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28. Juni 2017 Eröffnung Hanse-Akademie

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Eröffnung Hanse-Akademie

Sehr geehrter Herr Wiedemann,
sehr verehrte Gäste,

wir haben viel vor in Hamburg. Dafür brauchen wir exzellente Führungskräfte. Und die haben wir! Aber die Anforderungen verändern sich, viele neue Aufgaben kommen hinzu. Wie komplex die heutigen Profile für unsere Führungskräfte sind, kann man in unseren Stellenausschreibungen nachlesen:

  • Führungskräfte sollen fair, loyal, wertschätzend, empathisch und integer sein.
  • Zugleich auch durchsetzungsstark, entschlossen, selbstbewusst und glaubwürdig.
  • Natürlich verantwortungsbewusst, belastbar, stressresistent und diszipliniert.
  • Gleichzeitig visionär, agil, kreativ, kommunikativ.
  • Sie können analysieren und wissen, wie man Probleme löst.
  • Sie haben herausragende Organisations- und Managementfähigkeiten und bitte auch Freude an der wachsenden Komplexität.
  • Führungskräfte entwickeln ihre Mitarbeiter und bringen sie voran.
  • Und, wenn irgend möglich, haben sie auch noch Sinn für Humor.

Das sind hohe Erwartungen. Vor denen muss sich aber niemand fürchten, denn wir sorgen durch gute Aus- und Weiterbildung dafür, dass unsere Führungskräfte und unser Nachwuchs den Erwartungen gerecht werden können. Es gibt klare Kriterien für gutes Führen. Und gutes Führen kann man lernen – jetzt auch in der neuen Hanse-Akademie.

Dass Hamburg hervorragend qualifizierte Führungskräfte hat, erkennt man zum Beispiel daran, dass die Verwaltungen eine moderne IT-Architektur und gut strukturierte Prozessabläufe haben – was nicht von Nichts kommt. Dass wir ein Stadtstaat mit kurzen Wegen und einer urbanen, innovationsfreudigen Kultur sind, erleichtert sicher das ein oder andere. Aber wir betreiben die Führungskräfteentwicklung der Hamburger Verwaltung eben auch seit vielen Jahren und sogar Jahrzehnten auf eine sehr professionelle Weise.

Ein schönes Beispiel ist der sogenannte „Gabeltest“, der im Rathaus stattfindet und mit dem wir unsere Führungskräfte im höheren allgemeinen Verwaltungsdienst auswählen: Das effektive Verfahren wurde Anfang der 50er Jahre unter Max Brauer entwickelt und hatte schon damals fast alle Attribute eines modernen Assessment Centers.  

Wie jede große Organisation kann die Stadt Hamburg ihre Ziele und Ideen nur dann erfolgreich verwirklichen, wenn die Führungskräfte diese mit Engagement unterstützen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitziehen können. Das aber lernt man nicht nur einmal und dann kann man es für alle Zeiten: Damit muss man sich immer wieder auseinandersetzen. Führungskräfte sind immer auch Lernende, das ist ganz wichtig für das Selbstverständnis.

Deshalb möchte ich für die neue Hanse-Akademie in zwei Richtungen werben: Ich wünsche mir, dass die Führungskräfte von heute die neuen Möglichkeiten nutzen und dass sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür gewinnen, an der Hanse-Akademie Führungskompetenzen zu erwerben. Überzeugen Sie auch die jungen Frauen davon, sich etwas stärker zu exponieren, besonders die mit Kindern, die sich immer noch zu selten trauen, neben der Familienverantwortung auch noch Mitarbeiterverantwortung zu übernehmen. Das müssen wir noch besser hinkriegen.

Führungskompetenz fällt niemandem in den Schoß. Deshalb ist es gut, dass es nun ein weiteres Fortbildungsangebot gibt. An der Hanse-Akademie können unsere Führungskräfte  vorhandene Kompetenzen ausbauen und moderne, auf die zukünftigen Aufgaben zugeschnittene Methoden erlernen. Es ist auch wichtig, dass die Hanse-Akademie dem potentiellen Nachwuchs an Führungskräften die Schwellenangst nimmt und dass sie überzeugend vermittelt, dass es sich lohnt, Verantwortung zu übernehmen.

  • Da ist der Wohnungsbau. Nur wenn wir genug attraktiven und bezahlbaren Wohnraum schaffen, wird Hamburg eine Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger bleiben. Es ist unser Ziel, dass man auch in den begehrten Innenstadtlagen weiterhin alle Bevölkerungsgruppen trifft. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Wohlstandssicherung. Denn junge und innovationsfreudige Fachkräfte gehen dorthin, wo sie mit ihrer Familie gut leben können – und ohne Fachkräfte keine Innovationen und kein Wachstum.
  • Zum Wohnungsbau gehört bei uns die Stadtentwicklung: Wir schaffen neue, familienfreundliche Quartiere, in denen Arbeit und Wohnen wieder zusammenfinden. Überall rückt Hamburg ans Wasser heran, entlang der Elbe und der Bille entstehen neue Viertel. Wir bauen Schulen und Kindergärten, neue U- und S-Bahnen und stellen die Weichen für die smarte Mobilität von morgen.
  • Digitalisierung und E-Mobilität eröffnen in der Stadt neue Möglichkeiten – aber wir brauchen Führungskräfte, die vorangehen und innovationsfreudige Teams bilden.
  • Auch bei der Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern brauchen wir weiterhin Ihre Expertise.
  • Und natürlich erfordert die Ausrichtung eines Großereignisses wie der G20-Gipfel Kompetenz und  Einsatz. Das müssen wir aber können, wenn wir Weltstadt sein wollen.

