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3. Mai 2017 Urban Partnership Forum

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Urban Partnership Forum

Sehr geehrter Herr Ermisch,
sehr geehrter Herr Haider,
sehr geehrte Frau Botschafterin,
sehr  geehrte Vertreter der Partnerstädte,
sehr geehrte Damen und Herren,

1958, 1989, 2010. Drei Jahreszahlen, die in Hamburg für drei Städte stehen: 1958 für die Hafenstadt Marseille, unsere zweitälteste Partnerschaft; 1989 für León, das uns in den vergangenen 28 Jahren nicht weniger ans Herz gewachsen ist; 2010 für Dar es Salaam, unsere jüngste Städtefreundschaft und die erste in einem afrikanischen Land.

Marseille, León, Dar es Salaam: drei Städte, drei Kontinente, drei Welten. Was verbindet uns? Die Antwort ist einfach: Uns verbindet, dass wir Städte sind. Städte im 21. Jahrhundert, die wachsen und ihr Wachstum verträglich gestalten wollen – verträglich für die Natur und im Sinne der Bürgerinnen und Bürger. Das ist eine große Aufgabe und ich bin mir sicher, dass wir viel voneinander lernen können.

Denn Städte sind Kristallisationspunkte. In den Städten verdichten sich die Herausforderungen der Zukunft – in Afrika oder Lateinamerika genauso wie in Europa. In den Städten, in ihren Unternehmen, Forschungseinrichtungen und kulturellen Zentren werden aber auch die Lösungen für die Herausforderungen ge- und erfunden: klimaschonende Mobilität, moderne Wasser- und Abwassersysteme, ressourceneffiziente Produktionsweisen, fortschrittliche Bildungsinstitutionen. Da steht jeder von uns an einem anderen Punkt der Entwicklung, aber eines haben wir gemeinsam: Unsere Städte befinden sich permanent im Lernmodus. Ich freue mich sehr, dass so verschiedene Gesprächspartner in Hamburg zusammenkommen, um zu schauen, welche Projekte in den jeweiligen Städten besonders vielversprechend sind.

In Deutschland hört man manchmal gewisse  Vorbehalte, dass ein Wachstum der Wirtschaft und der Bevölkerung im Gegensatz zu einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Stadtentwicklung stehe. In Hamburg haben wir aber die Erfahrung gemacht, dass es sich genau andersherum verhält. Unsere Stadt hat im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Schübe erlebt, in denen die Bevölkerung stark gewachsen ist, und jeder Schub hat langfristig die Ökonomie beflügelt. Ein gutes Wirtschaftswachstum wiederum ist die Voraussetzung, um die Stadt der Zukunft nachhaltig zu gestalten und neue, umweltschonende Technologien einzuführen. Für Hamburg heißt das zum Beispiel, dass wir eine Modellstadt für Elektromobilität werden und schon heute die deutsche Hauptstadt der Windenergie sind. Es bedeutet, dass wir durch den Einsatz smarter Technologien die Innenstädte vom Verkehr entlasten und die Abläufe im Hafen effizienter gestalten; oder dass der Hafen den Kreuzfahrtschiffen Alternativen zur Versorgung mit Schweröl und Diesel anbietet, etwa in Form von Flüssiggas – das machen bislang nur ganz wenige Häfen auf der Welt.

Hamburg ist eine wachsende und nachhaltige Stadt mit einer großen Zahl an innovativen Unternehmen und vielen Forschungseinrichtungen. Das macht sie gerade für junge Leute sehr attraktiv. Wie in fast allen großen Städten ist Wohnraum in Hamburg aber knapp. In Paris, London, San Francisco und fast allen großen Städten auf der Welt kann man beobachten, dass  junge Familien und Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen aus den zentralen Stadtteilen verdrängt werden. Doch in Hamburg finden wir uns mit diesem Trend nicht ab. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, dass die ganze Stadt für alle Einkommensgruppen offen bleibt und dass die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger nach bezahlbarem Wohnraum, guten Bildungsmöglichkeiten, modernen Arbeitsplätzen und einem lebenswerten, familienfreundlichen Umfeld im Zentrum unserer Politik stehen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das nur wenige große Städte auf der Welt erreichen werden.

