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14. September 2017 Eröffnung des Kinder-UKE

Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Eröffnung des Kinder-UKE

Sehr geehrter Professor Göke,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrter Herr Ehrenbürger Dr. Otto,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Alle Menschen sollten ihre Kindheit von Anfang bis Ende mit sich tragen. Es ist doch interessant, daran zu denken,“ sagte Astrid Lindgren 1992 im Interview mit der Hamburger Wochenzeitschrift Die Zeit. Das ist eine gute Einstellung. Aber auch die Frage „Und was ist mit denen, bei denen nicht alles gut läuft?“ dürfen wir nicht vergessen.

Das Krankenhaus, das wir heute eröffnen, ist eine Antwort darauf. Positive Erinnerungen an eine schwere Zeit zu ermöglichen, ist die Aufgabe dieser Klinik. Ihr Ziel ist es, für die Betroffenen und die Angehörigen ein zum Teil sehr schweres Schicksal leichter zu machen und Freude ins Leben zu bringen.

Diese großartige und zugleich sehr anspruchsvolle Aufgabe hat hunderte von Fachleuten und Laien für das Projekt Kinder-UKE begeistert.

In einer großen, gemeinsamen Kraftanstrengung von Hamburger Bürgerinnen und Bürgern und dem UKE ist es gelungen, die Expertise der modernen Krankenversorgung und der Architektur zusammen zu bringen, um Kindern und Jugendlichen, die sehr krank sind, noch besser helfen zu können.

Ganz Hamburg ist wie elektrisiert von der Idee mit vorbildlicher Kinder- und Jugendmedizin die Kindheit auch für die möglichst gut verlaufen zu lassen, die es gesundheitlich sehr schwer haben.

So ist auch das Finanzierungskonzept, normalerweise der trockenste und schwierigste Teil eines Projekts, von vielen Emotionen und einem hohen Maß an Identifikation getragen.

Dass Hamburg ein solches umfassendes Bauprojekt, ein Krankenhaus mit höchstem wissenschaftlichem und technischem Niveau und mit so vielen Innovationen verwirklichen konnte, haben wir sehr, sehr vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken.

Die größten Einzelspender sind Dr. Michael Otto und der leider verstorbene Werner Otto. Um unseren großen Dank für ihr langjähriges Engagement für das UKE auszudrücken, haben wir das Haus nach den beiden benannt:

Es ist offiziell die „Werner und Michael Otto Universitätskinderklinik“.

Ein weiterer großer Spender ist die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V. Auch ohne deren kraftvolle Unterstützung wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

Und es waren darüber hinaus viele weitere Bürgerinnen und Bürger aus der Metropolregion Hamburg, die das Projekt mit Begeisterung unterstützt haben. Mit zahlreichen und höchst kreativen Aktivitäten wurden Spenden gesammelt. Dazu gehörten zum Beispiel die Erlöse aus Konzertreihen, Benefizläufe oder eine Fundsachenversteigerung am Hamburger Flughafen. Wichtig zu nennen sind auch die Rest-Cent-Aktion, in der die UKE-Beschäftigten regelmäßig einen Teil ihres Einkommens spenden und die  zahlreichen Charity-Veranstaltungen wie z.B. „Biker fahren für Kinder“. All denen die gespendet und unermüdlich für das Projekt geworben haben, möchte ich ganz herzlich danken. Sie haben ein großartiges Projekt ermöglicht. Dass auch die Stadt Hamburg einen substantiellen Teil trägt, wird dagegen fast nebensächlich.

Dieses außergewöhnliche große Engagement so vieler Bürgerinnen und Bürger ist sehr bewegend. Hamburger können anpacken. Es gibt in unserer Stadt eine eindrucksvolle Kultur der Förderung und Unterstützung.  

Das Projekt ist zeitlich und finanziell im geplanten Rahmen geblieben und dennoch gab es bis vor wenigen Tagen noch eine nicht unerhebliche Lücke von 1,6 Millionen Euro, um das Spendenvolumen, das eingeplant war, immerhin die ehrgeizige Zielmarke von ein Drittel der Gesamtkosten, auch tatsächlich zu erreichen.

Seit Dienstag haben wir neue gute Nachrichten: Dr. Michael Otto hat noch einmal nachgelegt. Einen ganz herzlichen Dank für diese Unterstützung! Sie zeigt, wie gut es passt, dass diese Klinik mit Ihrem Namen verbunden ist.  

