24. Oktober 2016 Senatsempfang Bürgertag

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Rede des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Senatsempfang Bürgertag

Sehr geehrte Frau Dr. Gundelach,
sehr geehrte Mitglieder der Bürgervereine,
sehr geehrte Damen und Herren,

in diesem Jahr freut es mich ganz besonders, zu Ihnen, den Mitgliedern der Hamburger Bürgervereine, sprechen zu dürfen. Es ist ganz sicher nicht übertrieben, die Bürgervereine als tragende Säule der Zivilgesellschaft zu bezeichnen: Jeder und jede einzelne von Ihnen steht für besondere Leistungen und großen Einsatz zum Wohl unserer Stadt. Sie füllen die sprichwörtlichen „bürgerlichen Tugenden“ mit Leben: Das ist gerade angesichts der großen Herausforderungen, die wir im vergangenen Jahr gemeinsam zu bewältigen hatten, von unschätzbarem Wert.

Aber wer den Bedeutungswandel mancher Wörter beobachtet, weiß: Auch so ein schönes Wort wie „Bürger“ muss ab und an mal zum TÜV, um in seinen Bedeutungen überprüft zu werden. In „Bürgerwehr“ zum Beispiel klingt es, als sei das Wort in falsche Gesellschaft geraten. Und auch in „Wutbürger“ fragt man sich, ob der Schwung noch in die richtige Richtung geht. Doch in „Bürgerverein“ und „Bürgertag“ genießt das Wort weiterhin uneingeschränkte Sympathie. Denn Sie leben vor, was es eben auch heißt, ein Bürger oder eine Bürgerin zu sein: Es heißt, dass man sich kümmert und für gemeinsame Ziele einsetzt, am besten zusammen mit anderen – und das machen Sie ganz vorbildlich. Deshalb haben wir Sie auch dieses Jahr wieder eingeladen: um Ihnen im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg Danke zu sagen.

In unseren 60 Bürger-, Heimat- und Kommunalvereinen machen rund 85.000 Hamburgerinnen und Hamburger mit. Sie helfen, das soziale, religiöse, kulturelle und sportliche Leben in Hamburg weiterzuentwickeln. Sie kümmern sich um Bildung und Erziehung. Sie sind im Tierschutz, im Umweltschutz und im Katastrophenschutz aktiv. Sie pflegen Denkmäler, Naherholungsgebiete und das Plattdüütsche. Sie prägen, verändern, gestalten und optimieren das Leben in unserer Stadt. Das kommt ganz unterschiedlichen Frauen, Männern und Kindern zugute – mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne Behinderungen.

Nach den Ergebnissen des Deutschen Freiwilligensurvey setzen sich immer mehr Männer, Frauen und Jugendliche ehrenamtlich für eine gute Sache ein. Mehr als ein Drittel der Hamburgerinnen und Hamburger ist auf den verschiedensten Feldern für unsere Stadt aktiv. Und da sind die vielen Freiwilligen, die seit vergangenem Sommer die Geflüchteten unterstützen, die in Hamburg Schutz und Hilfe suchen, noch nicht mitgezählt.

Die Beteiligung in allen Bereichen des Zusammenlebens ist in Hamburg so vielfältig, dass vermutlich sogar hier beim Bürgertag nicht jeder und jede immer sofort weiß, was da im Einzelnen so alles gemacht wird – in der Nachbarschaft oder bei der Beteiligung an Planungs- und Gestaltungsprozessen. Denn darum geht es ja auch: um das Mitreden und Mitentscheiden bei den großen Zukunftsthemen. Da zeigt sich dann, was die Bürgerinnen und Bürger möchten und was nicht. Und wenn sie etwas nicht möchten, dann sagen sie deutlich ihre Meinung – auch Widerspruch ist ein Teil des gesellschaftlichen Engagements.

Vielleicht weiß auch hier nicht jeder, wie der Senat dieses vielfältige Engagement der Bürgerinnen und Bürger unterstützt, deshalb lassen Sie mich kurz zwei wichtige Punkte nennen: Mit der „Hamburger Strategie für freiwilliges Engagement 2020“, vom Senat im vergangenen Jahr beschlossen, werden wir die freiwillige Arbeit der Hamburgerinnen und Hamburger weiter stärken. Wir verbessern Rahmenbedingungen und Strukturen, entwickeln Anerkennungsformen und wollen die Leistungen und Erfolge durch eine moderne Öffentlichkeitsarbeit noch besser präsentieren.

Das gilt für kleinere Projekte genauso wie für eine große Plattform wie das „Forum Flüchtlingshilfe“. Das Forum ist ein wichtiges Scharnier für den Austausch aller, die sich dafür einsetzen, den Geflüchteten, die in unserer Stadt bleiben können, eine Perspektive zu geben: ehrenamtlich Engagierte, Initiativen, Projekte, Institutionen, Verwaltung und Politik. Das Forum hilft, die vielen Aktivitäten unter einen Hut zu bringen – zum Beispiel durch fachspezifische Dialogforen zu Themen wie Arbeit, Wohnen oder den Schutz von Frauen.

Mit dem „Forum Flüchtlingshilfe“ wollen wir die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Hamburg so unterstützen, wie es die vielen freiwilligen Helfer mit Recht erwarten. Auch unser Hamburger Integrationskonzept zielt in diese Richtung: Eine Weiterentwicklung ist in Arbeit und soll im kommenden März vorgestellt werden. Außerdem hat die Bürgerschaft auf Antrag der beiden Koalitionsfraktionen den Hamburger Integrationsfonds beschlossen. Er hilft bei der Finanzierung von Maßnahmen zur Unterstützung von Geflüchteten, Migranten und Migrantinnen. Dazu gehören Projekte und Strukturen in der Kinder- und Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung, der Wirtschaft und der Gesundheitsversorgung.

Demokratie muss jeden Tag aufs Neue von Demokraten im Alltag mit Leben gefüllt werden. Das kann auf ganz unterschiedliche Weise passieren, durch Flüchtlingshilfe, Unterstützung Benachteiligter, Präventionsprojekte gegen Rechtsextremismus oder eben durch die tief im Alltag verankerte Arbeit der Bürgervereine, die sich mit einem breiten Spektrum hervortun: Sie organisieren Ausflüge, Vorträge oder Gesprächskreise, setzen sich dafür ein, dass Ihr Stadtteil schöner und sauberer wird, erforschen die Heimatgeschichte und machen diese für andere erlebbar; sie bereichern ihren Stadtteil durch Konzerte und Ausstellungen oder durch sportliche Veranstaltungen, stärken die Nachbarschaftshilfe und vieles mehr. Dass die Bürgervereine in ihrem vielseitigen Engagement verlässlich sind und langfristig denken, ist dabei ganz wichtig: Auf die Bürgervereine kann man in Hamburg bauen. 

Meine Damen und Herren,

Hamburg ist eine offene und tolerante Stadt, und diese Toleranz muss sich im Alltag bewähren, in der Nachbarschaft und den Schulen, am Arbeitsplatz oder im Sportverein – kurzum: im ganz normalen Miteinander. Die Bürgervereine sind gerade durch ihre Vielfalt ideale Orte der Begegnung, sie sind der Kit, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Ich danke Ihnen allen sehr für Ihren Einsatz und denke, Sie dürfen heute – bei aller hanseatischen Zurückhaltung – gerne ein wenig stolz auf das Geleistete sein.

Vielen Dank.
 

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