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16. Mai 2017 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Asienkunde

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Asienkunde

Sehr geehrter Herr Prof. Das,
sehr geehrter Herr Dr. Sommer,
sehr geehrte Vertreter des Konsularischen Korps,
sehr geehrter Herr Prof. Sawada,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Asienkunde: Meinen Glückwunsch zu diesem Jubiläum und willkommen im Hamburger Rathaus!

Wie ich gehört habe, empfinden einige von Ihnen den Begriff Asienkunde als etwas überholt und sprechen lieber von Asienforschung oder Asienstudien. Das mag wissenschaftlich gesehen sicher angemessen sein, aber der Begriff „Kunde“ hat auch manches für sich. Nach dem Wörterbuch der Brüder Grimm bezeichnete das althochdeutsche Wort „chundo“ jemanden, der bekannt und vertraut ist. Der Kunde ist einer, den man persönlich kennt, und die Kunde ist demnach ein Wissen, das durch persönliche Augenscheinnahme erworben wurde und durch eine vertraute Person verkündet wird. Denn es gehört ja zu den besonderen Qualitäten Ihrer Arbeit, dass Sie nicht nur kundig sind, sondern Ihr Wissen auch kund tun, auf dass es möglichst guten Nutzen für die Allgemeinheit bringe. So gesehen scheint mir der Name Ihrer Gesellschaft ganz und gar passend und zeitgemäß.

Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde vor 50 Jahren fiel in eine Zeit großer  Umbrüche. Während Japans Wirtschaft boomte, hatte in China die Kulturrevolution begonnen. In Indien stand Indira Gandhi unter Druck; in Indonesien war die Kommunistische Partei gerade durch ein Blutbad ausgelöscht worden. Aber das Land, um das sich damals im Westen fast alles drehte, war zweifellos Vietnam, wo der Krieg 1967 einen grausamen Höhepunkt erreichte.

Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde fiel also in eine hochgradig politisierte Zeit. Dem entsprach, dass sie von Beginn an neben exzellenten Wissenschaftlern auch Journalisten, Politiker, Unternehmer und andere Kundige Asiens aufnahm. Unter Ihren Vorsitzenden waren ehemalige Botschafter, zwei Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und andere öffentliche Persönlichkeiten. Die Gesellschaft hat früh die Asienreferentinnen und -referenten des Auswärtigen Amtes in ihren Vorstand kooptiert und später auch die Geschäftsführung des Ostasiatischen Vereins (OAV).

Bis heute folgt die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde dem Anspruch, Wissenschaft im öffentlichen Interesse zu betreiben. Und das öffentliche Interesse an Asien ist groß. Der Wiederaufstieg Asiens, der einem beachtlichen Teil der Bevölkerung dort Bildung und den Aufstieg in die Mittelschicht gebracht hat, wird weitergehen. Darauf muss Europa sich einstellen. Das geht aber nicht ohne Kenntnis, wie man von Asien aus auf dieses Europa schaut. Mich hat zum Beispiel beeindruckt, welche Rolle das Aufleben eines anti-kolonialen Denkens und der Diskurs um ein zeitgemäßes asiatisches Selbstverständnis offenbar spielen – der indische Autor Pankaj Mishra hatte darüber 2014 ein streitbares, aber aufschlussreiches Buch geschrieben. Solche Einblicke und Perspektivwechsel sind wichtig, damit sich zwischen Unternehmen, in der Wissenschaft und in der Politik stabile asiatisch-europäische Kooperationen entwickeln können.

Wir können in Europa nicht genug über Asien wissen und lernen. Und ich spreche hier nicht nur von Japan, China oder Indien. Allein der Südosten des Kontinents umfasst eine Bevölkerung von mehr als 600 Millionen Menschen, die allen Weltreligionen und einer unüberschaubar wirkenden Anzahl verschiedener Kulturen angehören. Etwa ein Viertel des Welthandels läuft über Südostasien, weshalb wir im Hamburger Hafen die wirtschaftlichen Auf- und Abschwünge dort meistens recht direkt spüren können.

Hamburg ist eng mit Asien verbunden. Mehr als die Hälfte des Containerumschlags im Hamburger Hafen war 2016 auf den Handel mit Asien zurückzuführen. Der Containerumschlag mit der Volksrepublik China, unserem größten Außenhandelspartner und dem wichtigsten Abnehmer für  Maschinen made in Germany, machte ein Drittel aus.

Eine hervorgehobene Rolle spielt Asien auch für die deutsche maritime Wirtschaft und bei den Erneuerbaren Energien. 22 Prozent der weltweiten Patente auf saubere Technologien stammen aus Asien, wo man in den Unternehmen vielen jungen, gebildeten und technikaffinen Frauen und Männern begegnen kann.

Wobei der Einfluss Asiens nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in Kultur und Wissenschaft  weiter zunimmt. Die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde ist ein wichtiger Partner, um wissenschaftliche Kooperationen anzubahnen und gute Arbeitsbeziehungen zu schaffen. Die veränderte weltpolitische Verteilung der Kräfte und die globalisierten Handels- und Finanzströme lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Europa sich noch mehr mit Asien wird auseinandersetzen müssen, als dies in den vergangenen Jahrzehnten schon der Fall war. Dabei richtet sich der Blick zunehmend auch auf die kleineren Länder, die wir in all ihrer historischen und kulturellen Komplexität noch viel genauer kennenlernen müssen.

Die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde befasst sich wissenschaftlich mit allen Ländern Asiens. Sie bildet eine wichtige Brücke zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Forschungsbereichen und -instituten sowie zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Ihre Arbeitskreise bieten die Möglichkeit, Themen fächerübergreifend zu vertiefen und zur Beantwortung von Fragen der Gegenwart auch ausgewiesene historische und kulturelle Experten heranzuziehen. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Zeitschrift mit dem schlichten Titel „Asien“, die für Wissenschaftler wie für Interessierte eine unentbehrliche Quelle ist. Auffällig ist auch, wie viel Aufmerksamkeit dem Nachwuchs und seinen Themen geschenkt wird.

Meine Damen und Herren,
„Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der Wissenschaft und Forschung und die Förderung der Volks- und Berufsbildung sowie der Studentenhilfe sowie die Förderung der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens.“ So heißt es in Ihrer Satzung, die Sie sich am 6. März 1967 gegeben haben. Auch wenn die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde ihre selbst gesteckten Ziele in den vergangenen fünfzig Jahren kompetent und mit Elan verfolgt hat, bleiben die Aufgaben doch bestehen.

Wissenschaftliche Vertiefung, gegenwartsbezogene Fragestellungen, übergreifende Betrachtungsweisen, die Fähigkeit, wissenschaftliche Themen einer breiten Öffentlichkeit darzubieten – all diese Kompetenzen sind entscheidend in einer Welt, in der Asien auf fast allen Gebieten, insbesondere auch bei Forschung und Entwicklung, weiter an Bedeutung gewinnen wird. Der enge Austausch mit Wissenschaft und Wirtschaft bleibt eine wichtige Aufgabe.

Ich freue mich, dass die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde ihren Sitz in Hamburg hat, das als Welthafen und internationaler Wissensstandort vielfältigste Beziehungen zu den asiatischen Ländern pflegt.

Ich sagte es bereits: Wir können nicht genug über Asien lernen. Seien Sie gewiss, dass Sie in Hamburg und anderswo auf offene Ohren treffen werden.
Ich wünsche der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde für die Zukunft weiter alles Gute.

Vielen Dank.

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