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13. Januar 2017 Oratorium "Arche"

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Oratorium "Arche"

Sehr geehrter Herr Delnon,
sehr geehrter Herr Nagano,
sehr geehrter Herr Widmann,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie an diesem wunderbaren Abend im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg. Wir feiern in diesen Tagen die Eröffnung der Elbphilharmonie: Es ist ein Fest für die ganze Stadt und für alle Musikbegeisterten auf der Welt – ein Fest der Klänge und der Architektur, des friedvollen Miteinanders und der Freiheit. 

Zu diesem Fest haben Sie, lieber Herr Widmann, uns ein ganz besonderes und staunenswertes Geschenk gemacht: ein neues Werk, komponiert für und inspiriert durch die Elbphilharmonie. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg hat es auf beeindruckende und berührende Weise zusammen mit großartigen Solisten und Chören aufgeführt – dafür allen Künstlerinnen und Künstlern meinen Dank.   

Jörg Widmann nennt sein Werk „Arche“, und der sinnhafte Zusammenhang mit diesem besonderen Ort im Hamburger Hafen, umspült von den Wellen der winterlichen Elbe, erschließt sich sofort.

Ein Werk für Hamburg und für seinen neuen Konzertsaal: Jörg Widmann hat das sakrale wie auch das demokratische Element des Raums aufgegriffen und dabei die Musik gewissermaßen aus den Fluten des Flusses geschöpft. „Ein Mischklang, wunderbar aufgefächert, vielstimmig, herrlich“, so hat der Komponist seine klangliche Vorstellung dieses Ortes beschrieben. Doch wir haben gerade auch gehört, wie unterschiedlich das Wasser klingen kann: Mal ist es ein nicht enden wollender Regen, mal die Sintflut mit ihrer ganzen Gewalt, dann wieder das fließende Wasser, das Schiffe tragen kann und Wege in ferne Länder weist.  

Auch die besondere Form des Oratoriums prägt das Stück. Das Drama bewegt sich von der Lichtwerdung über die Sintflut, die Liebe, das Jüngste Gericht bis hin zur Bitte um Frieden. So zeichnen die fünf Teile des Werks den Weg der Menschen, wie sie nach dem Schöpfungsakt die Dunkelheit durchschreiten und dann Gewalt und Missgunst wieder zu überwinden versuchen – ein mühsamer Prozess voller Rückschläge, aber mit klarer Ansage: „Nicht in Götter, in Euch selbst setzt Hoffnung“, heißt es zum Ende. Es sind Kinder, die uns Erwachsene mahnen, der Verantwortung für die  Nächsten und die Welt gerecht zu werden.

Das neue Werk mahnt aber nicht nur, es zeigt auch anschaulich, dass der Mensch nach dem Durchschreiten der Dunkelheit, nach Krieg, Konflikt und Spaltung, wieder auf den Pfad der Erkenntnis und der Verantwortung zurückfinden kann. Gib uns Frieden! Bei Jörg Widmann ist das nicht nur Bitte, sondern auch Auftrag, und diesen Auftrag kann wohl nichts so überzeugend übermitteln wie die Musik – wie diese Musik, gespielt von diesem herausragenden Orchester, das die akustischen Möglichkeiten des neuen Konzertsaals auf großartige Weise vorgeführt hat.

Für den ersten Auftritt des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg in der Elbphilharmonie hat Kent Nagano einen kraftvollen und visionären Komponisten gewonnen, der sich mit großer Sensibilität auf den Ort und die Themen der Zeit eingelassen hat. Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir die „Arche“, dieses großbesetzte Oratorium für Gesangssolisten, Chöre, Orgel und Orchester, heute als erste hören durften.

Die Elbphilharmonie als eine Arche der Musik, die von hier aus in die Welt aufbricht, eine Kultur-Arche „in politisch stürmischster See“, darin sehen Sie, Herr Widmann, die Aufgabe des neuen Hauses. Das ist eine Vorstellung, die verpflichtet.

Wir nehmen diese Verpflichtung in Hamburg gerne an. Die Kultur und insbesondere die Musik machen spürbar, was uns Menschen universell verbindet;  sie vermögen es, Sprachlosigkeit zu überwinden und bei aller gegenseitigen Fremdheit Gemeinsamkeiten zu entdecken. Wir brauchen in diesen Zeiten die Musik und auch ein Haus, das der Musik und allen, die sie hören wollen, den nötigen Raum gibt. Und die Elbphilharmonie gibt Raum, der Kunst genauso wie dem Publikum.

Was in diesen Räumen wohl noch alles entstehen und zu hören sein wird? Wir sind gespannt auf weitere Konzerte mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und auch mit Ihnen, Herr Widmann, denn Sie werden in den kommenden Wochen ja auch noch als Klarinettist und mit anderen Werken in der Elbphilharmonie zu hören sein. Darauf freuen wir uns in Hamburg sehr.

Vielen Dank.

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