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28. März 2017 Senatsfrühstück für Präses Melsheimer

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Senatsfrühstück für Präses Melsheimer

Sehr geehrter Herr Melsheimer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir ehren heute einen Mann, der für die Wirtschaft der Metropolregion Großes getan hat. Einen Unternehmensführer, der unbestreitbar zu Hamburg gehört. Und doch scheint mir, um sein Werk zu verstehen und seine Leistungen zu würdigen, müssen wir Hamburg für einen Moment verlassen.

Wir schauen auf eine Region an der Mittelmosel im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Das ist in Rheinland-Pfalz. Die Weinkenner unter Ihnen lächeln schon, denn ich meine Traben-Trarbach. Traben-Trarbach ist eine Gegend, in der die Weine an sehr steilen Hängen angebaut werden. Ein idealer Winkel für die Thermik und den Sonneneinfall. Hier wachsen sehr gute Riesling- Trauben.

Freude und Genuss basieren oft auf harter Arbeit. So ist es auch im Weinanbau. Es gibt das ganze Jahr enorm viel zu tun. Da muss jeder mithelfen. Das galt auch für den jungen Fritz Horst Melsheimer, der aus einer Winzerfamilie stammt. Er hat die Arbeit im Weinberg in allen Jahreszeiten kennen gelernt. Der Weinberg hat seine Einstellung geprägt. Hier hat er gelernt, was Arbeit ist.

Lieber Herr Melsheimer, Sie haben mir mal erzählt, dass es schon eine ganz besondere Erfahrung ist, über Stunden mit  - wie Sie es nannten – „schiefen Beinen“  zu arbeiten. Denn die besten Lagen, die Steillagen, kann man nur zu Fuß betreten. Boden und Rebe müssen von Hand bearbeitet werden. Das ist auch heute immer noch so, trotz aller Technik.

Der Wein ist ein gutmütiges und flexibles Gewächs, er gedeiht auf unterschiedlichsten Böden. Jeder Boden, jede Lage bringt ein anderes Ergebnis. So mancher Rebstock wurde nach Hamburg verpflanzt. Fritz Horst Melsheimer ist die Verwurzelung in Hamburg hervorragend geglückt. Es gibt eine ganze Reihe bemerkenswerter und markanter Jahrgänge.

Seit 1993 ist Melsheimer für die HanseMerkur Versicherungsgruppe tätig. Begonnen hat er als Vorstandsmitglied, wurde Vorstandsvorsitzender mit dem bis dahin besten Ergebnis der Versicherungsgruppe, und seit drei Jahren ist er Aufsichtsratsvorsitzender der HanseMerkur.

2011 wurde der erfolgreiche Unternehmensführer Melsheimer zum Präses der Handelskammer gewählt. Die Handelskammer war zu der Zeit in einer nicht einfachen Situation. Denn ganz plötzlich musste ein Nachfolger für den damaligen Präses Frank Horch gefunden werden.

Lieber Herr Melsheimer,

ohne groß zu zögern, haben Sie das Amt übernommen. Sie sind eben ein Mann der Tat. Sie sind da, wenn die Arbeit ruft. Das haben Sie gleich zu Beginn bewiesen. Und so war es dann auch drei Jahre später, als ein Nachfolger für Sie gesucht wurde und niemand sich drängte, die ehrenamtliche Position zu übernehmen.

Präses für die älteste deutsche Handelskammer zu sein, ist eine große Verantwortung. Sie wurden gebeten, eine zweite Amtszeit zu übernehmen und haben es getan. Ein klares Signal an die Hamburger Wirtschaft: Melsheimer ist da, wenn die Arbeit ruft.

So stand Fritz Horst Melsheimer als Präses der Handelskammer auch bereit, als es darauf ankam, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Sie, sehr geehrter Herr Melsheimer, gehören zu denen, die verstanden haben, dass Erwerbsarbeit der beste Weg der Integration ist.

Die Handelskammer zeigte unter Ihrer Leitung ein keineswegs selbstverständliches soziales Engagement. Es wurden viele bemerkenswerte Projekte gestartet. Ganz besonders hervorheben möchte ich den „Marktplatz der Begegnungen“, der im April bereits zum sechsten Mal stattfinden wird. Es ist klug, Maßnahmen zu fördern, mit denen der Arbeitsmarkt für beide Seiten zum Gewinn wird: für die Flüchtlinge, weil sie damit die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben haben und für die Unternehmen, weil sie damit auch etwas gegen den Fachkräftemangel unternehmen.

Lieber Herr Melsheimer,

wir haben Sie zu dieser traditionellen Form des Senatsfrühstücks eingeladen, um Sie als verdienstvoll ausscheidenden Präses zu ehren. Sie haben mit viel Erfolg Lösungen für eine ganze Reihe sehr wichtiger Fragen entwickelt. Es ist schwerlich möglich, alle wichtigen Projekte aufzuzählen, die Sie erfolgreich angestoßen und begleitet haben – ich werde ein paar herausgreifen:

Hamburg als attraktiven Standort für Selbständige und mittelständische Unternehmen weiter zu stärken, war und ist ein großes Anliegen von Ihnen. So haben Sie als Präses im „Bündnis für den Mittelstand“ eine aktive Rolle übernommen.

