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7. September 2017 Begrüßung der neuen Azubis bei Aurubis

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Begrüßung der neuen Azubis bei Aurubis

Sehr geehrter Herr Schachler,
Sehr geehrter Herr Dr. Jacobsen,
sehr geehrte Auszubildende,
sehr verehrte Gäste,

Kupfer ist ein ganz besonderer Stoff. Als einziges unter den Metallen trägt es einen Doktortitel. Wer in der Wirtschaft wissen will, wie sich die Weltkonjunktur entwickeln wird, der fragt Dr. Copper beziehungsweise Dr. Kupfer. Das heißt, er schaut, ob der Preis für das rote Metall fällt oder steigt. Steigt er, wie es jetzt der Fall ist, gilt das als Zeichen, dass die Weltwirtschaft wächst. Denn kaum ein Industriebereich kommt ohne Kupfer aus.  

Kupfer war das erste Metall, das die Menschheit zu nutzen lernte. Schon seit 10.000 Jahren bringt es uns und unsere Wirtschaft voran. Und das wird auch im digitalen Zeitalter so bleiben.

Machen Sie einen Test. Googeln Sie das Wort „Kupfer“ und Sie erhalten 37 Millionen Treffer. Googeln Sie das englische Wort „copper“,  sind es  sogar mehr als eine halbe Milliarde. Sie haben sich also die richtige Branche ausgesucht.

In diesem Jahr darf ich 62 Frauen und Männer begrüßen, die ihre Ausbildung bei Aurubis beginnen: 50 hier in Hamburg-Veddel auf der Peute, weitere 12 im Werk Lünen. 62 Auszubildende, nicht wenige mit einem internationalen Hintergrund, weil ihre Eltern oder sie selbst nicht in diesem Land geboren sind. Das passt zu einem Unternehmen, das weltweit tätig ist.

Zudem starten in Hamburg 10 Praktikanten nach einem neuen Modell, das zusammen mit der Schule auf der Veddel entwickelt wurde. AV10-Plus – so heißt das Modell – schafft bessere Berufschancen für Schülerinnen und Schüler mit einem Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss.  Über eine Zeit von elf Monaten lernen die zehn Schülerinnen und Schüler an drei Tagen pro Woche die Arbeit und die verschiedenen Berufe bei Aurubis kennen. An den anderen beiden Tagen gehen sie zur Schule. Mit etwas Glück und guten Leistungen lassen sich  sechs Monate dieser Zeit davon sogar auf eine Ausbildung anrechnen.

Wer fast ein Jahr lang die Berufswelt so intensiv erlebt wie diese 10 Praktikantinnen und Praktikanten und so viele Arbeitsbereiche kennenlernt, trifft eine fundierte Berufswahl. Und er oder sie ist auch motiviert. Kein Wunder also, wenn in der Regel rund 80 Prozent von ihnen in eine reguläre Ausbildung übernommen werden.

Ihnen allen gratuliere ich herzlich. Ich komme gerne in Hamburgs berühmteste „Hütte“, um allen  einen guten Start zu wünschen.

Wer im Leben weiterkommen will, muss an die Zukunft denken. Sie als Auszubildende haben vor allem die nächsten Monate und Jahre bis zum Abschluss Ihrer Ausbildung im Blick. Das ist richtig so, denn mit einer Ausbildung in einem angesehenen Unternehmen wie Aurubis stehen Ihnen viele Türen offen.

Unternehmen aber planen langfristiger. Deshalb hat Aurubis schon Pläne bis zum Jahr 2025 geschmiedet. Vielleicht kennen Sie die drei Leitsätze schon – bei einem international tätigen  Unternehmen natürlich auf Englisch.

Der erste lautet: „Passion for Metallurgy“ – Leidenschaft für Metallurgie. Die Metallurgie bezeichnet alle Verfahren, mit denen Metalle gewonnen und verarbeitet werden – gemeint sind also auch Gold, Silber, Nickel oder Selen. Mit diesen Stoffen will sich Aurubis breiter aufstellen und vom Kupfer- zum Multimetall-Produzenten entwickeln. Auch das ist eine gute Nachricht für Sie alle und es dürfte nicht schwerfallen, für diese Stoffe eine Leidenschaft zu entwickeln.

Die Produktion und Verarbeitung von Kupfer und anderen Metallen sind Hightech. Sie haben nicht mehr viel gemein mit dem Hüttenwesen und den rauchenden Schornsteinen des letzten und vorletzten Jahrhunderts. Wussten Sie, dass die Hälfte der Edelmetallproduktion bei Aurubis aus Recycling stammt? Das ist eine Quote, von der andere Industriezweige weit entfernt sind. Sie lernen und arbeiten also auch in einer Branche, mit der es in Sachen Nachhaltigkeit so leicht keine andere aufnehmen kann.

Kommen wir zum zweiten Teil der Zukunftsvision Ihres Unternehmens: „Metals for Progress“. Metalle für den Fortschritt. Dazu ein kleines Gedankenexperiment: Stellen Sie sich eine Welt ohne Kupfer vor. Es wäre eine Welt ohne elektrisches Licht und Telefon, ohne Fernseher, Computer, Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger, Autos, U-Bahnen und ICEs. Ohne Kupfer würde es kein digitales Zeitalter geben und keine Smartphones, keine Elektromobilität und keine Energiewende.

