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15. Juni 2017 489. Harburger Vogelschießen

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

489. Harburger Vogelschießen

Sehr geehrter Herr Gildekönig,
sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrte Mitglieder der Harburger Schützengilde,
sehr geehrte Schützen,
meine Damen und Herren,

zum 489. Mal findet in diesem Jahr das Harburger Vogelschießen statt. Und nur elf Jahre fehlen noch, dann können Sie 500 Jahre Harburger Schützengilde feiern. Ein halbes Jahrtausend – das klingt nicht nur beeindruckend, das ist es auch. Denn derartig lange hält sich eine Tradition nur, wenn ihre Hüter das Bewahrenswerte vom Überholten zu trennen wissen, wenn sie sich wertebewusst und reformfähig zeigen.

Von dieser Balance versteht die Gilde offenbar etwas. Beim Harburger Vogelschießen wird nur der Beste König, und zwar König für ein Jahr – Demokratie statt Monarchie, Gewaltenteilung laut Vereinssatzung inklusive. Das Schießen dient auch nicht mehr der militärischen, sondern der sportlichen Übung, geschossen wird mit einem Kleinkalibergewehr statt mit einer Armbrust und kein Tier kommt zu Schaden, denn gezielt wird nur noch auf einen Vogel aus Holz, hergestellt von Harburger Handwerkern.

Das nenne ich zivilisatorischen Fortschritt! Wozu auch gehört, dass die Gilde sich nicht nur dem eigenen, sondern dem Fortschritt Harburgs und aller seiner Bürgerinnen und Bürger verpflichtet fühlt. Deshalb ist die Schützengilde aus Harburg nach fast 500 Jahren nicht wegzudenken.

Harburg blüht auf, es ist lebenswert und im besten Sinne modern. Grün, in seiner Mitte ein herrlicher See, der als Teich ganz unzureichend bezeichnet ist; mit einer guten Infrastruktur, einem spannenden neuen Viertel am Binnenhafen, einer herausragenden Kunstsammlung, einer bedeutenden Universität, einer exzellenten Verkehrsanbindung. All das zieht Gewerbe, Unternehmen, Startups und andere Innovationsfreudige genauso an wie neue Einwohner.

Harburg wächst. Fast jeder fünfte Neuhamburger – genau genommen: 18,34 Prozent aller Hinzugezogenen – hat sich 2015 für Harburg als Wohnort entschieden. Kein Hamburger Stadtteil hat so viel Zuzug wie Harburg, was Sie, die Harburgerinnen und Harburger, gerne als Kompliment betrachten dürfen.

Der Sprung über die Elbe – er ist längst kein Weitsprung mehr. Und daran hat die Schützengilde als Mittler und Motor für Wirtschaft, Innovation, Kultur und Stadtentwicklung in Harburg gewiss ihren Anteil.

Harburg ist heute in vielem Vorreiter und Vorbild. Im Harburger Binnenhafen, dem zweitgrößten Stadtentwicklungsprojekt Hamburgs, wird beispielhaft vorgeführt, wie man Arbeit, Wohnen und Freizeit an einem Ort zusammenführt. Auch  weitere Schulen, Kitas, Einkaufsmöglichkeiten und Kultureinrichtungen sollen noch hinzukommen. In Harburg entsteht in bester Lage am Wasser ein neues urbanes Viertel mit hoher Lebensqualität.

Längst sind Schlossinsel, Kaufhauskanal und weite Bereiche des Harburger Binnenhafens zu einem neuen Mekka für Architekturinteressierte geworden. Denkmalgeschützte Backsteinbauten, in denen einmal Waren gelagert oder Industrieprodukte gefertigt wurden, sind saniert und geben Harburg und seinem Hafen neben modernen Neubauten das Gesicht des 21. Jahrhunderts. Noch in diesem Jahr geht es mit dem Bau des Hamburg Innovation Port los, unter anderem nach den Entwürfen des Hamburgers Hadi Teherani. Wo vor noch gar nicht langer Zeit brache Industrieflächen an halb verwaiste Hafenbecken grenzten, entsteht auch international  beachtete Architektur und ein bedeutendes europäisches Innovationszentrum.

Mit dem Hamburg Innovation Port entwickelt sich im direkten Umfeld des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, der Fraunhhofer-Gesellschaft und der Technischen Universität ein neuer Standort für Forschung und Entwicklung. Im Harburger Binnenhafen werden Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam forschen, das Erforschte zur Anwendung bringen und schnell zur Marktreife führen. Harburg wird zu einer ersten Adresse für digitale Startups und andere Gründer. Sie alle finden auf den 70.000 Quadratmetern, die der Hamburg Innovation Port für Büros, Labore, Institute, Kongresse und Gastronomie bieten wird, Platz und interessante Nachbarn, mit denen sich der Austausch lohnt. 