Die gemeinsame Plattform von Handelskammer, Handwerkskammer, dem Verband Freier Berufe und dem Senat läuft auch dank Ihrer Arbeit sehr vertrauensvoll. In der Handelskammer ist klar: Der Mittelstand ist für die Stabilität der Wirtschaft und die Sicherung von Arbeitsplätzen unverzichtbar.

Das „Bündnis für den Mittelstand“ hat sich zu einem erfolgreichen Instrument Hamburger Mittelstandspolitik entwickelt. Alle wichtigen Themen, wie E-Government, Unterstützung des Mittelstands, Flächenvergabe und Standortentwicklung, haben Sie aufgegriffen. Viele wichtige Veranstaltungsformate sind entwickelt worden, wie etwa der Tag des Mittelstandes.

Natürlich ist auch die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens für Herrn Melsheimer immer ein großes Anliegen. Als Präses hat Melsheimer sehr großes Engagement für die Hafenwirtschaft gezeigt. Dazu gehört beispielsweise der seit 2012 erfolgreich durchgeführte Schifffahrtsdialog. Die Veranstaltung der Handelskammer wird in Kooperation mit der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Verband Deutscher Reeder sowie dem Zentralverband der deutschen Schiffsmakler durchgeführt. Fritz Horst Melsheimer hat immer wieder betont, dass die maritime Wirtschaft mehr Investitionen in Digitalisierung, Umweltschutz und Infrastruktur braucht. Ein hoch aktuelles Thema, wie wir ja auch an der Entscheidung zur Fahrrinnenanpassung der Elbe wieder sehen.

Hamburger Unternehmen haben von der Internationalisierung der Wirtschaft sehr profitiert. Mit vielen Projekten und Veranstaltungen hat Herr Melsheimer klar gemacht:  Ohne Handelskooperationen geht es nicht. Hervorragendes hat die Handelskammer auch für die gute Verbindung nach China geleistet. Seit über zehn Jahren ist sie Gastgeber des Hamburg Summits „China meets Europe“. Melsheimer hat dafür gesorgt, dass dieses Format der wichtigste europäische China-Gipfel geworden ist.

Auch die Metropolregion Hamburg trägt die Spuren von Präses Melsheimer. Die Handelskammer ist gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern, dem UV Nord und dem DGB nun aktives Mitglied. Das ist eine qualitative Neuerung und Stärkung des Konzeptes. Mit der regionalen Erweiterung, die wir gemeinsam vor wenigen Wochen gefeiert haben, reicht die Metropolregion nun bis an die Mecklenburgische Seenplatte heran. 5,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger umfasst das. Gemeinsam erwirtschaften wir ein Bruttoinlandsprodukt von über 196 Milliarden Euro. Damit liegen wir übrigens auf Augenhöhe von Nationen wie etwa Finnland.

Hamburg hat in den vergangenen Jahren grundlegende Entscheidungen zur Verbesserung von Bildung und Ausbildung getroffen. Sie, sehr geehrter Herr Melsheimer, haben die gemeinsame Verantwortung von Staat und Wirtschaft für die Qualität der beruflichen Bildung stets mit großem Engagement mitgestaltet. Dazu gehört die Gründung des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB), mit dem wir eine institutionelle Zusammenarbeit mit der Hamburger Wirtschaft etabliert haben. Dazu gehören auch die Maßnahmen zur Reform der beruflichen Bildung für einen besseren Übergang zwischen Schule und Ausbildung bzw. Beruf, für eine höhere Attraktivität der dualen Ausbildung und für mehr Durchlässigkeit in der beruflichen Bildung. Auch beim Schulentwicklungsplan der Berufsschulen waren sie beteiligt.  In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen im HIBB haben Sie dafür gesorgt, dass der Ausbildungsstandort Hamburg attraktiv bleibt und sich stetig weiterentwickelt.

Sie sehen, die Themen der Handelskammer unter Präses Melsheimer sind sehr breit ausgelegt. Er kennt die Details, die wichtig sind und die letztlich für die Chancen Hamburger Unternehmen den Ausschlag geben.

Lieber Herr Melsheimer,

bereit sein, wenn es darauf ankommt – das könnte das Motto Ihrer Präsidentschaft sein. Und dieses Motto erinnert mich daran, dass Sie ein passionierter Jäger sind.

Jäger sind bekanntlich die Leute, die sehr früh aufstehen und weder den Regen noch andere ungemütliche Situationen scheuen, um in den Wald zu gehen. Ein Jäger liebt es, die Dinge genau zu beobachten, das Ziel ins Auge zu nehmen. Er kann stundenlang auf den richtigen Moment warten, fast bewegungslos und immer hoch konzentriert. 

So leidenschaftlich und konzentriert war auch der Einsatz von Herrn Melsheimer für die Hamburger Wirtschaft. Sowohl im Kleinen als auch im Großen.

Mit Fritz Horst Melsheimer hatte die Handelskammer Hamburg einen Präses der mutig, zuverlässig und immer zielstrebig war.

Lieber Herr Melsheimer,

im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg danke ich Ihnen für sechs verdienstvolle Jahre. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet.

Vielen Dank.

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