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22. Februar 2017 Kick-off Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Olaf Scholz am Podium auf der Kick-Off Veranstaltung Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz bei seiner Rede auf der Auftaktveranstaltung zum Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum.

Kick-off Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0

Sehr geehrte Frau Vizepräses,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

sie waren elegant. Sie waren schnell. Tea Clipper, die schmalen und schnittigen Segelschiffe, die im 19. Jahrhundert aufkamen, lieferten sich Rennen über die Weltmeere hinweg, und wer als erster die junge Tee-Ernte aus China nach London brachte, erzielte Höchstpreise. Und doch gehörte die Zukunft den langsameren und mit teurer Kohle betriebenen Dampfschiffen. 

Innovationen, zumal in der Logistikbranche, schlagen manchmal unerwartete Kapriolen. Der schnellste Tea Clipper des Britischen Empire, die „Cutty Sark“, lief ausgerechnet in dem Jahr vom Stapel, als der Suezkanal eröffnet wurde. Dampfschiffe benötigten fortan für die Strecke von Asien nach Europa nicht einmal halb so viel Zeit wie die schnellen Clipper, die weiterhin um Kap Horn segeln mussten, und sie konnten viel mehr Ladung transportieren. Die „Cutty Sark“ wurde, welch Ironie der Geschichte, zum Kohlenschiff umgebaut. 

Die Geschichte kennt viele Beispiele, wie der technische Fortschritt Handel und Logistik auf eine Art und Weise veränderte, die sich zuvor niemand hatte vorstellen können. Die Einführung der Containerschifffahrt in den 60er Jahren führte dazu, dass Teile des Hamburger Hafens veralteten und an anderer Stelle neue Hafenanlagen gebaut wurden. Hamburg hat damals rechtzeitig auf die neue Entwicklung reagiert und das tut es auch jetzt. Wobei die Veränderungen, die die Digitalisierung und das Internet der Dinge mit sich bringen, sicher noch tiefgreifender sein werden als die Einführung der Dampfschifffahrt oder des Containers. 

Meine Damen und Herren, 
willkommen beim Kick-off für das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0! Unternehmen und Betriebe haben nun eine weitere Adresse, wo sie für die Digitalisierung und Vernetzung Expertise und Unterstützung erhalten können. Ob es um den Ausbau logistischer Prozesse oder um die Ergründung neuer Geschäftsfelder geht – das Kompetenzzentrum wird dazu beitragen, die Chancen, die in der Digitalisierung und im Internet der Dinge stecken, auszuloten und zu realisieren. Es wird das Bewusstsein schärfen, Wissen vermitteln und Lösungen erproben, so dass die erworbene Kompetenz auch Anwendung finden kann. 

Dass Hamburg heute zu den bedeutendsten Logistikzentren Europas gehört, liegt ja nicht nur daran, dass es über einen traditionsreichen Welthafen mit einmaliger Hinterlandanbindung verfügt. In Hamburg wurde dieser logistische Vorteil auch früh gesichert, indem zum Beispiel die Transportprozesse vom Schiffszulauf bis zur Auslieferung der Waren an den Kunden durch Software- und IT-Dienstleistungen unterstützt wurden. Mit SmartPort hat die Hamburg Port Authority zudem ein Projekt entwickelt, das die intelligente Nutzung der vorhandenen Infrastruktur ermöglicht und für einen reibungslosen und schnellen Ablauf der Waren- und Verkehrsflüsse sorgt. Die Digitalisierung ist eine entscheidende Stellschraube, um den Hafen wettbewerbsfähig zu halten. Diese Vorreiterrolle werden wir im Rahmen der Maritimen Konferenz im April in Hamburg erneut demonstrieren.

Hamburg wird seine führende Rolle als Logistikstandort, an dem in der Metropolregion etwa 380.000 Arbeitsplätze hängen, weiter ausbauen. Das Internet der Dinge wird effizientere Lager- und Transportprozesse und gerade auf den letzten Kilometern zum Kunden neue Lieferoptionen eröffnen. Das ruft auch die Mittbewerber auf den Plan. Die Unternehmensberatung Deloitte beschreibt in ihrer Studie „Digital Leadership“, wie neue Player auf den Markt drängen und große E-Commerce-Anbieter die Logistik in ihr Geschäftsmodell einbauen. Darauf muss der Mittelstand in Hamburg  reagieren. Deshalb ist es sinnvoll, dass das neue Kompetenzzentrum in der Logistik einen Schwerpunkt hat.    

Aber es gibt auch andere bedeutende Aufgaben. Erst kürzlich haben sich die Partner des Masterplans Industrie 4.0 darauf geeinigt, den Masterplan um den „3D-Druck“ zu erweitern. Das ist nicht nur für die Luft- und Raumfahrtindustrie interessant – wir wollen auch herausfinden, wie sich der 3D-Druck auf die Warenströme auswirken wird. 