Harburg steht heute für einen anhaltenden Strukturwandel, der 1978 mit der Gründung der Technischen Universität begann. Mit ihren anwendungsorientierten, international ausgerichteten Studiengängen und dem modernen Campus hat die Technische Universität heute mehr als 7.600 Studierende. Aufgrund der guten Verkehrsanbindung und der vorhandenen Flächen siedeln sich auch Logistikunternehmen und Industrie an. Das Projekt Neuland 23 an der Autobahn A1 zeigt beispielhaft, wie sich ein neues Industriegebiet in Nachbarschaft zu Landschaft und Natur entwickeln lässt. Neuland 23 soll ein ökologisches Modellquartier mit ressourcenschonenden Bauweisen und Energiekonzepten werden. Ein großes deutsches Logistikzentrum befindet sich in Neuland bereits im Bau und wird weitere Arbeitsplätze im Bezirk schaffen.

Arbeitsplätze sind das A und O – Arbeitsplätze, die den Anforderungen der Zukunft und den Bedürfnissen der ganz unterschiedlichen Harburgerinnen und Harburger gerecht werden. Und neben den Arbeitsplätzen schaffen wir, wie überall in Hamburg, weiteren Wohnraum. Zwischen 2015 und 2019 entstehen in Harburg fast 6.000 neue Wohneinheiten. Die Namen der großen Bauprojekte in Neugraben-Fischbek – Vogelkamp Neugraben, Fischbeker Heidbrook auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger-Kaserne und Fischbeker Reethen – sind in ganz Hamburg und seinem Umland bekannt und werden  zukünftige wie alteingesessene Harburger anziehen.

Wohnungsbau ist – neben der Bildung – ein Schlüssel, damit alle vom Aufschwung profitieren. In Harburg soll der Aufschwung nicht zu steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten führen, sondern zu einer besseren Lebensqualität für alle Harburgerinnen und Harburger. Deshalb werden nicht nur Wohnungen gebaut, sondern auch neue Kitas und Schulen eröffnet und zusätzliche Buslinien eingerichtet.

Zu meinen ersten Entscheidungen als Bürgermeister gehörte, dass die U4 bis zu den Elbbrücken verlängert wird und der Hamburger Süden eine direkte Verbindung in die Hafencity erhält. Die neue U-Bahn-Station wird übrigens eine große Aussichtsplattform erhalten und zu den schönsten der Stadt gehören. Auch durch den mehrspurigen Ausbau der Autobahn A7 und den schrittweisen Bau der A26 werden die Harburger noch besser angeschlossen und gleichzeitig vom Verkehr entlastet. Die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße und die damit einhergehende Modernisierung des Schienenverkehrs werden ebenfalls spürbare Verbesserungen für den südlichen Nachbarn bringen.

Harburg ist vielseitig. In Harburg leben Menschen aus fast allen Teilen der Welt neben solchen, die seit Generationen hier ansässig sind. Diese Vielfalt wollen wir erhalten und das Miteinander stärken, zum Beispiel durch neue Freizeitmöglichkeiten, öffentliche Grünflächen und Sportangebote wie die neue Trimmstation im Harburger Stadtpark und den Laufparcours am Außenmühlenteich.

Meine Damen und Herren,

in Umbruchszeiten ist es eine wichtige Aufgabe,  jeden auf dem neuen Weg mitzunehmen. Das ist nicht immer leicht und gelingt selten von selbst. Neben einer entsprechenden Politik bedarf es auch engagierter und erfahrener Unterstützer. Wie diese auf beiden Seiten der Elbe ab dem Herbst 2014 den Geflüchteten geholfen haben, das beeindruckt mich bis heute.

Seit November jenes Jahres fanden Flüchtlinge auch auf dem Schwarzenberg, wo die Schützengilde traditionell gefeiert hat, eine Unterkunft. Seit April 2017 wird diese nun wieder abgebaut. Ich bedanke mich sehr für das Verständnis der Schützengilde und für ihre Unterstützung der Flüchtlinge. Die neuen Bänke beim Kaiserbrunnen (Harburger Wunsch) mögen nun weiterhin zu einem freundlichen Miteinander auf dem Schwarzenbergplatz beitragen.

Aber bevor die Bänke eingeweiht werden, feiern wir erst noch einmal auf dem Platz vor dem Rathaus. Ich wünsche Ihnen allen ein tolles Fest, sichere Treffer beim 489. Vogelschießen und eine vergnügliche Zeit.

Vielen Dank.

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