17. November 2016 Mittagessen aus Anlass des 90. Geburtstages von Hannelore Greve

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Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Mittagessen aus Anlass des 90. Geburtstages von Hannelore Greve

Sehr geehrte Frau Professor Greve,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen hier im Gästehaus.

Heute ehren wir die Hamburger Ehrenprofessorin und Ehrenbürgerin  Hannelore Greve. Wir feiern gemeinsam ihren 90. Geburtstag. Was für ein stolzes Alter und bewegtes Leben.

Liebe Frau Greve, erinnern Sie sich noch an den 11. November 1926?  Gut.

Denn an diesem Tag, einem Donnerstag, wurden Sie in der alten Festungs- und Hansestadt Wesel geboren. Vermutlich war es ein typischer Spätherbsttag, Temperatur etwas über null Grad und feucht wohl auch, wegen der Nähe zum Rhein.

Schon früh ist klar, Sie sind eine entschlossene Frau, die alles mit großer Energie und viel Disziplin angeht. Das zeigt sich etwa als Sie, Frau Greve, Ihrem Mann gegen Kriegsende nach Borkum folgten, wo er stationiert war. Das verstieß sicher nicht nur gegen militärische Vorschriften, sondern in der damaligen Zeit auch gegen so manche Erwartung an eine Frau.

Sie hatten sich beim Tanzen kennengelernt und in Wesel geheiratet. Hätte jemand die Hochzeit damals gefilmt, der Geschützdonner der nahen Front wäre zu hören gewesen. Die Kirche und der größte Teil der Stadt lagen wenige Monate später in Schutt und Asche. Die Liebe verband Sie und trug Sie beide über den gefahrenvollen und aufreibenden Anfang. Sie zogen nach Hamburg und unterstützen den Wiederaufbau der Stadt nach Kräften.

Gemeinsam. Alles machten Sie mit Ihrem Mann zusammen. Hannelore Greve und Helmut Greve waren nicht nur ein Paar, sondern auch ein Team. Berater und Begleiter im Aufbau des Familienunternehmens.

Sehr früh waren Sie, liebe Frau Greve, schon in die Struktur des Unternehmens eingebunden. Das Unternehmen hat immer von der Energie und der Disziplin profitiert, die so typisch für Hannelore Greve ist. Ganz abgesehen von Ihrem eigenen Unternehmen.

Es gibt schöne Fotos von Ihnen, sehr viele. Die Hamburgerinnen und Hamburger kennen Sie aus der Zeitung. Und sie kennen Sie immer als Paar. Es gibt eigentlich nur Fotos, auf denen Sie beide zu sehen sind. Ihr Mann meist im schwarzen Anzug, Sie auch gerne mal in leuchtenden Farben.

Eines dieser Fotos zeigt Sie beide 1987 in der Universität Hamburg. Sie sitzen nebeneinander im Hörsaal des Fachbereichs Chemie und lauschen einem Vortrag von Jean-Marie Lehn. Der Wissenschaftler hat unter anderem die Synthese des Vitamins B12 erfunden und 1987 den Nobelpreis für Chemie erhalten.

Stück für Stück lernen immer mehr Hamburger Sie beide als großzügige Mäzene kennen, die mit ihren Stiftungen, Preisgeldern und Spenden Wissenschaft, Kunst und Kultur Hamburgs fördern.

„Die Greves“, wie die Hamburger es bald sagen, unterstützten die Joachim Jungius- Gesellschaft der Wissenschaften, sie halfen dem Universitäts­klinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) beim Ausbau dreier onkologischer Stationen, sie ermöglichten eine Stiftungsprofessur für seltene Erkrankungen und sie halfen der Akademie der Wissenschaften auf den Weg.

Noch mehr ins Bewusstsein der Hamburgerinnen und Hamburger rückten Sie mit einem weiteren Projekt. Ein Foto zeigt Sie hinter einem Modell für die Flügelbauten der Universität Hamburg, ein anderes zeigt Sie und Ihren Mann bei der Grundsteinlegung und ein weiteres mit glücklichem Lächeln im Atrium der fertiggestellten Anbauten. Dank Ihrer großzügigen Schenkung hat die Universität heute die uns mittlerweile so vertrauten Flügelbauten.