Wir versprechen uns auch viel von dem Digital Hub Logistics, den Hamburg zusammen mit dem Digitalverband Bitkom e.V. und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie plant. Der Hub soll in den klassischen Cluster-Arbeitsbereichen Themen wie Startups, Venture Capital und Testbeds stärker einbringen und  digitale Impulse aus aller Welt nach Hamburg holen. Indem wir Mittelstand, Startups, Großunternehmen, Kapitalgeber und Forschung an einem Ort versammeln, decken wir einen großen Teil der Innovationskette ab, wodurch weitere Leuchttürme mit internationaler Strahlkraft entstehen können.

Das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 bildet eine ideale Schnittstelle zu dem geplanten Logistik-Hub. Es freut mich, dass bereits ein Austausch zwischen der Handelskammer und der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation über mögliche Synergien stattfindet.

Digitalisierung kann Brücken bauen: Sie verbindet Wirtschaft und Wissenschaft in Hamburg erfolgreich innerhalb unserer innovativen Branchen-Cluster Luftfahrt, Erneuerbare Energien und Gesundheitswirtschaft. Jetzt sind wir dabei, die Cluster untereinander stärker zu vernetzen, um so neue Wertschöpfungsketten zu generieren. 

Mit Unterstützung der Europäischen Kommission hat der Hamburger Senat für die Cluster-Brücken  ein Konzept entwickelt, mit dem wir als eine von  sechs Modellregionen der Europäischen Union für sektorübergreifende Clusterpolitik ausgewählt wurden. Wir haben das Ziel, interdisziplinäre Cluster- Kooperationen, in die auch Fragestellungen zur Digitalisierung eingebunden werden, systematisch zu entwickeln. 

Digitalisierung ist auch für die Verwaltungen und für die Stadtentwicklung ein Thema. Die intelligente Stadt, in der die  Behörden ihre Dienstleistungen digital zugänglich machen und die Mobilität vernetzt und aufeinander abgestimmt abläuft, ist ja keine Chimäre, sondern teilweise schon Realität.  

Hamburg ist dabei, eine Modellstadt für die Mobilität von morgen zu werden. Als eine von sechs Städten in Deutschland hat das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur Hamburg zum Testfeld für das automatisierte und vernetzte Fahren bestimmt. Dabei geht es vor allem darum, den zukünftigen Verkehr unter realen Bedingungen zu erproben und in einem ersten Schritt zum Beispiel die veränderten Anforderungen an Ampeln oder Fahrbahnmarkierungen zu definieren. 
Zu unserer Strategie für Intelligente Transportsysteme gehört auch, dass Hamburg sich um die Ausrichtung des ITS Weltkongresses 2021 bewirbt. 

Meine Damen und Herren,
Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Wie man kürzlich lesen konnte, wird er in den USA neuerdings nicht mehr nur über Netze transportiert, sondern auch per Lastwagen durchs Land gefahren. Weil die Übertragung der riesigen Datenmengen zu lange dauern würde, transportieren Trucks, beladen mit  Speichermedien, die Datenbestände von Unternehmen in die Rechenzentren von Cloud-Anbietern, wo sie aufbereitet und gespeichert werden. 

Auf den ersten Blick mutet dieses neue Geschäftsmodell wie ein Rückfall in analoge Zeiten an. Aber man darf sich davon nicht täuschen lassen. Die Digitalisierung kennt kein Zurück, sondern nur eine Verzahnung von Altem und Neuem. Hamburg tut gut daran, die Entwicklung  weniger als digitalen Tsunami anzusehen denn als große Welle, die – auch wenn es sich vielleicht nicht um eine ganz perfekte Welle handelt – viele Chancen eröffnet. 

Meine Damen und Herren,
Der Senat der Hansestadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Innovationsklima zu schaffen, das die Entwicklung digitaler Anwendungen genauso fördert wie die Vernetzung von Unternehmen und Institutionen. Das neue Kompetenzzentrum ist ein Scharnier zwischen Bewährtem und Neuem und wird dem Mittelstand auf dem Weg in die digitale Zukunft ein kompetenter und tatkräftiger Begleiter sein. Es wird dazu beitragen, dass neue Technologien und Forschungsergebnisse auch bei mittelständischen Unternehmen und im Handwerk ankommen.

Ich bedanke mich bei allen, die dieses Projekt unterstützen und aufbauen, für ihr Engagement und ihr Herzblut. 

Der Mittelstand bleibt das Rückgrat der Hamburgischen Wirtschaft. Ich wünsche allen Unternehmerinnen und Unternehmern bei den anstehenden Aufgaben viel Erfolg!

Besten Dank.

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