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4. September 2017 Senatsfrühstück zum 75. Geburtstag von Friede Springer

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Senatsfrühstück zum 75. Geburtstag von Friede Springer

Sehr geehrte Frau Springer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

wie schön, dass wir in Hamburg gemeinsam mit Ihnen Ihren 75. Geburtstag feiern dürfen – meinen herzlichen Glückwunsch nachträglich! Ich freue mich sehr, dass Sie unserer Einladung von der Spree an die Alster gefolgt sind und begrüße Sie herzlich in unserem schönen Senatsgästehaus. Nicht weit von hier verbrachten Sie viele Jahre Ihres Lebens. Ich nehme an, Sie kennen sich rund um die Außenalster immer noch gut aus, und hoffe, Sie denken heute gerne an diese Zeit zurück. 

Hamburg, das ist die Stadt, in der alles begann. Alles – das bezieht sich auf die innige Beziehung des Ehepaars Axel und Friede Springer, die im Sommer 1965 ihren Anfang nahm. In Hamburg angefangen hat auch die beispiellose Karriere des Jahrhundert-Verlegers Axel Springer, der sein Handwerk hier von der Pike auf gelernt hatte: zunächst als Setzer und Drucker im väterlichen Betrieb und als Journalist bei der Bergedorfer Zeitung, danach als junger Redakteur bei den ebenfalls familieneigenen Altonaer Nachrichten.

Kurz nach Kriegsende, 1946, dann die Gründung des Axel-Springer Verlags – Sie kennen die weitere Geschichte, mit all ihren bahnbrechenden Erfolgen und ihren heftig ausgetragenen Konflikten während der gesellschaftlichen Aufbrüche in den Sechzigern, mit ihren schwierigen Mehrheitsverhältnissen in den Achtzigern und mit der in den vergangenen Jahren vorangetriebenen digitalen Neuausrichtung. Immer wieder in den mehr als drei Jahrzehnten, in denen Friede Springer die Fäden in der Hand hielt, standen ausschlaggebende und notgedrungen auch umstrittene Entscheidungen an. Sogar die Fortexistenz des Unternehmens schien nicht immer selbstverständlich.

Dass es nach dem Tod Axel Springers 1985 weiterging und dass es auch in Zukunft weitergehen wird, das ist den weitsichtigen Entscheidungen und – auch das verdient Erwähnung – dem Stehvermögen der Unternehmerin Friede Springer zu verdanken. Und so feiern wir heute mit Ihrem Geburtstag, Frau Springer, auch ein in der bundesrepublikanischen Geschichte einmaliges unternehmerisches Lebenswerk.

Das Unternehmen in Zeiten des Medienwandels zukunftsfest zu machen, das ist Ihnen – diesen Schluss darf man heute ziehen – mit hoher Wahrscheinlichkeit gelungen. So entschlossen und konsequent wie die Axel Springer SE hat wohl kein anderes europäisches Medienunternehmen die Prioritäten in Richtung Internationalisierung und Digitalisierung verschoben. Das hatte auch Auswirkungen auf den Standort Hamburg. Der Verkauf des „Hamburger Abendblatts“, für das Axel Springer 1948 unter dem Bürgermeister Max Brauer die Lizenz erhalten hatte, und anderer Titel ist Friede Springer – so kann man es einem ihrer seltenen Interviews entnehmen – wohl nicht leicht gefallen. Unumgänglich schien ihr dieser Weg gleichwohl. Auch in der Geschichte der Medienstadt Hamburg markiert dieser Unternehmenswechsel zweifellos eine Zäsur.

Heute ist die Axel Springer SE in der Hansestadt mit der Mediengruppe Auto, Computer und Sport und einigen Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin vertreten. Darüber freuen wir uns.

Der Medien- und Digitalstandort Hamburg wächst. Führende Zeitungen und Magazine, klassisch oder digital, prägen auch in der neuen Zeit von Hamburg aus die Debatten der Bundesrepublik; Gruner+Jahr, aber auch kleinere Verlage finden überzeugende Antworten auf den Medienwandel. Auch große internationale Unternehmen der Digitalwirtschaft wie Facebook, Twitter, XING oder Google sind in Hamburg aktiv. Längst hat die digitale Start-up Szene entdeckt, wie gut die Rahmenbedingungen für Gründer hier sind. Die Hafencity Universität bietet zudem ein erstklassiges Experimentierfeld für innovative IT-Lösungen im Bereich der Metropolenentwicklung und des E-Learnings. Hamburg ist ein exzellenter Standort für die Medien- und Digitalwirtschaft. Und Besuch aus Berlin ist uns herzlich willkommen.

Sehr geehrte Frau Springer,

wir empfinden in Hamburg großen Respekt vor Ihrer Lebensleistung. Es kommt nicht oft vor, dass es gelingt, Treue und Beständigkeit so gut mit neuen Ideen und Zukunftsperspektiven in Einklang zu bringen.

Aber beeindruckend ist nicht nur die Unternehmerin, beeindruckend ist auch die Stifterin Friede Springer. Mit Umsicht und großem Einsatz lenken Sie die Arbeit Ihrer drei Stiftungen. In den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt setzen Sie große Hoffnung; auch Kultur und Ausbildung, Forschung zur Sicherheitspolitik, Recherchen zur deutsch-jüdischen Geschichte und vieles mehr werden unterstützt.

Friede Springer gehört zu den bedeutendsten deutschen Stiftern und Stifterinnen. Für Ihr großes Verantwortungsbewusstsein und Ihre vielfältige Förderung wichtiger gesellschaftlicher Anliegen sind wir in Deutschland sehr dankbar.

Liebe Frau Springer,

mehr als 70 Jahre liegen die Anfänge von Europas führendem Digitalverlag im kriegszerstörten Hamburg zurück. Und das ist nicht nur eine lange Zeit – das sind Welten, die dazwischen liegen. Sehr schön hat das Hamburger Abendblatt die Stimmung des Gründungsjahrs zum 65. Jubiläum eingefangen:

„Der Durchschnittsdeutsche isst mehr Brot und Kartoffeln, aber viel weniger Fleisch als heute: 4,8 statt 89 Kilo. Und er trinkt auch weniger: 23,4 Liter Bier pro Kopf und Jahr – heute ist es viermal so viel. Supermarkt und Selbstbedienung sind noch Zukunftsmusik. Im Tante-Emma-Laden gießt die Verkäuferin Milch in mitgebrachte Kannen, fischt Salzheringe aus der Tonne und wickelt Butter in Pergamentpapier. Kaffee gibt es in Bohnen, Suppe in Würfeln. … Auf den Straßen fahren Pferdefuhrwerke, und Radfahrer müssen immer warten, denn in der Straßenverkehrsordnung gilt `Motorkraft vor Muskelkraft´.“

Fast vierzig Jahre lang hat sich Axel Springer seinem Verlag gewidmet. Mehr als dreißig Jahre lenken Sie, Frau Springer, nun schon die Geschicke des Unternehmens. In dieser Zeit haben Sie die Weichen so gelegt, dass das Vermächtnis Ihres Mannes auch in einer völlig veränderten Welt bestehen kann. Das ist eine große Leistung. 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Lebenswerk noch lange Zeit und mit Fortune fortführen mögen. Und seien Sie gewiss: In Hamburg, wo Sie Ihre jungen Jahre verbrachten und wo Axel Springer die Grundlagen für den heutigen Konzern legte, sind Sie immer ein gern gesehener Gast.

Alles Gute zum Geburtstag!

Und vielen Dank.

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