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16. Januar 2017 Trauerfeier Prof. Peter Tamm

Trauerrede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Trauerfeier Prof. Peter Tamm

Sehr geehrte Frau Tamm,
sehr geehrte Familie Tamm,
sehr geehrte Damen und Herren,

Wir nehmen heute Abschied von Peter Tamm.
Sie, verehrte Familie Tamm, nehmen Abschied von Ihrem Ehemann, Vater und Großvater. Und Hamburg nimmt Abschied von einem Manager, Sammler und Mäzen, wie er in unserer Hafen- und Medienstadt einzigartig war.

Peter Tamm war eine hanseatische Institution. Die Sammlung, die er seiner Heimat hinterlassen hat, wird noch viele Generationen mit ihm verbinden. 

„Kein Wind ist demjenigen günstig, der nicht weiß, wohin er segeln will.“ Unter den vielen denkwürdigen Sätzen, die über die Seefahrt geschrieben wurden, scheint mir keiner so gut zu Peter Tamm zu passen wie dieser Aphorismus von Michel de Montaigne. Als Manager wie als Sammler hatte Peter Tamm sein Ziel stets fest im Auge. Er war einer, der Kurs halten konnte, auch wenn er dabei mal hart am Wind segeln musste. Damit war er als Verlagsleiter wie als Sammler erfolgreich.

Peter Tamm stammte aus einer alten Hamburger Schifffahrtsfamilie. Zu seinen Vorfahren gehörten im 17. und 18. Jahrhundert die Kapitäne der Wapen von Hamburg II [Caspar Tamm] und III [Martin Tamm]. Der Vater arbeitete als Schifffahrtskaufmann – der Hafen war schon in Kindertagen, als noch der schwarze Qualm der Dampfschiffe das Bild bestimmte, vertrautes Terrain.

Einige Male ist Peter Tamm auch selbst zur See gefahren: erstmals gegen Kriegsende als Kadett auf der Gorch Fock, später als Reporter des Hamburger Abendblatts bis nach Sibirien und Südamerika. Doch sein großes berufliches Werk hat er an Land verrichtet, zu einer Zeit, als Medien noch großenteils aus einem Stoff bestanden, der sich mit Wasser schlecht verträgt – aus Papier.

Ganz und gar nicht aus Papier war hingegen der junge Peter Tamm. 1958, während der Berlin-Krise, ging der 32-Jährige kurzentschlossen in diese Stadt mit ihrer ungewissen Zukunft, um für Springer die Blätter des gerade übernommenen Ullstein-Verlags zu sanieren und die Redaktionen in den Springer-Verlag zu integrieren. Es war sein erstes Meisterstück, das die Grundlage bildete für das Jahrzehnte währende Vertrauen des Verlegers Axel Springer. Dieser übergab ihm in den 60ern die Verlagsleitung der Bild-Zeitung. Als Peter Tamm wenig später ins Visier der protestierenden Studenten geriet, trat der überzeugte Konservative ihnen entschlossen entgegen. Im Krisenjahr 1968 übernahm er den Vorstandsvorsitz.

23 Jahre lang, bis 1991, trug Peter Tamm danach  die Verantwortung für die Geschäfte des Hauses – von 1970 bis 1982 als Alleinvorstand der AG. In dieser Zeit gelang ihm – gegen erhebliche Widerstände – eine beachtliche Erweiterung des Verlags. 1985 folgte der Börsengang. 

Mit Peter Tamm ist einer der großen Medienmanager der ersten Stunde gegangen. Über viele Jahrzehnte prägte er zusammen mit Axel Springer die Medienstadt Hamburg.

Aber wenn wir heute an Peter Tamm erinnern, dann denken wir auch an den leidenschaftlichen Sammler, der 25.000 Miniaturmodelle, 5.000 Gemälde, Grafiken und Aquarelle, über 50.000 Risse und Schiffskonstruktionspläne, unzählige Seekarten, Seezeichen und Uniformen und etliche spektakuläre Großmodelle von Schiffen zusammengetragen hat. Diese Sammlung, die die nicht immer friedliche Geschichte der Seefahrt umfassend abbildet, ist weltweit einzigartig. Die Freie und Hansestadt Hamburg ist dankbar, dass Peter Tamm sie schon zu Lebzeiten in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht und im Internationalen Maritimen Museum in der Hafencity für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Die Geschichte des Museums ist seitens der Stadt schnell erzählt: Der Kaispeicher B, der älteste noch erhaltene Speicher Hamburgs mitten in der Hafencity, sollte restauriert und einer neuen Nutzung überführt werden. Gleichzeitig waren die Räume des Instituts für Schifffahrts- und Marinegeschichte an der Elbchaussee für die wissenschaftliche Arbeit und die Präsentation der Stücke zu klein geworden. Und so lag es nahe, dass beide zusammenfinden sollten.

2004 stimmte die Bürgerschaft der Restaurierung des Kaispeichers durch die Stadt und dem ausgehandelten Modell, das zur Gründung des Internationalen Maritimen Museums führte, einstimmig zu. Am 25. Juni 2008 feierte Hamburg voller Freude die Eröffnung.

Seither nimmt das Internationale Maritime Museum seine Besucher auf 15.000 Quadratmetern und 9 Decks mit auf eine Reise durch die Zeiten und über die Weltmeere. Herausragend sind die Kanone aus Nelsons Geschwader, eine aus Gold gefertigte spanische Galone und die Knochenschiffe, angefertigt von französischen Gefangenen, die während der napoleonischen Kriege in britischen Gefängnissen saßen. Aber noch wichtiger als diese spektakulären Einzelstücke ist vielleicht das Gesamtbild, das sich  aus einer unglaublich großen Zahl an Exponaten zusammensetzt und bis in die Gegenwart reicht, in der das Interesse am Meer als natürlichem Lebensraum hinzugekommen ist.    

Das Internationale Maritime Museum zeugt von der jahrhundertelangen Tradition und dem Selbstverständnis der Schifffahrtsstadt Hamburg.

Über sechs Jahrzehnte hinweg blieb Peter Tamm seiner Sammlerleidenschaft treu, trug zusammen und ließ wissenschaftlich aufbereiten, was immer von 3.000 Jahren Seefahrtsgeschichte erzählen konnte. Die internationale Fachwelt und die kulturhistorischen Museen in Hamburg schätzten seine Expertise. Gemeinsame Projekte mit dem Altonaer Museum, dem Museum für Hamburgische Geschichte, aber auch mit dem National Maritim Museum Greenwich in Großbritannien zeugen von guter Zusammenarbeit. Die von seinem Institut mit ausgerichtete Schau „Expedition Titanic“, die 1997 in der Speicherstadt eröffnet wurde, gehört übrigens bis heute zu den erfolgreichsten Veranstaltungen in der hamburgischen Ausstellungsgeschichte.  

Sehr geehrte Familie Tamm,

Im vergangenen Jahr hat unsere Hansestadt an Peter Tamm – erstmals in ihrer Geschichte – einen Admiralitätsportugaleser in Gold verliehen. Hamburg ist froh, dass die Stadt durch Peter Tamms herausragende Sammlung zum Anlaufpunkt für Schifffahrtsbegeisterte daheim und in aller Welt geworden ist.

Hamburg wird den Manager und Sammler Peter Tamm stets voller Respekt in Erinnerung behalten.

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