Von 2009 bekommen die Bilder ein neues Thema: Man sieht Sie und Ihren Mann mit der Wissenschaftselite Deutschlands: mit einem Mikrobiologen, einem Energieforscher oder dem Forscher über die Krankheit Alzheimer. Es sind die Preisträger des mit 100.000 Euro dotierten Wissenschaftspreises, den Sie ausgelobt haben. Der Preis der „Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve“ ist der höchstdotierte einer deutschen Wissenschaftsakademie. Er stärkt die internationale Sichtbarkeit der Wissenschaftsregion Hamburg.

Das Thema im nächsten Jahr ist übrigens Energieeffizienz. Das Besondere an diesem Preis ist, dass er kein Lebenswerk würdigt, sondern aktuelle Forschung, work in progress sozusagen, und gleichzeitig wissenschaftliche Arbeit auf höchstem Niveau.

Liebe Frau Professor Greve, Sie haben mal gesagt, Ihr Mann sei der kühle Rechner und Sie zuständig für das Schöne, die Musik und die Literatur. Ein Foto zeigt Sie beide in der Musikhochschule Hamburg. Sie sitzen in der ersten Reihe. Am Klavier sieht man die Pianistin Lauma Skride. Das Foto erinnert an einen besonderen Tag für die Musikstadt Hamburg, denn Sie, liebe Frau Greve, waren an diesem Tag zusammen mit Lauma Skride Taufpatin des Fanny Hensel-Saals in der Musikhochschule.

Und auch das Foto von Ihnen und der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller will ich erwähnen: Anlass ist der Hannelore-Greve-Literaturpreis, der seit 2004 alle zwei Jahre von der Hamburger Autorenvereinigung für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Literatur“ verliehen wird. Sie, Frau Professor Greve, haben die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung gestiftet. In ein paar Wochen wird es ein weiteres Foto geben: Mit Hanns-Josef Ortheil dem Preisträger des Jahres 2016.

Auch die Elbphilharmonie ist mit dem Namen Greve verbunden. Sie haben immer an die Bedeutung des Konzerthauses im Hafen geglaubt und das Projekt mit einer großzügigen Spende vorangebracht. Wir freuen uns schon jetzt darauf, mit Ihnen die Eröffnung im Januar zu feiern.

Was wir alle nicht wissen, ist, wie die Bilder mit Ihnen, den drei Töchtern, sieben Enkeln und sieben Urenkeln aussehen. Ich glaube, alle sind heute da – oder was meinen Sie, Frau Greve. Können Sie das eigentlich mit einem Blick übersehen – drei Töchter, sieben Enkel und sieben Urenkel?

Für Hamburg und natürlich vor allem für die Familie war der Tod von Helmut Greve im Sommer des Jahres ein schwerer Verlust. Alle fragen sich, wie schafft Hannelore Greve das ohne ihn?

Schließlich hatten Sie und Ihr Mann eine Beziehung wie die, die Conrad Ferdinand Meyer in seinem Gedicht „Zwei Segel“ beschreibt.

„Begehrt eins zu hasten, das andre geht schnell. Verlangt eins zu rasten, ruht auch sein Gesell“ heißt es da.  

Aber Sie, Hannelore Greve, Sie rasten nicht.

So selbstverständlich, wie Sie beide immer gesagt haben, dass alles Ihr gemeinsames Werk ist, so selbstverständlich übernehmen Sie nun die Verantwortung für das gemeinsame Lebenswerk. Und Sie zeigen dabei eine ungeheurere Energie und Disziplin. Denn Sie wissen, die Verantwortung ist nicht kleiner geworden.

Liebe Frau Greve, ich danke ich Ihnen für Ihr langjähriges Engagement als Stifterin, Unternehmerin und als Bürgerin.

Im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg wünsche ich Ihnen: Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag!

Vielen Dank! 

Danke für Ihr Interesse!

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