Die Liste ließe sich verlängern, aber auch so zeigt sie: Wir brauchen eine effektive Verwaltung, die langfristige Strategien entwickelt und diese im operativen Geschäft nicht aus dem Blick verliert.  Dafür gibt die Hanse-Akademie unseren Führungskräften auf allen Ebenen Management-Instrumentarien in die Hand.

Ich habe eben das Stichwort Smart City genannt. Schon heute können in Hamburg Busse mit Ampeln kommunizieren oder die Weichen der Hafenbahn melden über Sensoren eigenständig, wenn sie geschmiert werden müssen. Hamburg ist bei der Digitalisierung der Mobilität die modernste deutsche Stadt – dies wurde uns gerade in einer aktuellen Studie bestätigt. Trotzdem ist es so, dass wir erst am Anfang der Entwicklung stehen.

Sie alle kennen vermutlich die Strategie „Digital First“ des Senats. Wir wollen, dass die Verwaltung schon bald vorwiegend digital mit den Bürgerinnen und Bürgern kommuniziert. Die Bearbeitung von Vorgängen und die Übermittlung der Entscheidung erfolgen dann weitgehend automatisiert. Das verändert die Arbeitsabläufe und Anforderungen in den Verwaltungen; auch die Bürger müssen sich umstellen. Wissenschaftler sagen, dass in Deutschland etwa 42 Prozent der Beschäftigten in Berufen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit der Automatisierung arbeiten.

Die Automatisierung wird in besonderem Maß  Tätigkeiten in den öffentlichen Verwaltungen betreffen. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen sich umstellen und fortbilden. Da sind die Führungskräfte gefragt. Sie müssen den digitalen Wandel in den Verwaltungen organisieren und dafür sorgen, dass wir gute digitale Lösungen bekommen. Es ist wichtig, dass wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Veränderungsprozess mitnehmen. 

Zu den Führungsaufgaben gehört es auch, junge Talente und Fachkräfte für den Arbeitgeber „Freie und Hansestadt Hamburg“ zu begeistern und moderne, attraktive Arbeitsplätze einzurichten. Im Verwaltungsteam von morgen werden mehrere Kulturen und Generationen zusammenarbeiten. Viele Frauen wie Männer werden neben der Berufstätigkeit Familienarbeit leisten und ihren Arbeitsalltag entsprechend organisieren.

Arbeit findet an unterschiedlichen Orten und Zeiten statt. Das alles will genauso organisiert sein wie die technische Umrüstung der Arbeitsplätze. Volltextsuche im Hamburg-eigenen Netz, Spracherkennungs- und elektronische Bestellsysteme – all das müssen die Führungskräfte einführen und dabei zeigen, dass der Wandel handhabbar ist und Vorteile bringt. Es gehört zu den wichtigen Aufgaben, eine positive Haltung zum Wandel vorzuleben.

Die Hanse-Akademie wird  unsere Führungskräfte so qualifizieren, dass sie den Wandel professionell gestalten können. Und eines ist dabei klar: Langweiliger wird eine Tätigkeit im Öffentlichen Dienst ganz gewiss nicht werden.

Meine Damen und Herren,

eine moderne, offene Stadtgesellschaft braucht einen klugen Staat mit effektiven, flexiblen Strukturen und hoher fachlicher Kompetenz. Deshalb ist aus dem Staatsapparat, wie es früher einmal hieß, in Hamburg eine moderne, leistungsfähige Organisation geworden, die den Unternehmen der Privatwirtschaft an Kompetenz und Effektivität in nichts nachsteht – und in manchem sind wir sogar Vorbild. Es macht auch einen Unterschied, dass die öffentlichen Unternehmen und Verwaltungen im Gegensatz zur Privatwirtschaft für das Gemeinwohl arbeiten. Das ist eine erfüllende und sinnstiftende Aufgabe.

Es ist eine ehrenwerte Entscheidung, als führender Beamter oder als führende Beamtin für die Stadt Hamburg zu arbeiten. Sie verdient Respekt und Anerkennung und ich wünsche mir, dass unsere  Führungskräfte ihre Aufgaben mit einem entsprechenden Selbstbewusstsein angehen. Wer zum Beispiel auf Augenhöhe mit Geschäftsführern und Vorstandsvorsitzenden großer Unternehmen verhandelt – und zwar gut verhandelt –, der hat  allen Anlass, selbstbewusst zu sein und er braucht auch ein entsprechendes Auftreten. Nur so kann er oder sie für Hamburg gute Ergebnisse erzielen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Position eines Senatsdirektors in Bezug auf die zu erwartende Kompetenz und die zu tragende Verantwortung dem Vorstand einer Bank oder eines anderen Unternehmens entspricht. Daran müssen sich auch die Fortbildungsangebote für unsere Führungskräfte messen lassen.

Die Hanse-Akademie hat mit dem vorliegenden Katalog einen hervorragenden Start hingelegt. Ich lege Ihnen die Modulreihen und die Einzelangebote wirklich ans Herz. Und das alles ist ja erst der Anfang. Die Hanse-Akademie wird ihre Angebote in den kommenden Jahren hoffentlich  noch ausbauen und weitere Themen, wie zum Beispiel den Austausch mit der Privatwirtschaft, ins Programm aufnehmen. Auch E-Learning und Online-Kurse für Führungskräfte werden in Zukunft sicher noch an Bedeutung gewinnen.   

Aber jetzt wünsche ich der Hanse-Akademie erst einmal einen guten Start und viele zufriedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Viel Erfolg und besten Dank!

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