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4. Juli 2017 Verabschiedung des Intendanten des Ohnsorg-Theaters Christian Seeler

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Verabschiedung des Intendanten des Ohnsorg-Theaters Christian Seeler

Sehr geehrter Herr Seeler,
liebe Familie Seeler,
sehr geehrter Herr Nissen,
sehr geehrter Herr Dr. Breitzke,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrter Herr Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Mitglieder der Parlamente,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Es ist schön, hier zu sein. Hier spielt das Leben. Und das Leben spricht Platt.

Rein und raus geht es auf der Bühne, Verwechslungen sind an der Tagesordnung und alles getragen von großer Warmherzigkeit.

Aber, während auf der Bühne so manche Missverständnisse aufgeklärt werden müssen, ist das Ohnsorg Theater selbst ein Haus der Klarheit und der Kontinuität.

Kaum einer steht für diese typischen Ohnsorg‘schen Charakterstärken so sehr, wie der langjährige Intendant des Theaters, Christian Seeler.

Als Schauspieler kommt er 1982 ans Ohnsorg-Theater. Schnell wird sein umfassendes Talent entdeckt. Von 1984 bis 1992 ist er kaufmännischer Direktor und vier Jahre später, 1996,  wird er als Intendant berufen.

Christian Seeler ist zu dem Zeitpunkt 36 Jahre alt. Er übernimmt ein Haus, das etwas aus der Balance geraten ist. Mit ihm kehrt die hanseatische Gelassenheit zurück, die Stars des Ohnsorg-Theater bleiben und selbst Heidi Kabel, sieht man wieder häufig auf der Bühne.

2011 zieht Christian Seeler mit dem Haus von den Großen Bleichen ins Bieberhaus. Zur Eröffnung gibt es eine Weltpremiere: die Plattdeutsche Version des „Sommernachtstraums“ von Shakespeare. Wieder so ein großes Wagnis, wie schon 2006 die plattdeutsche Bearbeitung von Wagners Oper "Der fliegende Holländer". Und es gelingt: Die Inszenierung von Michael Bogdanov wird eine fulminante Eröffnungspremiere, mit tollen Schauspielern.

Mutig und modern geht es weiter. Seeler macht die zusätzliche Theaterbühne im neuen Haus zu einer jungen Bühne. Im Studio wird die Sprache selbst zum Thema: die Kommunikation zwischen Hochdeutsch und Platt. Die Oma spricht Platt, der Enkel nicht. Der Tod spricht Hochdeutsch, die Ente Platt. Es geht um kleine Missverständnisse und große Gefühle. Moderne Geschichten, die ein neues Publikum für das Theater und die Sprache gewinnen. 

Auch Seelers Idee, den Kinoerfolg  "Soul Kitchen“ als plattdeutsches Stück auf die Bühne zu bringen, ist ein Erfolg. Das Ohnsorg-Theater der Seeler-Ära zeigt das ganze Repertoire der plattdeutschen Theaterkunst: Komödien und Klassiker, Volkstheater und Dramen. Es begeistert Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern.

Lieber Herr Seeler, Ihnen und dem Team des Ohnsorg-Theaters ist das Kunststück gelungen, die alte Sprache für neue Generationen zu öffnen.

Heute gehört Plattdeutsch zum Hamburger Bildungskanon, unsere Stadt hat auch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen unterzeichnet, in der Niederdeutsch als Sprache offiziell anerkannt ist. Und rund 600 Mal im Jahr zeigt das Ohnsorg-Theater: Platt ist theaterfähig. 

Mehr als zwanzig Jahre war Christian Seeler Intendant, das ist auch in der über 100-jährigen Geschichte des Ohnsorg-Theaters eine sehr lange Zeit. 

Unter Ihrer Leitung, lieber Herr Seeler, hat sich das Ohnsorg-Theater zu einem hoch anerkannten Haus entwickelt. Viele Ehrungen erreichten das Theater am Heidi-Kabel-Platz 1. Sie haben das Ohnsorg-Theater nach vorne gebracht, es ist eine international renommierte Volksbühne.

Der  NDR hat mal ausgerechnet, dass mit den Aufführungen in Hamburg, den Gastspielen und den Fernsehübertragungen zusammen jedes Jahr etwa 50 Millionen Zuschauer erreicht werden. Das Ohnsorg-Theater hat heute Kult-Status.

Und das nicht nur in Norddeutschland: Christian Seeler hat Tourneen bis in den Süden des Landes organisiert und auch Gastspiele in andere Kontinente, zum Beispiel in die USA, nach Japan oder Südafrika.

Meine Damen und Herren, ich vermute, alle, die hier sind, wissen: Christian Seeler ist ein Kommunikations-Genie.

Vielleicht ist das ein Geschenk der Familie. Und es passt auch hervorragend zu seiner Profession, als Kaufmann, Theaterwissenschaftler und Schauspieler. „Ein total netter und absolut charmanter Typ“, das ist das, was man überall über ihn hören kann.

Er hat seinen Charme und seine Kommunikationsfähigkeit immer zur Moderation genutzt. Hat zwischen konträren Positionen vermittelt und den Konsens gesucht, etwa in den Gesprächen zwischen Senat, Parlamentariern und den anderen Theaterchefs. Christian Seeler ist eine integrative Figur. Dass die Hamburger Privattheater ein gutes Miteinander pflegen, liegt auch an seiner Person.

Nach jeder Premiere steigt Seeler auf einen Stuhl, dankt den Darstellerinnen und Darstellern, den Autorinnen und Autoren und vergisst auch nicht die, die hinter der Bühne arbeiten. Niemand möchte diese Rede verpassen. Auch das ist Kult.

Heute sind wir die, die Danke sagen und ihm applaudieren. Es war sein Wunsch, diesen Schnitt zu machen. Und man kann diesem Mann eigentlich keinen Wunsch abstreiten.

Lieber Herr Seeler, wir haben noch eine kleine Überraschung vorbereitet. Dafür bitte ich Sie und Senator Carsten Brosda auf die Bühne.

Lieber Herr Seeler,

der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg hat am 30. Mai 2017 beschlossen, Ihnen die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille zu verleihen.

Diese Medaille ist eine Ehrung, die Hamburg seit 1978 in Gedenken an den ehemaligen Hamburger Kultursenator Hans-Harder Biermann Ratjen verleiht. Sie ist Personen vorbehalten, die sich mit ihren künstlerischen und kulturellen Leistungen um Hamburg verdient gemacht haben. Der Senat fand, das trifft 100-prozentig auf Sie zu. Sie sind ein Sohn hanseatischer Kultur.

Mit der Verleihung der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille würdigen wir Ihre Verdienste als langjähriger Intendant des Ohnsorg-Theaters, ihren Einsatz für die Hamburger Privattheater und den Verein Hamburger Theater sowie Ihr Engagement für die niederdeutsche Sprache.

Im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg danke ich Ihnen für Ihre großartige Leistung.

Schönen Dank!

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