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1. September 2017 Senatsempfang zu 60 Jahren Städtepartnerschaft St. Petersburg

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Senatsempfang zu 60 Jahren Städtepartnerschaft St. Petersburg

Sehr geehrter Herr Gouverneur Poltawtschenko
sehr geehrter Herr Botschafter Grinin,
sehr geehrter Herr Generalkonsul Khotulev,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

St. Petersburg und Hamburg feiern Geburtstag und sie feiern ihre Freundschaft. Es ist die Freundschaft zweier Weltmetropolen, die zuversichtlich die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts annehmen und sich gegenseitig auf vielerlei Weise unterstützen.

Auch bei diesem Besuch laufen wieder viele spannende Projekte vom Stapel, zum Beispiel im Tourismus. St. Petersburg und Hamburg sind hochattraktive Städtedestinationen und weltweit bei Kreuzfahrtgästen gefragt. Es ist gut, wenn wir unsere Erfahrungen hier noch mehr teilen. Auch beim Jugend- und Fachkräfteaustausch, bei ambitionierten Forschungsvorhaben, der Einführung innovativer Technik und vielem mehr geht es weiter voran.

Das alles ist möglich, weil Stadt, Unternehmen, Schulen und Universitäten, zivilgesellschaftliche Organisationen oder einfach auch Bürgerinnen und Bürger die Initiative ergreifen und gemeinsam etwas aufbauen. Das ist großartig und ich möchte allen, die ihre Ideen einbringen und ihren Projekten treu bleiben, teils über viele Jahre und sogar Jahrzehnte, ganz herzlich danken. 

Sehr geehrter Gouverneur Poltawtschenko,
liebe Freundinnen und Freunde aus St. Petersburg,

willkommen an Elbe und Alster – willkommen im schönen Gästehaus des Senats! Wir freuen uns sehr, Sie heute in Hamburg begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, es ist für Sie in Hamburg genauso angenehm wie für mich in St. Petersburg. Gerne denke ich an meine Besuche dort zurück. Einige erinnern sich vielleicht: Zur Deutschen Woche im April dieses Jahres waren wir mit einem interaktiven Modell der Elbphilharmonie angereist – nun haben Sie das Original gesehen, wie es den Hafen zum Glitzern und zum Klingen bringt. 

Meine verehrten Damen und Herren,

60 Jahre Städtepartnerschaft, das sind 60 Jahre, in denen wir einander kennenlernen konnten. Und je mehr wir einander kennenlernten, desto mehr lernten wir die Besonderheiten des anderen schätzen. Lieblingsgerichte und Lieblingskomponisten, die fremde Sprache, der etwas andere Arbeitsalltag, das Schulleben, das Fernsehprogramm im Gastland – seit 60 Jahren erkundet das jede Generation immer wieder von Neuem. Mit dem Wissen um den anderen wächst dann häufig auch der Wunsch, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Es ist beeindruckend, wie viele Fäden zwischen St. Petersburg und Hamburg heute zusammenlaufen. In der Wissenschaft und in der Bildung, bei der Modernisierung unserer Häfen, in der Stadtplanung und bei Fragen der Digitalisierung – überall lässt sich von gemeinsamen Projekten erzählen.  

All diese Kooperationen und gegenseitigen Besuche sind heute so selbstverständlich, dass die Jüngeren unter uns es sich gar nicht mehr anders vorstellen können. Aber wir wissen natürlich und werden es nie vergessen, was unserer Freundschaft vorausgegangen ist.

Der von Deutschland angezettelte Zweite Weltkrieg und die barbarische Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht waren 1957 noch allgegenwärtig. Erst zwei Jahre zuvor hatten unsere Länder wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Das war ein großer Schritt. Doch Vertrauen und Verständnis für Deutschland, das durfte so schnell niemand erwarten.

Und doch ergriff der Stadtsowjet von Leningrad vor 60 Jahren die Initiative für einen beispiellosen Akt der Versöhnung und lud den Hamburger Bürgermeister Kurt Sieveking an die Newa ein. Für diesen Mut und diese Großherzigkeit sind wir ihm in Hamburg bis heute dankbar.

Im Jahr 2017 ist Hamburg mit Russland auf vielerlei Weise verbunden. Heute Morgen haben wir gemeinsam die Inbetriebnahme des European XFEL gefeiert. Der größte Röntgenlaser der Welt ist ein beeindruckendes Gemeinschaftsprojekt, das die Forschung im Nanobereich revolutionieren wird. Die Erkenntnisse werden helfen, wichtige Medikamente zu entwickeln, neuartige Energiespeicher herzustellen oder das Innere von Planeten besser zu verstehen. Unter den elf beteiligten Nationen stellt Russland den zweithöchsten Länderbeitrag für Bau und Betrieb bereit – das ist ein großer Einsatz. Auch die Polytechnische Universität von St. Petersburg hat am XFEL-Projekt mitgearbeitet.

Ein anderes Ereignis ist die Konferenz der Ostseeparlamentarier, die in zwei Tagen in Hamburg stattfindet. Auch hier ist Russland ein bedeutender Partner. Über solche Verbindungen sind wir froh. Denn die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland stehen immer wieder vor schwierigen Herausforderungen. Unterschiedliche Ansichten über Grundrechte, über den Umgang mit Minderheiten oder Nicht-Regierungsorganisationen oder über die Prinzipien der Charta von Paris sind die Themen.

Wir wissen, wie wichtig es gerade in angespannter Zeit ist, sich langfristig auf gemeinsame Ziele einzulassen. So wie St. Petersburg und Hamburg, die nun schon 60 Jahre lang an ihrem Willen zur Freundschaft und zur Versöhnung festhalten.

1957 konnte niemand ahnen, wie vielfältig und zahlreich unsere gemeinsamen Projekte einmal sein würden. Da wird der musikalische Nachwuchs gefördert; Unternehmen öffnen sich für Praktikanten; Nicht-Regierungsorganisationen bilden ein Netzwerk für Jugendarbeit; angehende Journalisten tauschen sich aus. Beeindruckend ist auch die Ausstellung, die ab dem 12. September in unserer Rathausdiele zu sehen sein wird: Die Fotos von Daniel Biskup zeigen unsere Partnerstadt St. Petersburg auf eine kontrastreiche, zu Herzen gehende Weise.

Hätte jemand vor 60 Jahren davon erzählt, was 2017 selbstverständlich ist, man hätte es wohl kaum ernst genommen. Aber die, die an unserer Freundschaft über all die Jahre festgehalten haben, die ließen sich nicht bange machen. So werden wir es auch in Zukunft halten.

Deshalb haben wir uns zum 60. Geburtstag einiges vorgenommen. Ich bin zuversichtlich, dass wir zusammen noch viel erreichen werden.

Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg und eine gute Zeit in Hamburg!

Besten Dank.

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