14. Oktober 2016 Dinner des Lateinamerika-Vereins

Symbol für Leichte Sprache
Leichte Sprache
Symbol für Gebärdensprache
Gebärdensprache
Vorlesen
Symbol für Drucken
Drucken
Artikel teilen
Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Dinner des Lateinamerika-Vereins

Sehr geehrter Herr Präsident Martin Schulz,
sehr geehrter Herr Liesenfeld,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie im großen Festsaal des Rathauses zur 100-Jahr-Feier des Lateinamerika-Vereins zu begrüßen. Tanto tiempo! Wann, wenn nicht zu einem solchen Anlass wäre die Pracht dieses Raumes angemessen? Im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg möchte ich mich in die Reihe der Gratulanten einfügen.

Diese Reihe ist lang. Im Geiste reichen sich heute mehrere Generationen die Hand über den Atlantik hinweg. Der Lateinamerika-Verein ist ja mehr als ein Verein. In ihm kristallisiert sich alles, was eine gute Beziehung im internationalen Geschäft ausmacht: Kompetenz, Verlässlichkeit, Freundschaft, noch dazu inspiriert von der Lebensfreude, die wir mit dieser Region der Welt verbinden. Denn dafür steht der Lateinamerika-Verein auch: für ein der Zukunft zugewandtes Lebensgefühl, das ansteckend ist und gute Laune macht.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich allen danken, die durch ihre Arbeit und die Freude an dieser Arbeit die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu den Ländern Lateinamerikas fördern und weiter vertiefen – und auf diese Weise die Idee der Gründerväter würdigen.

Meine Damen und Herren,

Hamburgs Beziehungen zu Lateinamerika reichen weit in die Geschichte zurück. Als erste deutsche Gebietskörperschaft hat unsere Stadt bereits 1827 Handels- und Freundschaftsverträge mit den neuen unabhängigen Staaten geschlossen. Das diente damals durchaus nicht nur den Hamburger Kaufleuten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Hamburg dann der Aufbruchshafen für viele Auswanderer, die zum Beispiel in Lateinamerika eine neue Heimat suchten und auch fanden. Während der nationalsozialistischen Diktatur haben viele Flüchtlinge aus Deutschland Zuflucht in Lateinamerika gefunden. Daran erinnern wir uns gerade in diesen Tagen, wo so viele Flüchtlinge Schutz in Deutschland suchen.

Die Spuren der langen gemeinsamen Geschichte zwischen unserer Stadt und Lateinamerika lassen sich bis heute bei uns besichtigen – denken Sie nur an das Chile-Haus, das diesen Namen erhielt, weil der Bauherr sein Vermögen durch den Salpeter-Handel mit Chile gemacht hatte. Das Chile-Haus gehört inzwischen zusammen mit dem Kontorhausviertel und der Speicherstadt zum Weltkulturerbe.

Die neue Speicherstadt, die im Zuge des Beitritts Hamburgs zur Deutschen Zollunion gebaut worden war, schuf Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem auch Lagerplatz für immer mehr Säcke und Kisten, die von den Häfen Lateinamerikas hierher verschifft wurden. Übrigens steht auch die Elbphilharmonie, die wir im Januar 2017 eröffnen, auf einem damals errichteten und dann 1963 neu aufgebauten Speicher.

Meine Damen und Herren,
unsere besondere Nähe zu Lateinamerika hat aber nicht nur Tradition. Sie hat vor allem Zukunft. Das weiß man nicht nur hier. Das hat man auch in Brüssel gewusst, als sich die Frage stellte, wo die neue Stiftung zur Förderung der Beziehungen zwischen der EU, Lateinamerika und der Karibik ihren Sitz haben soll. Seit 2011 arbeitet die EU-LAK-Stiftung nun von Hamburg aus daran, die Kooperation zwischen Europa und Lateinamerika, die durch verschiedene bi- wie multilaterale Freihandelsabkommen miteinander verbunden sind, weiter zu stärken.

