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10. Mai 2017 Gründerfrühstück "Get Started" Bitkom

Impulsvortrag des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Gründerfrühstück "Get Started" Bitkom

Guten Morgen,

lieber Herr Krämer - vielen Dank für die Einladung.

Innovation, Aufbruchsstimmung und Überraschungen - davon brauchen wir nach meinem Empfinden in Deutschland gerne eine Priese mehr, auch bei uns in Hamburg. Ich freue mich deshalb sehr, mit Ihnen hier im Betahaus über Start-ups in Hamburg zu sprechen. Sie wissen: die Spielregeln verändern sich, die Digitalisierung ist der Treiber, der neue Geschäftsmodelle ermöglicht und Innovation katalysiert. Startups sind ein entscheidender Innovationsmotor für das gesamte Wirtschaftssystem. Xing, Innogames, Kreditech, myTaxi und natürlich Figo heißen die Game-Changer aus Hamburg. Junge Unternehmen fordern bestehende Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen heraus. Sie bieten Dienstleistungen und Produkte, die tradierte Wertschöpfungsprozesse neu gestalten. Sie steigern zudem in der Zusammenarbeit mit bestehenden Unternehmen auch deren Wettbewerbsfähigkeit. Startups denken anders und handeln anders, sie sind ein bedeutender und immer stärker anerkannter Faktor für die Wandelungsfähigkeit der Wirtschaft insgesamt.

Innovationen sichern den Erfolg eines Industrie- und Wirtschaftsstandorts. Das gilt für Hamburg ebenso wie für ganz Deutschland. Die Schnelligkeit der  Veränderungsprozesse macht es notwendig, dass wir unsere Fähigkeit, Geschäftsoptionen zu erkennen und Neues zu wagen, kontinuierlich ausbauen.

Ich möchte Sie, die jungen Gründerinnen und Gründer ermutigen, Ihre Ideen weiter zu verfolgen und damit wichtige Impulse für Hamburg zu setzen - und diese auch in den internationalen Wettbewerb hineinzutragen.

Die Bedingungen dafür sind in Hamburg ausgesprochen gut: In Hamburg trifft eine starke Branche der Informatik- und Informationstechnologie auf eine herausragende Medien- und Kreativwirtschaft – eine einmalig günstige Kombination. Die kreativen Köpfe in den Verlagen, den Werbeagenturen, den Textschmieden und Social-Media Agenturen treffen sich in Hamburg mit den IT- und Softwareingenieuren und gestalten so gemeinsam die unternehmerische Landschaft von Morgen.

Hamburger Unternehmen wie Xing oder Parship sind weit über die Stadt hinaus erfolgreich. Renommierte deutsche und internationale Unternehmen wie SAP, Adobe oder IBM betreiben in Hamburg eigene Entwicklungsabteilungen. Mit etwa 10.000 Unternehmen und rund 50.000 Erwerbstätigen zählt die IT-Branche in der Hansestadt zu den bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren und präsentiert sich in großer Vielfalt.

Co-Working-Spaces wie das betahaus, Mindspace oder Shhared sind kreative Zentren für Frauen und Männer, die Neue Wege gehen, Risiken bewusst in Kauf nehmen und den Erfolg suchen.

In den letzten Jahren sind spannende Innovationshubs wie der Creative Space an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften oder der nextMedia Accelerator entstanden. Wir haben bedeutende Veranstaltungsformate wie die Online Marketing Rockstars aus der Taufe gehoben, die mittlerweile über 26.000 Besucher an zwei Tagen zählen. Außerdem die Social Media Week, die Solutions Hamburg oder die NEXT Konferenz. Auch großen Plattformen wie Xing und das kleinere JIMDO sind Hanseaten. Natürlich sind hier auch die ehemaligen Start-ups aus den USA ansässig; Facebook, Google und Twitter haben ihr deutsches Headquarter in Hamburg.

Wir haben zudem  Ausgründungen wie About You von Tarek Müller, jetzt OTTO – eCommerce, die Corporate Inkubatoren Airbus Biz Lab (in der Flugzeugindustrie), Gruner + Jahr Greenhouse Innovation Lab, Bauer Xcel Media (in der Medienbranche) oder der Health Innovation Port von Philipps (HealthTech).

Hamburg schöpft seine Kraft aus der Verbindung von Business, Kreativität und Technologie. Bezogen auf die Anzahl der Gründungen pro 1.000 Erwerbstätige liegen wir in Deutschland an zweiter Stelle. Das ist ein guter Platz und gleichzeitig auch ein Ansporn!

Ich baue sehr auf die Kraft und den Willen der jungen Entrepreneure neue Wege in Hamburg zu gehen und neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Darauf darf sich aber eine Stadt wie Hamburg nicht ausruhen. Wir müssen auch selber liefern. Wenn sich auf Grund der Digitalisierung rundherum neue Chancen auftun, ist es unser Anspruch, diese auch für die Stadt selbst zu nutzen. Ein modernes Deutschland braucht eine moderne und leistungsfähige Verwaltung. Staatliches Handeln wird akzeptiert, wenn bürokratische Vorgänge schnell, zuverlässig und bequem erledigt werden.

