Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

9. Juni 2017 39. Einbürgerungsfeier

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

39. Einbürgerungsfeier

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich heiße Sie ganz herzlich im prächtigsten Saal unserer Stadt willkommen. Wir öffnen ihn immer dann, wenn uns die Anlässe besonders wichtig sind. Ich freue mich sehr, auch die zahlreichen kleinen Gäste hier zu sehen. Auch für Euch ist diese Feier sicher ein besonderer Moment, an den Ihr Euch immer erinnern werdet.

Sie sind nun Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland, oder einfacher gesagt: Sie sind Deutsche oder Deutscher. Ich bin der festen Überzeugung, dass es für jeden Staat von großem Vorteil ist, wenn er zur Heimat von Menschen aus aller Welt wird, die sich bewusst für dieses Land entschieden haben.

Man kann das in Hamburg gut beobachten. Bei uns leben mittlerweile weit über eine halbe Million Menschen mit Wurzeln in einem anderen Land. Das ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Ohne die Zuwanderung wäre Hamburg ökonomisch weniger stark und für seine Bewohner weniger attraktiv. Auch Besucher loben unsere Stadt für ihre  internationale Ausstrahlung – für dieses besondere Flair, das eine Millionenstadt erst zur Weltstadt macht.

Das Wichtigste aber: Jeder im Saal bringt seine Vorlieben, seine Talente und sein Wissen, kurzum:  seine Persönlichkeit in die Gesellschaft ein. Das ist ein wesentlicher Beitrag zum Reichtum dieser Stadt. Hamburg profitiert von der Zuwanderung und den damit verbundenen Impulsen. Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung entwickeln sich durch internationales Knowhow weiter. Auch unser Alltag wird durch die verschiedenen kulturellen Einflüsse inspiriert. Ich denke da an das breitgefächerte Angebot an Kultureinrichtungen oder an die kulinarische Vielfalt in Hamburg. Ohne sie äßen wir wahrscheinlich immer noch dauernd Labskaus mit roter Bete und Spiegelei zu Mittag. Labskaus ist ein Hamburger Gericht, es schmeckt prima, nur nicht jeden Tag. Sie sollten es aber  unbedingt einmal probieren.

Denn eine Einbürgerung setzt eine gewisse Neugierde und auch Offenheit für die hiesigen Besonderheiten voraus. Wobei Labskaus, da verrate ich kein Geheimnis, auch unter alteingesessenen Hamburgern nicht jedermanns Sache ist. Falls es Ihnen also nicht schmecken sollte – machen Sie sich nichts draus. Aber vielleicht werden Sie ja auch ein echter Fan.

Wer sich in Deutschland einbürgern lässt, sollte sich jedenfalls ein wenig auskennen mit seiner neuen Heimat. Das bedeutet nicht, die eigenen Gewohnheiten aufzugeben und sich vollständig anzupassen. Als Hafenstadt hat Hamburg eine lange Tradition der Vielfalt und Toleranz und  genug Platz für die unterschiedlichsten Geschmäcker, Gewohnheiten und Sitten. Und ich darf mit gutem Recht behaupten, dass das Zusammenleben bei uns klappt. 94 Prozent aller Hamburger begrüßen es laut einer Umfrage, dass Menschen verschiedenster Herkunft in ihren Stadtteilen leben. Das ist ein beeindruckender Wert.

Doch Vielfalt und Toleranz bedeuten nicht, dass man die deutsche Staatsbürgerschaft beliebig an- und ausziehen kann wie ein Kleidungsstück. Die Staatsbürgerschaft ist im Kern ein Wertevertrag, auf den wir uns als Deutsche geeinigt haben und festlegen. Er hat nichts mit der persönlichen Religionsausübung, einem Kleidungsstil oder bestimmten Ernährungsgewohnheiten zu tun. Es geht vielmehr um die innere Zustimmung, dass Demokratie, Religions- und Meinungsfreiheit sowie Toleranz gegenüber Minderheiten gemeinsame Werte sind, die es zu achten und zu verteidigen gilt. Das eint uns Deutsche.

Alle Deutschen, egal woher sie kommen, müssen sich zu den Werten in unserem Grundgesetz bekennen. Das Grundgesetz der Bundesrepublik ist der Gegenentwurf zu dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat, der bis zur Befreiung durch die Alliierten im Mai 1945 Krieg und schlimmste Not über große Teile der Welt brachte. Deutsch zu sein, heißt auch, Bescheid zu wissen über diesen Teil unserer Geschichte und über die Lehren, welche wir in Deutschland daraus gezogen haben.

Ich empfinde es als eine der tröstlichsten Entwicklungen unserer neueren Geschichte, dass sich Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Einwanderungsland entwickelt hat und dass durch Krieg und Verfolgung in Not geratene Menschen ein Recht auf Asyl haben und bei uns  ein sicheres Zuhause finden können. Viele Hamburgerinnen und Hamburger helfen mit, dass Flüchtlinge Deutsch lernen, eine Wohnung und  Arbeit finden. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele Menschen in unserer Stadt sich für andere einsetzen. Ich kenne hier lebende Syrer, die bei der Integration von Landsleuten helfen; es gibt Initiativen, die sich um Asyl für politisch Verfolgte bemühen, und Bürgerinitiativen, die mit Spenden die Not dort ein wenig zu lindern versuchen, wo immer es gerade nötig ist.

Gerade in diesen unruhigen Zeiten kommt es auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger an.  Deshalb möchte ich Sie ermutigen, sich mit Ihrer Erfahrung, Ihren Ideen und Ihrer Energie einzubringen – in der Nachbarschaft, in der Schule, bei der Arbeit, im Verein. Mit der deutschen Staatsbürgerschaft stehen Ihnen nun auch die Türen der Politik offen, denn Sie dürfen nun nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden. In der Bürgerschaft, dem Parlament der Hansestadt Hamburg, sitzen ebenfalls Bürger, die ihre Wurzeln in anderen Ländern haben, zum Beispiel dem Iran oder der Türkei.

Deutschland ist ein schönes und offenes Land, in dem Sie sich sicher wohl fühlen werden. Ich freue mich sehr, dass Sie sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entschieden haben, und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Herzlichen Glückwunsch zur Einbürgerung!

Und vielen Dank.

Themenübersicht auf hamburg.de

Empfehlungen