28. November 2016 Mittagsessen zu Ehren von Uwe Seeler

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Mittagsessen zu Ehren von Uwe Seeler

Sehr geehrter Herr Seeler,
sehr geehrte Frau Seeler,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Damen und Herren,

es freut mich sehr, Sie im Namen des Senats und der Bürgerschaft begrüßen zu dürfen. In unserem Gästehaus haben wir schon einmal gemeinsam mit Uwe Seeler einen Geburtstag „bestritten“, so lautet ja ein beliebter Ausdruck von Sportjournalisten. Und auch das Rathaus ist Ihnen, Herr Seeler, nicht fremd. Erst kürzlich haben Sie dort wieder den  Uwe-Seeler-Preis verliehen - nachdem Sie am 5. November Ihren 80. Geburtstag gefeiert hatten.

Ich sage „gefeiert“, denn Sie haben sich den Tag nicht dadurch verleiden lassen, dass nachmittags im Stadion der Ball meistens in die falsche Richtung gerollt und geflogen war. Erstens war Ihre Frau, Ilka Seeler, in der Nähe und ich weiß sehr gut, dass solche Rückenstärkung fast jeden Ärger dämpft. Zweitens – jetzt sage ich hoffentlich nichts Falsches – ist der Ball nun mal rund und mit langjähriger Erfahrung ist man darauf gefasst, dass er gelegentlich ins falsche Eckige geht.

Und damit genug der aktuellen Aufregungen. Ihre Laufbahn als HSV- und Nationalspieler war sehr lang, eigentlich kann es nicht sehr vieles geben, was sie auf dem Platz nicht erlebt haben. Und später vom Sessel des Präsidenten aus. Die Medien waren immer dabei und wahrscheinlich gibt es keinen Hamburger, den alle anderen Hamburger so in- und auswendig kennen. Oder das wenigstens glauben.

Schon frühzeitig haben es sich die Hamburgerinnen und Hamburger ja angewöhnt, von „Uns´ Uwe“ zu sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass das einerseits schmeichelhaft ist, gerade für einen jungen Mann, und beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1960 waren Sie gerade mal 23. Andererseits: Wie fühlt man sich, wenn alle behaupten: Der gehört uns? Bestimmt war und ist es manchmal schön und manchmal auch eine Last.

Aber zuerst will ich auf den Uwe-Seeler-Preis zurückkommen, der alle Jahre wieder im Rathaus verliehen wird, mit Ihnen als Ehrengast. Der Preis geht an Vereine aus dem Hamburger Fußball-Verband, die besonders gute Nachwuchsarbeit geleistet haben.

Ich glaube, sehr geehrter Herr Seeler,

jeder spürt, dass Ihnen das wirklich eine  Herzensangelegenheit ist, und bestimmt denken Sie dabei an Ihre eigene Zeit als Nachwuchs-HSVer, mit langen Wegen zwischen Eppendorf und der Trainingsanlage am Ochsenzoll. Die war damals schon vorbildlich. Kein anderer Hamburger Verein konnte seinen jungen Fußballern und Hockeyspielern so etwas bieten, und Ihr Vater Erwin Seeler wusste schon, wo seine Jungs gute Möglichkeiten hatten. Nichts gegen Straßenfußball, aber dabei gingen wohl doch zu viele Fensterscheiben kaputt und außerdem: Wenn die beiden Söhne schon die eigene Leidenschaft geerbt hatten, dann sollten sie es auch ordentlich und richtig machen.

Heute ist die Situation im Hamburger Sport natürlich anders als in den Nachkriegsjahren, aber sie ist nicht in allen Punkten einfacher. Es gibt deutlich mehr Vereine, auch in dicht besiedelten Stadtteilen; die Zahl der Mitglieder, besonders der Jugendlichen und Kinder, nimmt inzwischen wieder leicht zu.

Wenn ich höre, dass es in manchen Vereinen lange Wartelisten gibt, auch schon den einen oder anderen Aufnahmestopp, dann ist klar, dass über Lösungen nachgedacht werden muss, wobei wir ja alle über den Zulauf begeistert sind und darüber, welche Anziehungskraft Fußball und überhaupt Sport haben. Es gibt, glaube ich, keine bessere Schule für das Leben, kein besseres Angebot für Integration und Erwachsenwerden als Sport. Und besonders Mannschaftssport, wo man ja beides lernen und haben muss: Teamgeist und Mut zu selbständigem Handeln. Stimmt´s? Ich finde, jedes Foto von dem Fußballer Uwe Seeler in Aktion beweist es.

Aber natürlich ist das Angebot an Sportplätzen –oder Flächen, die sich dazu machen lassen – in einer großen Stadt begrenzt und das lässt sich auch nur in Grenzen ändern. Wohnbebauung, Gewerbe, Verkehrsflächen, Naherholung sind starke Konkurrenz. Das war früher genauso, und dass der HSV den Stadtkindern schon in den 1920er Jahren so ein großartiges Angebot machen konnte, lag ja an seinem Ochsenzoll-Gelände draußen vor der Stadt, im heutigen Norderstedt, bei Seelers gleich nebenan.

