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11. Januar 2017 Eröffnung der Elbphilharmonie

Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Eröffnung der Elbphilharmonie

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Präsident des Bundesverfassungsgerichts,
sehr geehrter Herr Wulff,
sehr geehrte Damen und Herren Bundesminister,
sehr geehrte Damen und Herren Ministerpräsidenten,
Exzellenzen,
sehr geehrte Mitglieder der Parlamente,
liebe Festgäste,

herzlich Willkommen in der Elbphilharmonie, im Herzen der Musikstadt Hamburg.

Die ersten musikalischen Töne in diesem grandiosen Saal stammten aus der Ouvertüre zu den „Geschöpfen des Prometheus“ von Ludwig van Beethoven. Welch kluge Wahl, lieber Thomas Hengelbrock. Welch passende Allegorie!

Schließlich war es der Titan Prometheus, der den Menschen das Feuer und technisches Wissen brachte. Dieser Akt der Rebellion gegen die Götter steht in der griechischen Mythologie am Anfang unserer humanen Fähigkeit zur Zivilisation.

Heute eröffnen wir gemeinsam ein Haus, das ohne diese Fähigkeiten gar nicht denkbar wäre. Es geht technisch und architektonisch an die Grenzen des Machbaren. Aber es zeigt dadurch eben auch eindringlich, was wir schaffen können. Das Feuer des Prometheus brennt.

Doch alle Zivilisation ist nicht vollständig, wenn sie nicht in Kultur mündet. Kultur hält eine zivilisierte Gesellschaft im innersten Kern zusammen.

Und es ist insbesondere die Musik, die in der Lage ist, kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden und universelle Gemeinsamkeit entstehen zu lassen. Kaum etwas brauchen wir mehr in unseren Zeiten.

Es sagt etwas sehr Positives über unser Land aus, dass hier und heute die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Spitzen Deutschlands mit vielen internationalen Gästen zusammenkommen, um ein Konzerthaus zu eröffnen.

Der 11. Januar 2017 ist nicht nur für die Musik- und Kulturstadt Hamburg ein historisches Datum.

Auch die gesamte Kulturnation Deutschland präsentiert sich zu diesem Anlass in herausragender Weise.

Hamburg setzt mit der Elbphilharmonie ein unübersehbares Zeichen für die große Bedeutung, die Kunst und Kultur in einer freien Gesellschaft zukommt.

Und wir markieren den Weg in unsere eigene Zukunft. Wenn hier auf einer Elbinsel, zwischen Welterbe Speicherstadt und Welthafen, ein so markantes Gebäude entsteht und mit Kultur zum Leben erweckt wird, dann soll das in der Tat auch sagen: Die Schöne, sie ist erwacht!

Meine Damen und Herren,

die Vor-Geschichte dieses Hauses war bis zu seiner Eröffnung lang und bewegt – deutlich länger und bewegter, als wir uns das alle gewünscht haben. Rückblickend wird sie vor allem eine sehr lehrreiche Episode gewesen sein, wenn wir sie mit dem Zukunftsversprechen vergleichen, das die Elbphilharmonie formuliert und das sie nun einlösen wird.

Im Mittelpunkt der kommenden Monate und Jahre stehen nun endlich nicht mehr Geschichten über den Bau und seine Fertigstellung.

Ab heute freuen wir uns uneingeschränkt und ausschließlich auf die vielen Musikerinnen und Musiker, die diesen Ort mit Leben füllen werden.

Viele haben daran mitgewirkt, diesen Moment zu ermöglichen:

Ganz besonders denken wir heute an unsere im Oktober verstorbene Kultursenatorin Barbara Kisseler, die sich so sehr für die Fertigstellung der Elbphilharmonie eingesetzt und immer leidenschaftlich für die Kultur gekämpft hat.

Wir danken außerdem all denen, die den Mut gehabt haben, dieses kühne Projekt zu denken und zu formen:

  • den Architekten von Herzog & de Meuron, die der Idee ein Bild gegeben haben,
  • dem Akustiker Yasuhisa Toyota, der den einzigartigen Klang dieses Raums geformt hat
  • den Ingenieuren und Handwerkern, ohne die die Vision nie Realität geworden wäre
  • und den vielen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, die diese Idee von Beginn an unterstützt und getragen haben.

Die Herzen der Stadt und ihrer Besucher hat die „Elphi“, wie sie schon genannt wird, bereits im Sturm erobert: Seit Anfang November waren über eine halbe Million Besucherinnen und Besucher auf der Plaza. Die Konzerte des Eröffnungshalbjahres sind restlos ausverkauft. An der Verlosung von 1.000 Karten für die beiden Eröffnungskonzerte haben über 220.000 Interessierte teilgenommen.

Neugierde und Staunen sind ungebrochen. Der Bau der Elbphilharmonie ist deshalb auch eine Einladung an die Welt, nach Hamburg zu kommen, dieses außergewöhnliche Haus zu besuchen und die Kraft der Musik zu erleben. Ganz offensichtlich wird diese Einladung angenommen.

Meine Damen und Herren,

heute findet die Elbphilharmonie, die immer als offenes Haus für alle Bürgerinnen und Bürger, als Haus, das alle Schülerinnen und Schüler einmal besuchen sollen, als Wahrzeichen und als eines der besten Konzerthäuser der Welt geplant war, ihre Vollendung.

Gleichermaßen schön und markant steht sie mitten in der Stadt, weithin sichtbar, die Silhouette prägend. Eine Sinfonie aus Stein und Glas.

Festgegründet auf dem alten Kaispeicher A erhebt sich in schwebender Ästhetik der Neubau.

Dabei bauen wir mit dem alten Kaispeicher als Sockel des neuen Konzerthauses nicht nur wörtlich auf alten Fundamenten auf, sondern sind uns auch ganz generell der großen und besonderen Musiktradition unserer Stadt bewusst.

Sinnbildlich kommen in diesem Haus Tradition und Moderne, Kaufmannsgeist und Kreativität, Kraft und Kultur zusammen. Ihr Wechselspiel prägt unsere stolze und freie Stadt seit Jahrhunderten und wird auch unseren weiteren Weg bestimmen.

Heute können wir sagen: Es ist vollbracht, der große Wurf gelungen: Mit dem ersten Konzert im Großen Saal beginnt das Herz der Elbphilharmonie zu schlagen.

Kraftvoll und dauerhaft.

Auf dem Fundament unserer Kultur gestalten wir die Zukunft unserer Zivilisation.

Die Welt wird hierher sehen und immer wieder hören, was heute diesen Saal erfüllt:
Freude!

Vielen Dank!

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