Damit Hamburg dazu gehört, hat die Stadt das größte Wohnungsbauprogramm in Deutschland aufgelegt. Wir bauen in Hamburg aber nicht nur viel, wir bauen auch anders als früher. Neue Stadtteile wie Mitte Altona oder am Baakenhafen in der Hafencity verfolgen moderne Mobilitätskonzepte, die auf ein dichtes Netz an Radwegen und Öffentlichen Nahverkehr setzen. Arbeit und Wohnen rücken näher zusammen, so dass lange Wege vermieden werden. Weil Flächen knapp sind, bauen wir etwas dichter und höher, legen aber auch grüne Innenhöfe, kleine Parks und Plätze zum Toben und Spielen an. Stadt braucht Natur, um mit den Worten des Forums zu sprechen, und die ist in Hamburg nicht nur grün, sondern häufig auch blau wie das Wasser von Elbe, Alster und Bille.

Auch das andere Motto des Forums – Stadt braucht Kultur – spielt in Hamburg eine große Rolle. Wobei wir unter Kultur unsere preiswürdigen Theater genauso verstehen wie die Stadtteilzentren, die Staatsoper am Stephansplatz genauso wie die Hip-Hop Academy in Billstedt. Kultur kennt keine Grenzen der Formen und Themen, sie muss für alle zugänglich und erschwinglich sein – nach diesem Prinzip handeln wir auch in der Elbphilharmonie, die mehrere Studios für musikpädagogische Veranstaltungen beherbergt und auch Karten zum Preis eines Kinotickets anbietet.

Meine Damen und Herren,

Der Hamburger Senat sieht sich den „Zielen für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen verpflichtet. Daran arbeiten wir in Hamburg, und dafür setzen wir uns auch andernorts ein.

Seit 1993 unterstützen Beschäftigte der Hansestadt mit den Centbeträgen ihres Gehalts, die für sie persönlich nicht ins Gewicht fallen, den Ausbau der Wasserversorgung und Kanalisation in León – das ist nur eine kleine Geste, die aber doch das Interesse sehr vieler Hamburgerinnen und Hamburger an unserer Partnerstadt in Nicaragua zeigt.

Das Interesse gilt auch dem Bau einer Kompostanlage für Markt- und Grünabfälle in Dar es Salaam, die aus der Klimaabgabe, die die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie für dienstliche Flüge einsammelt, unterstützt wird – auch der Bund steuert erhebliche Mittel bei. Die Kompostanlage in der größten Stadt Tansanias hat gleich einen mehrfachen Nutzen: Sie vermindert die Emissionen klimarelevanter Gase bei der Deponierung organischer Abfälle, erzeugt wertvollen Kompostdünger für die Landwirtschaft und sichert Arbeitskräfte und Wachstum.

Nachhaltigkeit durch technischen Fortschritt – darauf setzen wir auch in Hamburg. Viele unserer Projekte tragen irgendwo im Namen den Begriff „smart“. Wir suchen intelligente Lösungen, die Energie sparen und es ermöglichen, begrenzte Ressourcen effizient zu nutzen. Neue Technik wird dazu beitragen, dass unsere Städte wachsen und gleichzeitig noch lebenswerter werden können.  Ohne herausragende Ingenieurskunst wäre übrigens auch die Elbphilharmonie, die Musiker aus aller Welt anlockt, um die einmalige Akustik zu erleben und auszuprobieren, nicht denkbar. Ein  ästhetisches und musikalisches Erlebnis dieser Art entsteht erst durch das enge Zusammenspiel von Technik und Kunst.

Meine Damen und Herren,

2017 findet das Urban Partnership Forum nun schon zum dritten Mal statt. Ich freue mich sehr, dass ich in diesem Jahr unsere Partnerstädte Dar es Salaam, León und Marseille in Hamburg begrüßen darf. Schön, dass Sie die weite Reise nicht gescheut haben. Ich wünsche Ihnen allen eine anregende Zeit, interessante Gespräche und überraschende Begegnungen. Wir sind in Hamburg sehr gespannt, welche Erfahrungen und Ideen Sie mitgebracht haben.

Viel Erfolg beim Urban Partnership Forum!

Und besten Dank.

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