Aber jetzt kommt noch dazu, dass viele Stadtbewohner kritischer sind, zum Beispiel gegenüber Lärmbelästigungen oder was sie dafür halten, manchmal auch übertrieben. Wenn ein neuer Kunstrasenplatz – obwohl er gegenüber dem alten Grandplatz einen Teil der Geräusche dämpft – sofort für gewisse Zeiten oder ganz gesperrt wird, weil es ja eine neue Anlage ist und somit eine Neugenehmigung braucht, dann ist dies ein Schildbürgerstreich. Und wenn die Abstände zwischen Sportanlagen und heranrückender Wohnbebauung nach Gesetz und Bürokratie so bemessen sind, dass der notwendige Wohnungsbau nicht stattfinden kann, dann ist das nicht die Schuld der Sportler. In einer großen Stadt mit wachsender Einwohnerzahl muss man schon in der Lage sein zusammenzurücken.

Der Hamburger Senat hat im April 2014 eine Bundesratsinitiative gestartet und inzwischen ist eine Änderung der Sportanlagen-Lärmschutzverordnung im Entstehen. Wir hoffen das Beste, nämlich dass die Richtwerte für die Ruhezeiten abends sowie an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 15 Uhr etwas näher an die moderne Lebenswirklichkeit angenähert werden.

Das, meine Damen und Herren,

wollte ich an dieser Stelle gern bekräftigen. Der Zusammenhang mit dem Uwe-Seeler-Preis ergibt sich daraus, dass der Bewegungs- und Betätigungsdrang von Kindern und Jugendlichen durch nichts besser gefördert werden kann als durch die Arbeit der Sportvereine. Und dass es ihnen erleichtert werden muss, ihre wichtige soziale Aufgabe zu erfüllen. Das wusste schon Paul Hauenschild, nach dem die Plätze am Ochsenzoll heute benannt sind; dort sei „die Hoffnung, der Lichtblick und der Grundpfeiler“, wie es in der Sprache der damaligen Zeit (1930) hieß.

Nun zurück zum heutigen Sprachgebrauch und zur  Inbesitznahme von „Uns´ Uwe“. Was die Hamburgerinnen und Hamburger damit eigentlich ausdrücken wollen, ist, glaube ich, dies: So wie „Uns´ Uwe“ möchten wir eigentlich alle sein. Nicht so berühmt und so erfolgreich, das geht nicht, das schafft nun mal nicht jeder. Aber doch möchten wir alle so sein:

Selbstbewusst und bescheiden. Das sind Eigenschaften, die ja erst in der Kombination richtig nützlich und sympathisch sind. Außerdem wären wir alle gern mit großartigem Talent in die Welt geschickt worden, aber vor allem mit unermüdlichem Fleiß darauf bedacht, noch besser zu werden. Gelegentlich möchten wir laut werden, wenn es die Situation erfordert, aber versöhnlich, wenn abgepfiffen ist.

Und noch etwas, seien wir ehrlich: Bei allen beliebt, in allen Teilen Hamburgs, sogar zwischen Dom und Millerntor – wer wäre das nicht gern?   Weil das aber so ist, weil so viele so gern ein bisschen wie Uwe Seeler wären, deswegen, behaupte ich, konnte es nach Ihrer Ernennung zum Ehrenbürger Hamburgs im Jahr 2003 gar nicht anders sein, als dass in allen Fraktionen der Sprechchor „Uwe, Uwe“ ertönte.

Sehr geehrter Herr Seeler,

„bodenständig“ werden Sie auch gern genannt. Eigentlich ist das kein passendes Wort für einen Mittelstürmer, der meistens höher sprang als alle. Trotzdem stimmt es. Sie blieben Hanseat, auch als Italien mit viel Geld und – ich war ja nicht dabei – vielleicht auch besserem Wetter lockte. 

Gut gefallen hat mir die Sonderausgabe des „Kicker“ vor ein paar Wochen, in der natürlich der Fußballer, aber auch der Hamburger Uwe Seeler im Mittelpunkt steht, der den Lesern von seiner Stadt erzählt und vor dem Hintergrund des Hafens abgebildet ist, stilecht mit „Elbsegler“. Das ist ja nicht bloß Folklore. Natürlich kann sich jeder vor Duckdalben ablichten lassen, aber ich glaube, man sieht, ob eine Beziehung besteht oder nicht. Die Seelers waren keine ausschließlichen Fußballer, sondern hatten gute hanseatische Arbeitsplätze. Und Sie haben manches für Ihre Stadt getan, unter anderem mit der Uwe-Seeler-Stiftung, und als Kuratoriumsmitglied der Muskelschwundhilfe soziale Verantwortung übernommen.

Ihnen, Herr Seeler, der Sie so treffsicher waren, und Ihrer Familie wünsche ich für die gemeinsame hanseatische Zukunft alles Gute.

Vielen Dank.

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