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4. April 2017 Eröffnung der Nationalen Maritimen Konferenz

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Eröffnung der Nationalen Maritimen Konferenz

Sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrter Herr Minister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg begrüße ich Sie ganz herzlich zur 10. Nationalen Maritimen Konferenz.

Zehn Konferenzen, diese Zahl zeigt deutlich die Bedeutung dieser Treffen, die Notwendigkeit, immer wieder die Position zu bestimmen, alle Beteiligten zusammen zu bringen und den Kurs zu setzen.

Deutschland gehört zu den am stärksten verflochtenen Volkswirtschaften der Welt. Es lebt von der internationalen Arbeitsteilung. Die maritime Wirtschaft hat gleich doppelt hohe Bedeutung.

Häfen und Logistik versetzen uns überhaupt erst in die Lage, am internationalen Handel teilzunehmen. Viele Studien belegen, dass herausragende Logistik ein entscheidender Standortfaktor ist.

Und das darf nicht übersehen werden: Wir verkaufen unser maritimes Know-how weltweit.  Sei es beim Bau oder Betrieb von Schiffen, in der Meerestechnik oder bei Offshore-Windanlagen.

Ein jährliches Umsatzvolumen von etwa 50 Milliarden Euro und bis zu 400.000 Arbeitsplätze belegen die hohe Bedeutung der maritimen Wirtschaft für den Standort Deutschland.

Wer das erhalten will, darf nicht stehen bleiben, muss den Mut haben, sich weiter zu entwickeln.

Vieles ist im Umbruch. Was international Internet der Dinge heißt und bei uns Industrie 4.0 genannt wird, beschreibt die Zukunft. Diese Entwicklung bietet viele Chancen - von einer intelligenten Vernetzung von Mensch und Produktion zu den Smart Factories bis hin zu zusätzlichen Wertschöpfungspotenzialen. Wandel setzt Gestaltung durch innovative Unternehmen, den Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft und eine ambitionierte und vorwärts gewandte Wirtschaftspolitik voraus. Das gilt auch für die maritime Branche, will sie zukunftsfähig bleiben.

Die maritime Wirtschaft ist so vielschichtig, dass ich die Herausforderungen nur beispielhaft skizzieren kann. Die Maritime Agenda 2025 der Bundesregierung beschreibt sie.

Mein erster Fokus ist die Digitalisierung, mein erstes Beispiel die Seehäfen. Ohne leistungsstarke Seehäfen sind die wirtschaftlichen Erfolge Deutschlands nicht zu gewährleisten. Die Rohstoffe kommen über die Häfen, und über die Häfen werden die in Deutschland produzierten Autos, die Maschinen und die Hochtechnologie in die Welt verschifft.

Mit den steigenden Schiffsgrößen wachsen allerdings die logistischen Herausforderungen dramatisch an. Im Schnitt werden für den Weitertransport der Container eines einzigen 18.000-TEU-Schiffes sechs Feeder-Schiffe, 55 Züge und 2.600 Trucks benötigt. Da müssen die Logistikketten von und zur Küste reibungslos funktionieren.

Dies ist nicht nur eine Frage der Infrastruktur. Hamburg begrüßt, dass die Beseitigung von Verkehrsengpässen bei der Anbindung der Häfen im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt worden ist. Auch die schon erwähnte Maritime Agenda 2025 der Bundesregierung zeigt die Bedeutung der Infrastruktur, zu der ja nicht nur die Hinterlandverbindungen, sondern auch die digitale Infrastruktur, die Breitbandversorgung und 5G-Netze gehören.

Die Abfertigung derartig großer Mengen in engen Zeitfenstern ist in erster Linie ein logistisches Problem, dass ohne Digitalisierung nicht lösbar ist. Dies beginnt mit den Ladungsdaten. Hier hat Hamburg mit unserem Port Community System DAKOSY langjährige Erfahrung. Digitale Lösungen sind auch auf den Terminals entscheidend. Schauen Sie nach Altenwerder, wo wir seit Jahren die Automatisierung voranbringen und so erhebliche Produktivitätsreserven heben.

Die zentrale Herausforderung heute ist, auch das Zusammenspiel der Beteiligten zu verbessern. Nehmen Sie das Hamburg Vessel Coordination Center, das heute dafür sorgt, dass die Anläufe im Hafen optimal abgewickelt werden. Auch die Verwaltung ist auf dem Weg. Mit dem National Single Window, dem zentralen Meldesystem für den gesamten deutschen Seeschiffsverkehr, sind der Datentransfer und die Koordination mit den Behörden deutlich verbessert worden.

