Symbol

23. Juni 2017 115. Sitzung des Ausschusses der Fraunhofer-Gesellschaft

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

115. Sitzung des Ausschusses der Fraunhofer-Gesellschaft

Sehr geehrter Herr Dr. Krafft,
sehr geehrter Herr Prof. Gossner,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

die 115. Sitzung des Ausschusses der Fraunhofer-Gesellschaft in Hamburg – das ist eine Premiere, eine Bestätigung und ein Vorbote. Eine Premiere, weil es das erste Mal ist, dass der Ausschuss in der Hansestadt tagt. Eine Bestätigung, weil der Fraunhofer-Standort  Hamburg sich seit unserem Beitritt zur Bund-Länder-Förderung 2015 etabliert und gut entwickelt hat. Und ein Vorbote, weil wir uns dafür einsetzen wollen, dass zur noch jungen Geschichte der Fraunhofer-Gesellschaft in Hamburg noch viele spannende Kapitel hinzukommen.

Es gibt also gleich mehrere Gründe, weshalb die 115. Ausschusssitzung der Fraunhofer-Gesellschaft aus unserer Sicht mehr ist als ein reguläres Arbeitstreffen.

Willkommen im Rathaus! Willkommen an Elbe und Alster! Wir freuen uns, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und Ihre Sitzung, in der ja die strategischen und finanziellen Grundlinien von Fraunhofer gezogen werden, im Kaisersaal des Rathauses abhalten. Dieser „Glanz“ trägt der Bedeutung dieser erfolgreichen Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Fraunhofer in angemessener Weise Rechnung.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Fraunhofer-Gesellschaft ausgesprochen dynamisch entwickelt. Und dass es jetzt weiter vorangehen kann, dafür sind mit der Erhöhung der Grundfinanzierung um 67 Millionen Euro erfolgreich die Weichen gestellt.

Wir hier in Hamburg haben die feste Absicht, die Aktivitäten der Fraunhofer-Gesellschaft im Verbund weiter auszubauen und zu fördern. Die nächste Stufe ist die Integration des Centers für Angewandte Nanotechnologie (CAN) und des Laser Zentrums Nord (LZN) in die Fraunhofer-Gesellschaft. Aus unserer Sicht würde das für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland in zwei zentralen Zukunftstechnologien – Nanowissenschaften und 3D-Druck – einen entscheidenden Schritt nach vorn bedeuten. Wir freuen uns, dass diese Aktivitäten heute auch Gegenstand Ihrer Sitzung sind.

Auch zu den bereits etablierten Aktivitäten gibt es in Hamburg entlang der wirtschaftlichen Schwerpunkte weitere Pläne. Das Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen an der Technischen Universität in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut IML [Institut für Materialfluss und Logistik] in Dortmund soll wachsen und möglichst bald ein eigenständiges Fraunhofer-Institut werden. Im April 2016 hat die Bürgerschaft bereits dem Finanzierungsplan für einen Neubau auf einem stadteigenen Grundstück im Harburger Binnenhafen zugestimmt. Der Baubeginn ist auf 2019 avisiert.

Überlegungen zum Ausbau gibt es für den Screeningport des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Ökologie in Aachen. Bereits beschlossen ist der Neubau einer Halle und die Ansiedlung einer Arbeitsgruppe in Hamburg-Bergedorf in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Windenergieforschung und Systemtechnik (IWES), das bisher schon an Standorten in Bremen, Bremerhaven, Hannover, Oldenburg und Kassel aktiv ist. Bei allen Maßnahmen beteiligt sich die Hansestadt mit wesentlichen Beiträgen an der Finanzierung. Sie sehen – überall passiert etwas.

Hamburg weiß, dass die Zukunftsfähigkeit im 21. Jahrhundert wesentlich von der Kombination exzellenter Grundlagenforschung und schnellem Transfer in innovative Anwendungen abhängt. Damit aber Forschungsergebnisse zu neuen Produkten führen können und die Produkte dann auch zur Marktreife gelangen, ist die Fraunhofer Gesellschaft – die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa – ein ausgezeichneter Partner, weshalb wir alles dafür tun, damit Fraunhofer in Hamburg die bestmöglichen Bedingungen vorfindet.

