Symbol

1. September 2017 Eröffnung XFEL

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Eröffnung XFEL

Sehr geehrter Herr Professor Meedom Nielsen,
sehr geehrter Herr Professor Feidenhans’l,
sehr geehrte Frau Bundesministerin,
sehr geehrte XFEL-Partner,
sehr geehrte Damen und Herren,

heute ist ein Tag der Freude und der Zuversicht. Mit dem European XFEL werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in unbekannte Welten vorstoßen. Die neue Forschungsanlage ermöglicht einen technologischen Sprung, den man historisch betrachtet wahrscheinlich mit der Erfindung des Linsen-Teleskops durch Galilei vergleichen kann. Nur dass sich der Blick diesmal nicht zu den Sternen richtet, sondern ins Innerste der Teilchen und Zellen.   

Der XFEL soll 3-D-Bilder und -Filme sogar live aus einem Kosmos liefern, der für die menschlichen Sinne unvorstellbar klein und doch ganz real ist. Und übrigens auch ausgesprochen sinnlich, wie man kürzlich in der Diele unseres Rathauses sehen konnte: Dort hat das Hamburg Center for Ultrafast Imaging beeindruckend schöne Bilder aus der Mikrowelt gezeigt.     

Der European XFEL ist ein wissenschaftliches Gemeinschaftsprojekt im Geiste der Aufklärung und der internationalen Zusammenarbeit. Tief verankert im Forschungsraum der Europäischen Union und eng verbunden mit Russland, das zusammen mit Deutschland den größten Anteil der Kosten für Bau und Betrieb übernimmt. Das ist ein ermutigendes Zeichen in angespannter Zeit.

Wissenschaft braucht Offenheit und Toleranz. Und sie fördert diese auch. Denn wie ließen sich unsere universellen Werte besser mit Leben füllen als durch die gemeinsame Suche nach Erkenntnis und das Teilen von Wissen?

Der European XFEL sendet nicht nur ultrakurze Lichtblitze aus, er sendet auch klare Signale für Völkerverständigung und Frieden. Das passt gut zu Hamburg. Unsere Hansestadt will „im Geiste des Friedens eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt sein“, heißt es in der Hamburgischen Verfassung, und das nehmen wir sehr ernst.

Wir sind in Hamburg überzeugte Europäer und haben großes Vertrauen in die Zusammenarbeit beim European XFEL. Danke an Schleswig-Holstein und an alle Partnerländer: Dänemark, Frankreich, Italien, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien und Ungarn. Auch über einen Beitritt Großbritanniens würden wir uns freuen.

Der European XFEL ist ein hoffnungsvolles Beispiel für gelebte europäische Integration und für den Erfolg der europäischen Forschungsförderung.  Den Ursprung für die XFEL-Technik aber haben die herausragenden Forscherinnen und Forscher am DESY gelegt. Bereits 1992 wurde dort mit FLASH eine zukunftsweisende Testanlage in Betrieb genommen. Im Jahr 2000 legten DESY-Forscher dann den Vorschlag für einen Teilchenbeschleuniger der nächsten Generation vor. Dafür sollte ein über dreißig Kilometer langer Tunnel von Hamburg-Bahrenfeld aus Richtung Nord-West gebaut werden. Die supraleitende TESLA-Technologie und weitere Erkenntnisse aus diesem Projekt flossen in die Entwicklung des  XFEL und des Internationalen Linearcollider (ILC) ein.

Der European XFEL befindet sich in guter Nachbarschaft. Der Forschungscampus rund um das DESY entwickelt sich zu einem großen internationalen Zentrum für Strukturforschung und Lebenswissenschaften. In diesem Sommer erst haben wir zwei weitere Institute eröffnet (CSSB und CHyN) und den Grundstein für das Max-Planck-Institut für die Struktur und Dynamik der Materie gelegt.

Und unser Wissenschaftsstandort wächst weiter. Hamburg investiert in Wissenschaft und ihre Anwendung. Zusammen mit der Fraunhofer Gesellschaft und über eigene Innovationsparks bauen wir eine stabile Brücke zwischen der Grundlagenforschung und der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen.

Viele internationale Forscherteams warten jetzt sehnlichst darauf, mit ihren Experimenten am European XFEL zu starten. Wie können wir in Zukunft Energie gewinnen, ohne die Natur weiter zu belasten? Wie lassen sich Eiweiße besser verstehen, um Alzheimer oder Parkinson besser zu behandeln? Was geschieht unter den  Extremzuständen im Inneren von Planeten?

Der European XFEL wird dazu beitragen, Antworten auf Menschheitsfragen zu finden und das Leben auf unserem Planeten besser zu machen – besser nicht nur für einige wenige, sondern für alle Menschen. Das muss das Ziel sein, das uns leitet. Und diesem Ziel haben wir uns in Hamburg verschrieben.

Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft.

Empfehlungen