Der Hafen der Zukunft, das können wir beispielsweise in Singapur sehen, wird noch mehr Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen müssen. Durch digitale Lösungen bei der Steuerung der Verkehrsflüsse, in der industriellen Kommunikation und durch die Nutzung von Big-Data können Unternehmen neue Potentiale erschließen. In Hamburg nennen wir unseren Ansatz SmartPort Logistics. Das ist im Kern die Vernetzung von Unternehmen, Kunden und der Hamburg Port Authority, um die Verkehrs- und Logistikströme besser zu lenken.

Lassen Sie mich neben den Häfen ein zweites Beispiel geben: Deutschland hat eine großartige Tradition als Schiffbau- und Schifffahrtsnation.

Neben den Werften im Norden gehören zum Schiffbau auch die vielen Zulieferer in der ganzen Bundesrepublik, gerade auch im Süden.

Die Schifffahrtsbranche kämpft seit Jahren mit widrigen Marktbedingungen. Die deutsche Handelsflotte hat sich deutlich verkleinert, die Auswirkungen erleben wir hier an der Küste unmittelbar. Wir sind dankbar für die Unterstützung und Wertschätzung seitens der Bundesregierung. Vieles ist hier in den letzten Jahren erreicht worden, wie z. B. die Regelung zum Lohnsteuereinbehalt. Unser gemeinsames Ziel ist es, eine starke Flotte unter deutscher Flagge zu erhalten und damit auch Beschäftigung inländischer Seeleute an Bord zu sichern. Wir brauchen dieses Know-how nicht nur in den Reedereien sondern gerade auch an Land: im Hafen, in den Werften und in der Industrie. Gemeinsam müssen wir darauf achten, dass dieses Ziel weiterhin erreicht wird.

Wir dürfen nicht aus dem Auge verlieren, dass sich die Anforderungen ändern. Unsere Schiffe werden digital. Gerade in diesen Zeiten knapper Gewinnmargen gilt es, die Potenziale der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Beispielhaft gilt dies für das Schiffsmanagement. Es ist erstaunlich, wie Kosten durch bessere Flottensteuerung gesenkt werden können. Die großen Reedereien betreiben extrem innovative Fleet Operation Center. Beispielhaft möchte ich hier Carnival nennen, das ein solches Zentrum hier bei uns an der deutschen Küste angesiedelt hat, eben weil es hier hervorragendes Know-how gibt.

Auch das Thema Nachhaltigkeit will ich nennen: Hamburg ist hier in besonderem Maß gefordert, liegt unser Hafen doch mitten in der Stadt. Zu Recht wird erwartet, dass die maritime Wirtschaft einen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz leistet. Auch hier haben wir schon Einiges begonnen:

Ein gutes Beispiel ist das Projekt SmartPort Energy der Hamburg Port Authority. Damit werden Lösungen gebündelt, die die Energieeffizienz steigern und umweltfreundliche und innovative Mobilität fördern.

Am Anfang stehen wir auch bei der alternativen Energieversorgung von Seeschiffen. Wir haben in Hamburg erste Anlagen für Kreuzfahrtschiffe errichtet. Für Containerschiffe wird zudem mit Hilfe der Bundesregierung untersucht, ob wir mit sogenannten LNG PowerPacs die Schadstoffemissionen während der Liegezeit reduzieren können.

Ebenso wichtig wird es sein, auch passende Rahmenbedingungen zu schaffen und weitere Häfen für derartige Angebote zu begeistern. Perspektivisch muss es gelingen, die Emissionen auch während der Fahrt zu senken. Die ersten Kreuzfahrtschiffe mit reinem LNG-Antrieb sind bestellt, erste Containerschiffe sind vorbereitet. Auch hier gilt: der Wandel kann und wird nur gelingen, wenn Wissenschaft, Wirtschaft und Staat Hand in Hand daran arbeiten.

Meine Damen und Herren,

der maritimen Wirtschaft steht eine große Zukunft bevor. Über das Meer laufen die weltweit wichtigsten Transportwege, kein anderes Transportmittel ist so leistungsstark und kostengünstig wie das Schiff. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Einige Naturprodukte des Meeres, wie die Fische, sind seit Menschengedenken unverzichtbar für die Ernährung. Andere, wie Algen, bieten ungeahnte Möglichkeiten neuer Nutzung. Auch die Entwicklung der Meeres- und Offshore-Technologien ist noch am Anfang. Dabei wird immer deutlicher, dass mehr getan werden muss, um die lebenswichtige Ressource Meer zu erhalten. Umweltschutz und wirtschaftliche Nutzung müssen zusammen gedacht werden – wie wir das beispielsweise in der Nordsee sehr gut hinbekommen.

Meine Damen und Herren,

Ich wünsche Ihnen allen einen inspirierenden Austausch. Sorgen Sie dafür, dass wir gemeinsam Lösungen für die anstehenden Herausforderungen finden und umsetzen.

Vielen Dank!

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