Die Einrichtung der EU-LAK-Stiftung war dabei nicht nur eine Antwort auf den wirtschaftlichen und politischen Aufschwung Lateinamerikas, sie trägt auch dem enormen Zukunftspotential dieser Region Rechnung. Ich denke, wir alle hier teilen diese Einschätzung. Ob Industrie, Agrobusiness, Umwelt und Gesundheit, Elektromobilität, saubere Energie oder eine Infrastruktur und Logistik, die den Herausforderungen der Zukunft standhält – in all diesen Bereichen arbeiten wir zusammen. Die Diskussionen und Begegnungen des diesjährigen Lateinamerika-Tages haben die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten erst wieder eindrucksvoll vor Augen geführt.

In Hamburg fördern wir die Zusammenarbeit mit Lateinamerika auf vielfältige und gezielte Weise. Nennen möchte ich an dieser Stelle exemplarisch zwei ganz unterschiedliche Beispiele:

  • unseren Erfahrungs- und Ideenaustausch auf kommunaler Ebene, wie zuletzt auf der gemeinsamen Bürgermeister-Konferenz in Hamburg;
  • und unsere Hochschulkooperation mit dem Institut für Luft- und Raumfahrttechnik in São Jose dos Campos nahe São Paulo. Für Hamburg, das nach Toulouse der bedeutendste Standort der zivilen Luftfahrt in Europa und sogar der drittgrößte der Welt ist, sind diese Forschungskontakte von großer Bedeutung.

Sehr verehrte Damen und Herren, 

als Signal für das Vertrauen in die Zukunft lässt sich auch die Entscheidung des norwegischen Nobelpreis-Komitees verstehen, dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos den Friedennobelpreis zu verleihen, auch wenn das Referendum über das Abkommen mit den Farc-Rebellen zunächst gescheitert ist. Diese Entscheidung besitzt Strahlkraft für die gesamte Region und unterstützt jene Kräfte, die Frieden, Demokratie und Fortschritt stärken.

Lateinamerika verdient unser Vertrauen. Bei allen schwierigen Herausforderungen, die es zweifellos gibt, verlaufen viele Entwicklungen hoffnungsvoll. Das gilt übrigens auch in demographischer Hinsicht: Lateinamerika ist ein junger Kontinent. Ein Viertel der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt, in Europa sind es lediglich 10 Prozent.

Jung und begeisterungsfähig, so haben wir Brasilien vor zwei Jahren bei der Fußball-Weltmeisterschaft erlebt. Und so erinnern wir auch die Olympischen und Paralympischen Spiele in diesem Sommer in Rio, wo auch etliche Sportlerinnen und Sportler aus Hamburg eine Medaille holen konnten. Das waren tolle Wochen für die Sportbegeisterten auf der ganzen Welt.

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig hat schon vor 70 Jahren in seiner Liebeserklärung an Brasilien den Gedanken formuliert, Europa habe zwar eine große Vergangenheit, Brasilien aber eine besonders vielversprechende Zukunft. Und das gilt nicht nur für das Land, das den flüchtenden Stefan Zweig aufnahm, es lässt sich auf ganz Lateinamerika übertragen: Die Region gehört zu den vitalsten und dynamischsten der Welt.

Meine Damen und Herren,

1916, das Jahr, in dem der Lateinamerika-Verein gegründet wurde, gilt auch als das Geburtsjahr des typischen Tango-Orchester, des „Sexteto Tipica“: zwei Geigen, ein Klavier, ein Kontrabass und zwei Bandoneons – letztere übrigens ursprünglich eine Erfindung deutscher Instrumentenbauer. Ich weiß nicht, ob Sie für die Feier unten im Ratskeller, nach dem offiziellen Teil hier im Festsaal, ein „Sexteto Tipico“ haben. Aber dass einige von Ihnen gerne Tango tanzen, ist wohl sehr wahrscheinlich. Und auch das ist etwas, was wir teilen: Viele Hamburgerinnen und Hamburger begeistern sich für den Tango, für Salsa, für lateinamerikanische Kultur und, nicht zu vergessen, für lateinamerikanisches Essen. Wir werden also bestimmt auch später noch einen schönen Abend miteinander verbringen.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und ein temperamentvolles Fest!

Vielen Dank.

Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Themenübersicht auf hamburg.de

Empfehlungen

Symbol für Schließen Schließen Symbol für Menü üffnen Aktionen