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25. Mai 2017 Europameisterschaft der Parlamentarier

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Europameisterschaft der Parlamentarier

Sehr geehrter Herr Weinberg,
sehr geehrte Mannschaftskapitäne aus Finnland, Österreich und der Schweiz,
sehr geehrte Vertreter der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Fußballer…

die Stadt Hamburg freut sich auf einen Anpfiff. Bekanntlich ist hier an Elbe und Alster manches erfunden worden; ob der Fußball dazu gehört, wird von Saison zu Saison unterschiedlich gesehen. Aber die Bananenflanke ist im Volksparkstadion in Hamburg perfektioniert worden (beim HSV, Kaltz auf Hrubesch, 1980er) – und bei der Europameisterschaft der Parlamentarier, die wir heute gemeinsam vor-eröffnen, hilft bestimmt das „Hamburger Sie“.

Sollte es jemand nicht kennen? Es besteht darin, dass rangunterschiedliche Menschen einander um  Dienstleistungen bitten, indem sie sagen: „Helmut, mögen Sie einmal die Akte ´Fahrrinnenanpassung´ vertraulich in den Umlauf geben?“

Viele fragen sich ja: Wie mögen wohl Politiker verschiedener Fraktionen auf dem Fußballplatz miteinander kommunizieren? Das „Hamburger Sie“ kann helfen. Ich stelle mir das so vor: „Martin, Sie sind wieder nicht anspielbar, sondern stehen abseits.“ Oder: „Johannes, so einen Ball müssen Sie chippen, nicht durchstechen.“ – „Marcus, haben Sie die Pausengetränke bereitgestellt?“

Nun gut, diejenigen von Ihnen, die ab morgen auf dem Fußballplatz stehen, werden solche Vorschläge nicht brauchen, denn internationale Spiele zwischen Politikern haben eine lange Tradition. Auch dieses 45. Internationale Parlamentarier-Fußballturnier, so heißt es ja offiziell. Man weiß, wie man miteinander umgeht; gewonnen haben, wie ich höre, bisher meistens unsere finnischen Freunde. In der Mannschaft versteht man sich, einem beliebten Klischee zufolge, meistens ohne Worte. Wahrscheinlich ist das ein genauso unsinniges Klischee wie alle. Es gibt in allen Ländern sehr redselige Sportler, sowie Politiker.

Meine Damen und Herren,

bevor es morgen losgeht, darf ich Sie am heutigen Abend herzlich im Hamburger Rathaus begrüßen. Diese Stadt liebt internationales Flair, sie versucht es nach Kräften selbst auszustrahlen, läuft aber erst dann zu ihrer besten Form auf, wenn sie das Erlebnis mit Gästen aus verschiedenen Ländern teilen kann. Das Erlebnis „Europa“, zum Beispiel. Auf unserem, flächenmäßig ja nicht riesigen, aber intensiv bewohnten Kontinent, der viel mehr ist als ein Wirtschaftsraum – aber das auch! – sind wir gemeinsam stärker als es jeder für sich wäre. Das hat sich schon so oft und so lange als wahr erwiesen, rund um den Bodensee und an den verschiedenen Ostseestränden, dass man sich hier und da wohl schon zu sicher gefühlt hat.

Wir müssen uns die Idee „Europa“ immer wieder neu verdienen, und gleichzeitig einsehen, dass wir keine Festung sein können, aber sehr wohl aufeinander achtgeben müssen. Auch wenn es denn so kommen muss, dass quer über eine grüne Insel wieder eine Grenze gezogen wird. Die zwischen der Schweiz und Österreich, beziehungsweise Deutschland, ist ja auch keine wirklich trennende. Und doch bleiben Ab- und Ausgrenzungen selten folgenlos.

Eine Hamburger Lokalzeitung, das „Abendblatt“, hat vor Jahren geschrieben, ich zitiere das aus der Erinnerung: „Derzeit spielt keine Mannschaft, nur ein zerstrittener Haufen. Das einzige, was noch wirklich interessiert, ist Geld.“ Zitatende. Gemeint war, wohlgemerkt vor mehr als fünfzig Jahren, ein Sportverein.

Zwischen Fußballern aus Finnland, der Schweiz, Österreich und Deutschland hat das freundschaftliche und gut nachbarliche Miteinander Tradition, natürlich gepaart mit Ehrgeiz. Das wird diesmal nicht anders sein. Mag es ein „Wunder von Cordoba“ gegeben haben (1978) und eine „Schande von Gijon“ (1982, legendäre WM-Spiele Österreich gegen Deutschland): in Hamburg gewinnen alle. Sportlich möge ab morgen in Barmbek – auf der schönen, noch ziemlich neuen Anlage des Traditionsvereins „B.U.“ – natürlich der Beste triumphieren. Gewinnen wird auf jeden Fall der gute Zweck.

Der FC Bundestag, der seit fünfzig Jahren besteht, trägt Jahr für Jahr etliche Spiele aus, um karitative Einrichtungen zu unterstützen wie zum Beispiel in jüngerer Zeit den Elternkreis Frühgeborene und kranke Neugeborene. In der Stadt Uwe Seelers hat diese Verbindung von Sport und Hilfe für Mitmenschen ebenfalls eine gute Tradition und sie gehört zu dem, was den Ball überhaupt erst richtig rund macht.

Der FC Bundestag tritt gegen Ü-40-Teams aller Art an. Wikipedia bemerkt dazu fachmännisch, es handle sich insofern um Altherrenfußball. Das, sag ich mal, wird sich ja zeigen, sobald morgen die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Frau Carola Veit, den Anstoß ausgeführt hat.
Meine Damen und Herren,

Ihr Aufenthalt in Hamburg ist mit einem Besuch im Airbus-Werk, und mit einer kulinarischen Hafenrundfahrt verbunden. Beides gehört in unserer Stadt zur Pflicht und zur Kür gleichermaßen und ich wünsche Ihnen schon jetzt jede Menge Information und Vergnügen dabei.

Dennoch, denke ich, fiebern die Aktiven schon jetzt dem Anpfiff entgegen und die ausführlichen Reden werden ja sowieso erst während der Pause in den Kabinen gehalten. Ich will nur noch auf eines eingehen, das mich beschäftigt hat, seit ich im Programmheft den von Norbert Lammert zitierten Ausspruch meines verstorbenen Genossen Adolf Müller-Emmert gelesen habe. Der gilt ja als ein Gründervater des FC Bundestag und sein Seufzer war: „Fußball ist die einzige Freude, die wir in Bonn haben.“

Ist das vielleicht der wahre Hintergrund des Umzuges nach Berlin? Dort spielt der FC Bundestag jetzt im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, was allein schon tief in die deutsche Geschichte zurückverweist. Nebenan ist der Mauerpark. Dort kann man nach gewonnenen, oder auch verlorenen Spielen tiefsinnig in den Sonnenuntergang schauen, den Duft von Grillwürsten sowie Techno-Musik genießen. Gesamtdeutschere Freuden gibt es nicht.

Aber nun rollt der Fußball in Hamburg, und ganz international. Ich wünsche für die kommenden Tage allen Aktiven und allen Gästen guten Sport und einen wunderbaren Aufenthalt in unserer Stadt. Das abschließende Zitat gehört keinem Hamburger, sondern dem unvergesslichen Addi Preißler: „Entscheidend is auf´m Platz“.

Die gedankliche Vorbereitung darauf sei hiermit freigegeben. Vielen Dank.

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