Der dritte Slogan heißt: „Together with you“. Das bedeutet: Aurubis plant seine Zukunft mit Ihnen. Die Ausbildung in diesem Unternehmen hat einen exzellenten Ruf und die Chancen, danach übernommen zu werden, sind ausgezeichnet.

Durch die Digitalisierung werden sich die Aufgaben und Arbeitsplätze verändern. Aber Aurubis wird Ihnen die Möglichkeit geben, die nötigen Qualifikationen zu erwerben. Lassen Sie sich also nicht verunsichern von einseitigen Prognosen, die den dramatischen Ersatz von Arbeitskräften durch Roboter oder Künstliche Intelligenz vorhersagen. Das wird auch in einigen Bereichen passieren. Aber entscheidender ist, dass genug gute neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Beschäftigung wird in Deutschland insgesamt nicht zurückgehen, das ist unisono das Ergebnis einer Reihe von Studien namhafter Institute. Im Gegenteil, es werden bis 2040 sogar mehr als drei Millionen Fachkräfte fehlen, wenn wir nicht gegensteuern. Mit einer Ausbildung bei Aurubis, mit Engagement und Offenheit für Neues, werden Sie mit einiger Wahrscheinlichkeit einmal zu den begehrten Fachkräften gehören, die sich um ihre berufliche Zukunft keine Sorgen machen müssen.

Aurubis ist ein Unternehmen mit Zukunft. Schon heute werden drei Viertel des auf der Welt verwendeten Kupfers in der Informations- und Kommunikationstechnologie eingesetzt. Auch die Roboter der Zukunft werden ohne Kupfer und andere Edelmetalle nicht arbeiten können. Ohne Kupfer ist Industrie 4.0 nicht vorstellbar.

Aber die Arbeitsplätze der Zukunft werden auch in dieser Branche durch die Digitalisierung anders aussehen. Das Hamburger Fachkräftenetzwerk und das Hamburger Institut für Berufliche Bildung prüfen nun, welche Konsequenzen daraus für die berufliche Bildung in Hamburg zu ziehen sind. Im vergangenen Frühjahr haben sich deshalb 300 Ausbildungsexperten getroffen. Sie kamen aus den berufsbildenden Schulen, den Hamburger Ausbildungsbetrieben, den Kammern, Verbänden, Gewerkschaften, aus der Lehrerbildung und der Wissenschaft. Und sie alle arbeiten gemeinsam daran, die Berufsbildung auf die zukünftige Arbeitswelt auszurichten.

Aber nicht nur die Technik, auch die Bevölkerung verändert sich. Im Schuljahr 2016/2017 hatten mehr als zehn Prozent der Auszubildenden in Hamburg keine deutsche Staatsangehörigkeit. Nimmt man alle diejenigen hinzu, deren Mütter oder Väter nicht in Deutschland geboren wurden, liegt der Anteil noch höher. Wir tun viel, damit diese Jugendlichen ohne Hürden einen Weg in die Duale Ausbildung finden. Für neu zugewanderte Jugendliche haben wir sogar eine spezielle Ausbildungsvorbereitung eingeführt. Das Angebot mit der Abkürzung AvM-Dual geht über zwei Jahre und findet teils in der Schule, teils im Betrieb statt.

Aber Internationalität entsteht nicht nur dadurch, dass junge Frauen und Männer aus dem Ausland hierher kommen. Wer in Deutschland geboren ist oder schon lange hier lebt, kann auch einige Zeit woanders verbringen. Bei Aurubis können Sie sogar schon als Auszubildende testen, ob Sie später einmal im Ausland arbeiten möchten.

In Hamburg nehmen jedes Jahr etwa 1.000 Auszubildende an den Austauschprogrammen von [Erasmus plus] Erasmus+ innerhalb Europas teil. Auch für Länder außerhalb Europas gibt es Programme – für die USA zum Beispiel über die Joachim Herz Stiftung. 

Machen Sie sich schlau. Informieren Sie sich auch, welche Angebote es in Ihrem Unternehmen oder über das Hamburger Institut für Berufliche Bildung gibt. In Hamburg gibt es zum Beispiel zahlreiche Wege, über die man nach der Schulzeit weitere Bildungsabschlüsse machen kann. Azubis mit einem guten mittleren Schulabschluss können an Hamburger Berufsschulen die Fachhochschulreife erwerben. Manche Berufsschulen kooperieren auch mit Hochschulen – das ist für alle interessant, die vielleicht später noch einmal studieren wollen. Unsere sehr erfolgreiche Jugendberufsagentur berät in all diesen Fragen gut und gerne.  

Aber jetzt, liebe Auszubildende, starten Sie erst einmal bei Aurubis. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in der Ausbildung und auch viel Spaß. Denn nur, was man gerne tut, das macht man auf lange Sicht auch gut.

Vielen Dank.

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