Lästige, aufwändige und an Papier gebundene Antragsverfahren sind nicht mehr zeitgemäß. Wer seine Urlaubsreise heute über das Smartphone in wenigen Minuten bucht, will und soll für seine An-und Ummeldung, seinen Personalausweis oder seine Baugenehmigung nicht Formulare in x-facher Ausfertigung zum Amt tragen. Künftig laufen Daten – nicht die Bürgerinnen und Bürger.

Auch die städtische Infrastruktur und die öffentlichen Räume werden mit digitalen Angeboten optimiert. Diesen Fragen widmet sich die Strategie zu Intelligenten Transportsystemen der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Ebenso zählen das Transparenzportal, die Bildungs- und Kulturangebote der Stadt und natürlich Initiativen wie das City Science Lab hierzu, das aus einer Kooperation der Hafencity Universität mit dem Massachusetts Institut of Technology (MIT) entstanden ist.

Ein zentraler Aspekt ist zudem die Digitalisierung und die Vernetzung des Lernens. Gleichzeitig müssen auch Lehrinhalte an die Herausforderungen der digitalen Zeiten angepasst werden.

So bauen wir mit der Hamburg Open Online University ein hochschulübergreifendes Angebot auf. Die HOOU will nichts weniger, als die Hochschullehre mit den Mitteln digitaler Technologien grundlegend zu erneuern und weiterzuentwickeln. Sie will nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Disziplinen und den Hochschulen selbst intensivieren. Sie will überdies die Hochschulen auch für neue Zielgruppen und Personen öffnen, die dort nicht studieren und sie an wissenschaftlichem Diskurs und Projektarbeit teilhaben lassen.

Unsere Hochschulen, die Universität Hamburg, die TU Hamburg-Harburg, die Hochschule für angewandte Wissenschaften oder die Hafencity-Universität, und international arbeitende Schulen auf universitärem Niveau, wie etwa die Hamburg Media School, bilden die jungen Frauen und Männer aus, die wir in der Zukunft brauchen.

Denn ausreichend Fachkräfte und insbesondere IT-Fachkräfte machen den Unterschied. Der Hamburger Senat hat die Mittel für 35 zusätzliche IT-Professuren und 1.500 zusätzliche Studienplätze zur Verfügung gestellt. Auf der Plattform „Ahoi Digital“ wird dieses Angebot zusammengeführt. Gerne können Sie sich dort auch mit einbringen. Mit dem Talent Day Medien- und IT gehen wir auf die Schülerinnen und Schüler zu und bieten ihnen die Möglichkeit, sich über IT- und Medienberufe zu informieren. Es ist übrigens ein gutes Zeichen, dass sich auch klassische Unternehmen immer mehr für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Start-up im Lebenslauf interessieren.

Zu den wichtigen Rahmenbedingungen gehört auch die digitale Infrastruktur: Dieses Jahr werden wir damit beginnen, die Breitbandversorgung in Hamburg weiter zu verbessern. Wir haben aktuell eine 95 prozentige Abdeckung mit 50Mbit-Leitungen und haben das 100-Prozent-Ziel fest im Blick. Zudem ist Hamburg das Bundesland mit der besten Glasfaserversorgung.

Und Hamburg hat einen aktiven Kapitalgeber für Startups. Unser InnoRampUp Programm unterstützt innovative Unternehmen mit Zuschüssen; 2,1 Millionen € pro Jahr als nicht-rückzahlbare Förderung finden Sie so in keinem anderen Bundesland.

Wir haben gerade auch den InnoStarter Fonds II, eine Weiterentwicklung des InnoStarter Fonds, neu aufgesetzt und mit 12 Millionen Euro ausgestattet. Auch der Innostarter II Fonds ist ein aktiver Frühphaseninvestor, der zur Hälfte durch die Europäische Union finanziert wird.

Der angedachte Wachstumsfonds wird Risikokapital zur Verfügung stellen. Die Idee ist, durch Ausstattung mit öffentlichen Mitteln weitere Anreize für private Investoren zu schaffen, in innovative Unternehmen zu investieren. Ich finde, dass es hier noch mehr Mut auch privater Geldgeber bedürfte, um Start-ups „made in Hamburg“ zu unterstützen.

Meine Damen und Herren,

die Start-ups gehören zu denen, die die Erfolgsfaktoren und die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen wissen. „Get-startet“, der Name der Gründerinitiative des Bitkom, ist deshalb nicht nur die Aufforderung, sich in die Zukunft aufzumachen, sondern vor allem auch der wichtige Hinweis, die Start-up Kultur stärker zu unterstützen. 

Ich möchte an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank an den Bitkom und alle hier im Raum richten. Sie haben viel dazu beigetragen, dass Hamburg eine so aktive Digital- und Startup-Szene hat.

Ich freue mich jetzt auf den Austausch mit Ihnen und Ihre Ideen.

Vielen Dank!

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