprache
Gebärdensprache
Vorlesen
Symbol für Drucken
Drucken
Artikel teilen
Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

75. Geburtstag Weihbischof Jaschke

Sehr geehrter Herr Erzbischof,
sehr geehrter Herr Weihbischof,
sehr geehrte Damen und Herren,

Ein dreiviertel Jahrhundert – für eine Kirche ist das keine lange Zeitspanne, für einen Einzelnen schon. Für den Einzelnen ist sogar ein Vierteljahrhundert recht beachtlich, zumal wenn es so ereignisreich verläuft wie in Ihrer Zeit als Weihbischof.

Man muss sich das noch einmal vergegenwärtigen: Als Sie 1989 Ihr Amt antraten, da war Deutschland noch nicht wiedervereinigt und die Auswirkungen der Globalisierung, wie wir sie heute kennen, erreichten Hamburg erst peu á peu. Die Hafencity war noch nicht gebaut, der Mariendom noch nicht renoviert. Und manch einer, der damals in Hamburg eine neue Lebensperspektive suchte, kam in Ihren ersten Amtsjahren statt aus Syrien aus Mecklenburg, das heute zum Erzbistum gehört.

1989, das war fünf Jahre, bevor der Erste Bürgermeister Henning Voscherau den Vertrag über die Gründung des Erzbistums unterschrieb, elf Jahre vor dem Katholikentag an der Elbe und 16 Jahre vor Abschluss des Staatskirchenvertrages unserer Stadt mit dem Heiligen Stuhl.

In mehr als einem Vierteljahrhundert haben Sie drei Hamburger Bischöfen als Weihbischof zur Seite gestanden und in sehr bewegten Zeiten unter drei Päpsten gedient: zunächst unter Johannes Paul II., der an der Öffnung des Eisernen Vorhangs nicht unerheblich mitwirkte; dann unter Benedikt XVI., der als Joseph Ratzinger einmal Ihr Doktorvater war; und jetzt unter Franziskus, der unter anderem für den Wunsch nach Reform und Erneuerung Ihrer Kirche steht.

Sehr geehrter Herr Weihbischof Jaschke,
die Zeiten sind heute ja nicht weniger bewegt als 1989. Aber anders als damals ist die Stimme der Katholiken in Hamburg 2016 gut hörbar. Und diese Stimme ist wichtig, weil es mehr denn je darauf ankommt, andere Religionen zu verstehen und sich selbst verständlich zu machen. Und zwar unabhängig davon, ob man nun einer der 120 in Hamburg vertretenen Konfessionen und Religionsgruppen angehört oder nicht.

Sie, Herr Weihbischof, stehen seit einem Vierteljahrhundert für die Gesprächsfähigkeit Ihrer Kirche. Als Mann der Ökumene, der sich mit Maria Jepsen, der ersten lutherischen Bischöfin, auch schon mal im Strandkorb ablichten ließ. Als Prediger und Diskussionspartner, der sich bei strittigen Themen wie Bioethik oder dem Umgang der Kirche mit Homosexualität für aufgeklärte Positionen einsetzt. Als Fürsprecher der Muslime, wenn es ihnen zum Beispiel an angemessenen Gebetsräumen mangelt. Und als wachsamer Beobachter, der sich gegen jede Form von Vorurteil oder Feindschaft gegenüber unseren jüdischen Bürgerinnen und Bürgern wendet.

In den vergangenen Monaten dann hat Sie das Schicksal der Geflüchteten, die bei uns Schutz und eine Lebensperspektive suchen, besonders beschäftigt. Da kommen wohl, so vermute ich, nebenbei eigene Erfahrungen der Flucht aus Oberschlesien wieder in Erinnerung, und aus ihr heraus drängen sich erneut sehr grundlegende Anliegen auf: Wie können die Religionen gut miteinander auskommen? Was hält die Stadt zusammen? Wie können wir gegensteuern, wenn die Fliehkräfte in der Gesellschaft zunehmen?

Das Gespräch über diese und andere Fragen läuft bei uns natürlich immer auch über die Medien, in denen Sie eloquent und oft leidenschaftlich Ihre Stimme erheben. Wir brauchen in Hamburg solche Stimmen, in den Gemeinden wie an anderen Orten, Stimmen, die einen Blick für das Ganze vermitteln können. Hier kommt den Kirchen eine zentrale Aufgabe zu.

Sehr geehrter Herr Jaschke,
darf man einen Weihbischof einen Philosophen nennen? Sollte das erlaubt sein, würde ich Sie gerne so nennen. Sie sind ein belesener, erfahrener Mann mit durchdachten Ansichten und Einsichten. Einer, mit dem man gerne spricht. Das gefällt mir gut – und das imponiert mir auch.

Bevor Sie, lieber Weihbischof Jaschke, sich nun wieder Ihren Aufgaben zuwenden – gewohnten oder auch neuen –, möchte ich mich im Namen des Senats dafür bedanken, dass Sie sich mehr als ein Vierteljahrhundert lang für das Gespräch unter den Religionen, den Zusammenhalt der Stadt und für alle, die hier sind und Fürsprache benötigen, eingesetzt haben und sicher auch weiter einsetzen werden.

Und natürlich möchte ich Ihnen gratulieren: Alles Gute zum 75. Geburtstag und auch für die Zukunft!

Vielen Dank.
 

Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Themenübersicht auf hamburg.de

Empfehlungen

Symbol für Schließen Schließen Symbol für Menü üffnen Aktionen