13. November 2016 Volkstrauertag

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Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Volkstrauertag

Meine Damen und Herren,

„Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Tote zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet Abkehr vom Hass, bedeutet Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat die Liebe Not“, das sagte der Sozialdemokrat Paul Löbe im Reichstag 1922 anlässlich der ersten Feier des Volkstrauertags.

Das Motiv der Trauer verknüpft mit dem der Hoffnung trägt den Volkstrauertag auch heute. Dennoch hat sich der Charakter des Gedenktags in den bald hundert Jahren sehr verändert.

Entstanden aus dem Wunsch, an die gefallenen Soldaten zu erinnern, öffnete er sich hin zur Ehrung der Toten beider Weltkriege und ist heute ein umfassender Gedenktag für alle Opfer von Gewaltherrschaft, Völkermord und Terror. Die Geschichte des Volkstrauertags reflektiert damit auch die Geschichte der Völker Europas.

Europa blickt auf 500 Jahre kriegerische Auseinandersetzungen zurück. Der stetig angeheizte nationale Kampf um territoriale Vorherrschaft gipfelte in zwei von Deutschland ausgehenden Weltkriegen. Sechs Millionen Zivilisten und bis zu 9,5 Millionen Soldaten starben im Ersten Weltkrieg.

Noch grausamer war der Zweite Weltkrieg. Krieg, Raub und Massenmord  gingen Hand in Hand. Deutschland führte einen bis dahin unvorstellbaren Krieg gegen die Zivilbevölkerung in Polen, im heutigen Russland, in der Ukraine, Weißrussland, Rumänien, der Tschechoslowakei und vielen anderen europäischen Staaten.

Der Tod von 29 Millionen Zivilisten und 26 Millionen Soldaten war das Ergebnis.

Über sechs Millionen europäische Juden wurden Opfer des Holocaust. Die Verschleppung, die Internierung, die Ausbeutung und Ermordung der europäischen Juden ist in seiner Grausamkeit und Tragweite weltweit ohne Beispiel geblieben.

Der Volkstrauertag erinnert an dieses Entsetzen. Wir erinnern an die Opfer, wir würdigen die, die Widerstand geleistet haben und setzen unser Gedenken gegen Krieg, Verfolgung und Terror.

Heute ist Deutschland umgeben von befreundeten Nationen. Das ist angesichts der Geschichte ein großes politisches Wunder. Auch ist das Gedenken nicht mehr geteilt in Ost- und Westdeutschland. Wir verdanken dieses friedliche Deutschland der Versöhnung mit unseren Nachbarn in der Europäischen Union. Und wir verdanken es auch dem Mut der europäischen Juden und des jüdischen Staates, die uns die Hand zur Versöhnung reichten.

Europa erzählt die Geschichte, wie aus Feinden Freunde wurden. Bei der Suche nach den Gräbern von deutschen und sowjetischen Kriegsgefangenen und Internierten arbeiten Russland und Deutschland heute zusammen.

Wir klären Konflikte in friedlichen politischen Gesprächen. Und an den Orten des Grauens und der Schrecken des Krieges treten wir zusammen um die Opfer zu ehren.

Dennoch: Die lange Phase des Friedens ist keine Selbstverständlichkeit.

Europa ist umgeben von Krisengebieten, die uns täglich an die Schrecken des Krieges erinnern. Millionen Menschen flüchten aus den Kriegsgebieten in Syrien und dem Irak. Die Übergänge zwischen Grenzkonflikten, Bürgerkriegen und Terrorismus sind fließend – bis nach Europa reichen einzelne Anschläge.

Der Volkstrauertag ist Mahnung und Erinnerung. Für viele ist er einer der traurigsten Gedenktage des Jahres. Der Himmel ist oft düster, der Tag kurz und das Thema ist der gewaltsame Tod von Millionen Menschen. Aber, wir dürfen nicht vergessen, der Volkstrauertag zeigt uns auch den Weg:

Dass wir an diesem Tag an alle Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer in allen Völkern erinnern, das ist ein Zeichen für Frieden.

Der Volkstrauertag erinnert uns immer auch daran, dass Versöhnung möglich ist.

Wir dürfen unser Bemühen um Freundschaft und Dialog nicht aufgeben. Wir dürfen niemals vergessen, dass wir eine Verantwortung für den Frieden haben.

Frieden ist möglich – auch das ist die Botschaft dieses Tages. Deshalb ist der Volkstrauertag zugleich auch ein Tag der Hoffnung.

Vielen Dank.

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