Meine Damen und Herren,

Hamburg hat viele Kinder – 2015 waren es rund 240.000 unter 15 Jahren. Und es werden immer mehr:  12.338 Babys wurden allein im ersten Halbjahr 2017 geboren. Entgegen aller Trends zeigen Mütter und Väter in Hamburg: Wir wollen viele Kinder und wir wollen in der Stadt leben. Das zeigt die große Zuversicht der Hamburgerinnen und Hamburger und das Vertrauen, das sie in unsere Stadt setzen.

Wir haben die universitäre Kinder- und Jugendmedizin im UKE, das Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK), das Katholische Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, die Asklepios Kliniken Nord und Barmbek und die Helios Mariahilf Klinik. Das ist ein sehr gut strukturiertes Angebot für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Und natürlich sind diese Krankenhäuser nicht nur für Hamburgerinnen und Hamburger offen, sie versorgen Kinder und Jugendliche weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Die neue Kinderstation wird die zweitgrößte in Hamburg sein aber in ihren Möglichkeiten europaweit führend. Denn ihr Schwerpunkt ist die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Krankheitsbildern. Hier versammeln sich Spezialambulanzen, wie beispielsweise die Ambulanz für Stoffwechselerkrankungen, die Immundefekt-Ambulanz  oder ein Spezialzentrum für angeborene Speichererkrankungen. Ein wichtiger und zudem einzigartiger Schwerpunkt ist die Transplantationsmedizin mit Leber-, Nieren- und Stammzelltransplantation.

Und damit habe ich nur einen kleinen Teil der Expertise genannt, die hier versammelt ist. Die „Werner und Michael Otto Universitätskinderklinik“ wird im Bereich der Diagnostik und der Versorgung seltener Erkrankungen eine internationale Spitzenposition einnehmen.

Nahezu alle Disziplinen der Kindermedizin befinden sich – analog zum Hauptgebäude für „Erwachsene“ – unter einem Dach. Dies bedeutet: kurze Wege, besser vernetzte Stationen, eine noch größere Interdisziplinarität und einander ergänzende Therapiemöglichkeiten. Nicht nur Technik und Know-how begeistern hier. Es ist ein vollständig neues Konzept, sowohl in der Architektur als auch in der Innenausstattung und der Planung der Abläufe.

Ganz wichtig war von Anfang an, diejenigen einzubeziehen, die hier einen Teil ihrer Lebenszeit verbringen: Die Kinder und ihre Eltern.

Zu den Wünschen der Kinder gehörte etwa der Erhalt der Hainbuche, die nun das Zentrum des Innenhofs ist, um den sich die Gebäude ranken. Dem Wunsch der Angehörigen entsprechend gibt es in jedem Patientenzimmer Übernachtungsmöglichkeiten für die Eltern und privaten Rückzugsraum.

Mein großes Lob geht an die Architekten und Planer für diese sehr gelungene bauliche Gestaltung.

Um gesund zu werden benötigen alle ein Umfeld, das die Heilung fördert. Die neue Klinik bietet liebevoll gestaltete Räume mit sehr guter Atmosphäre. Hier soll der Alltag so normal wie möglich weiter gehen, das ist gerade für die, die viele Wochen im Krankenhaus verbringen, enorm wichtig. Deshalb gehört WLAN in den Zimmern dazu. Es können Schularbeiten gemacht werden, die Kommunikation über Social Media läuft weiter und die Eltern können per Home-Office weiter arbeiten. 

Diese Kombination von Spitzentechnologie und kindgerechter Gestaltung ist einzigartig. Die neue universitäre Kinderklinik hat ganz zu Recht den sehr passenden Kurznamen „Kinder-UKE“.

Astrid Lindgren sagte übrigens nach ein wenig Überlegung auf die Frage, was mit denen sei, die es nicht so leicht haben: „Meine Bücher haben bestimmt vielen jungen Menschen geholfen, jedenfalls sagt man mir das immer.“

Das ist auch das, was die wollen, die hier arbeiten: vielen jungen Menschen helfen. Die Ärztinnen und Ärzte, die Krankenschwestern und Pfleger und die anderen Fachkräfte haben auch in der alten Klinik beachtliche Arbeit geleistet. Nun brennen sie darauf, die neuen Möglichkeiten umfassend zu nutzen, um noch besser zu werden.

Wie die Spenderinnen und Spender werden alle, die hier arbeiten, in einer kontinuierlichen Kraftanstrengung, alles tun, was ihnen möglich ist.

Auch Kindern, die lange im Krankenhaus sein müssen, sollen positive Erinnerungen an ihre Kindheit bleiben. Dafür steht das Kinder-UKE.

Die „Werner und Michael Otto Universitätskinderklinik“ wird in der Wissenschaft und in den Herzen einen wichtigen Platz einnehmen. Sie wird sehr vielen Patienten und Angehörigen sehr helfen.

Vielen Dank!

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