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22. Juni 2017 Grundsteinlegung „Because I Am A Girl“-Haus von Plan

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Grundsteinlegung „Because I Am A Girl“-Haus von Plan

Sehr geehrter Herr Dr. Bauch,
sehr geehrte Frau Berger,
sehr geehrte Damen und Herren,

wenn wir als Erwachsene über Kinderrechte sprechen, klingt das meist wie ein Appell. Denn Kinder und Jugendliche bedürfen eines besonderen Schutzes und es ist an uns, hierfür den Rahmen zu schaffen und ihn zu garantieren. Mit der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen hat die Weltgemeinschaft sich 1989 auf Maßstäbe verpflichtet, die sie nun einhalten muss. Doch die Wirklichkeit hinkt, wie so oft, den Maßstäben hinterher.

Wenn Erwachsene über Kinderrechte sprechen, klingt das auch häufig recht abstrakt. Wenn Kinder über Kinderrechte reden, spürt man hingegen eines sofort: Sie werden selbstbewusster und stärker. Kinder erfassen ganz unmittelbar, was ihr Recht ist. Sie erfassen es insbesondere dann, wenn es ihnen fehlt.

In vielen Ländern der Welt sind es vor allem Mädchen, die ihre Rechte nicht wahrnehmen können, weil sie Mädchen sind: ihre Rechte auf Bildung, auf Gesundheit, auf Schutz vor Ausbeutung, vor Missbrauch und Gewalt. Allzu oft sind sie durch Armut und Traditionsdruck ihrer Entfaltungsmöglichkeiten beraubt.

Damit sich Mädchen und junge Frauen aus sich heraus stark fühlen, müssen sie um ihre Rechte wissen – das ist der Grundgedanke der Kampagne „Because I Am A Girl“ - und wir wissen heute: Er funktioniert!

Plan International hat diese Kampagne im Jahr 2003 ins Leben gerufen, nicht um zu belehren, sondern um junge Mädchen und Frauen in die Lage zu versetzen, ihre Rechte wahrzunehmen. Unterstützt durch Partner aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, kann es ihnen gelingen, ihr Leben – und damit häufig auch das ihrer Familien und Gemeinden – zum Besseren zu wenden.

Das Leben zum Besseren wenden, das bedeutet konkret: Mädchen und junge Frauen werden mit  Respekt und gleichberechtigt behandelt. Gewalt, auch wenn sie sich in Traditionen verbirgt, wird nicht mehr toleriert und die existierenden Regeln gegen Diskriminierung werden konsequent umgesetzt. Mädchen haben dann plötzlich eine Stimme und können sich an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Die Idee der Selbstbefähigung kann eine große Kraft entfalten. In den vergangenen Jahren ist aus der Kampagne eine regelrechte Bewegung entstanden – und diese Bewegung hat  ehrgeizige Ziele: Bis 2030 sollen 100 Millionen Mädchen und junge Frauen durch die Kampagne erreicht werden. Jede von ihnen kann zur Multiplikatorin werden und damit zur Botschafterin einer besseren Zukunft.

Die Kampagne „Because I am a girl“ ist zu einer starken Stimme für die Gleichberechtigung geworden. Es ist gut, dass sie jetzt einen festen Ort bekommt. Heute legen wir den Grundstein für das Haus und für die Zukunft dieser erfolgreichen Kampagne. Wer die Pläne für das neue Gebäude gesehen hat, erkennt sofort: Die Dynamik und der Schwung von „Because I am A Girl“ inspirierte offenbar auch die Architekten.

Auch politisch hat es die Idee ziemlich weit geschafft – auf die Agenda der G20. Plan International hat erfolgreich darauf hingewirkt, dass die Regierungen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer es als politische Priorität betrachten, Mädchen und Frauen weltweit zu stärken.

Damit allein wird zwar noch nicht alles gut, aber es ist ein großer Schritt in die Richtung einer nachhaltigen und gerechteren Entwicklung unserer globalen Gesellschaft.

Meine Damen und Herren,

ich freue mich und finde es auch passend, dass die Bewegung „Because I Am A Girl“ in Hamburg eine Heimat hat.

Allen, die sich engagieren, damit Kinder und vor allem Mädchen und junge Frauen sich stark fühlen und ihr Leben in die Hand nehmen können, möchte ich herzlich danken und sagen: Sie können sich weiterhin auf Hamburg verlassen.

Vielen Dank.

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