Hamburg hat seit 2011 in der Wissenschaftspolitik eine Wende vollzogen und holt nun immer mehr auf. Wir arbeiten konzentriert daran, dass der Name Hamburg in Zukunft für eine der bedeutenden europäischen Wissenschaftsmetropolen des 21. Jahrhunderts stehen wird. Das wollen wir gemeinsam mit Fraunhofer, dem Bund und den Ländern für Deutschland und Europa erreichen. Dabei nutzen wir in Hamburg einerseits die Vorteile, die die lange Tradition als Hafen- und Handelsstadt mit sich bringt – Stichwort maritime Logistik. Gleichzeitig etablieren wir neue Forschungsbereiche wie in den Lebenswissenschaften und – das hat sich inzwischen wohl überall herumgesprochen – die Strukturforschung, also der „Blick“ in die Struktur der kleinsten Teilchen, um Innovationen in der Medizin oder in der Materialforschung zu ermöglichen.

Wenn Sie einen Eindruck bekommen wollen von der Dynamik, mit der sich die Wissenschaft in Hamburg entwickelt, dann geht das sicher nirgendwo besser als am Campus Bahrenfeld mit dem DESY, der Universität Hamburg und vielen anderen namhaften Forschungseinrichtungen. Am 9. Juni haben wir dort die Grundsteinlegung für den Neubau des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie gefeiert. Kommende Woche, am 29. Juni, wird das Centre for Structural Systems Biology (CSSB) eröffnet, in enger Zusammenarbeit mit dem Bund, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Hier wird es zum Beispiel möglich sein, die Reaktion zwischen Körperzellen und Erregern in Echtzeit zu beobachten. Die Erwartungen der Infektionsforscher sind hoch – unsere natürlich auch.

Mitte Juli folgt dann an gleicher Stelle die Eröffnung des Center for Hybrid Nanostructures (kurz: CHyN) der Universität Hamburg, wo es um die Erforschung von Strukturen auf der Nanometerskala gehen wird. Dieses Projekt steht beispielhaft für die Kooperation der Universität mit dem DESY und den übrigen Einrichtungen auf dem Campus und ist ein weiterer maßgeblicher Schritt, die MIN-Fakultät nach Bahrenfeld hin auszurichten und den Campus dort zu vergrößern.

Und doch könnte einem das Ganze beinahe wie eine Ouvertüre vorkommen. Denn im September folgt ein weiteres Highlight, wenn der weltgrößte Röntgenlaser, der European XFEL, seinen offiziellen Betrieb aufnehmen wird. Der XFEL lässt die existierenden Anlagen dieser Art in der Welt weit hinter sich und bietet der internationalen Spitzenforschung neue, einmalige Möglichkeiten.  Wie viele andere zukunftsweisende Projekte ist auch der European XFEL ein Gemeinschaftsprojekt: Am Bau und Betrieb beteiligen sich Deutschland, Russland und neun weitere europäische Länder. Wie wichtig ein geeintes Europa für die Forschung ist, nicht nur in Hamburg, das kann man gar nicht oft genug erwähnen.

Wir meinen es ernst mit der Wissenschaft in Hamburg und freuen uns darüber, dass die Fraunhofer-Gesellschaft ein starker Partner dieser Entwicklung sein will und sein wird. Wir sind dankbar dafür, dass Sie, die Vertreter von Bund und Ländern, uns dabei begleiten.

Aber nun, meine Damen und Herren,

werde ich Sie arbeiten lassen. Und falls Sie noch ein wenig Zeit haben sollten und gestern Abend noch nicht auf der Plaza der Elbphilharmonie waren – Sie wissen, was ich dann empfehle. Nicht nur wegen des atemberaubenden Blicks, sondern weil man nirgendwo sonst in Hamburg die Stadtentwicklung der letzten 120 Jahre so gut nachvollziehen kann wie dort.

Ich wünsche dem Ausschuss der Fraunhofer-Gesellschaft eine gute und erfolgreiche Zeit in Hamburg!

Vielen Dank.

Empfehlungen