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26. September 2017 Einweihung berufliche Schule Energietechnik Altona

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Einweihung berufliche Schule Energietechnik Altona

Sehr geehrter Herr Dr. Berben,
sehr geehrte Frau Dr. Garbade,
sehr geehrte Frau Spengler,
sehr geehrter Herr Generalkonsul Chang,
sehr geehrte Partner und Unterstützer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

schon der Beginn der neuen gewerblichen Schule in Altona war spektakulär: Innerhalb von vier Monaten wurde 1928 das Betonskelett des Rohbaus hochgezogen. Die technische Meisterleistung schaffte ein Unternehmen aus Altona. Der Überraschungseffekt machte klar: Diese Schule ist etwas ganz Besonderes.

Nicht nur der Bauhaus-Stil zeigte die hochmoderne Einstellung und den Bruch mit der wilhelminischen Epoche. Auch die Größe: 83.000 m3 umbauter Raum und 150 Klassenräume – das größte Gebäude, das seit langem in Altona errichtet worden war. Das ist schon eine deutliche Geste: eine gewerbliche Schule die größer ist als das gegenüberliegende Rathaus!

Als Max Brauer in der Eröffnungsrede sagte, das Haus solle wegweisend sein und der Jugend „den Weg in eine bessere, helle und klare Zukunft zeigen“, war das programmatisch und auch wörtlich gemeint: Die Berufsschüler mussten nicht mehr in dunklen Räumen sitzen, sondern hatten durch große Fenster einen ungehinderten Blick auf die Stadt. Helles Licht war zudem das Symbol für die Aufklärung, der verbindende Gedanke zwischen bürgerlichen Reformern und Arbeiterbewegung.

Altona war die erste Stadt, die die Berufsschulen organisatorisch zusammenfasste. Für einen solchen Schritt der Professionalisierung der beruflichen Bildung, gab es keinerlei Vorbilder. „Dieses Haus soll und wird mehr sein als ein Schulgebäude“, schrieb Max Brauer (1931) „von hier aus wollen wir Brücken schlagen in eine (bessere) Zukunft.“

Das „Haus der Jugend“, wie der Magistrat es nannte, setzte von Anfang an ein klares Statement: Eine moderne Gesellschaft braucht eine gute berufliche Bildung und die gehört mitten in unsere Gesellschaft.

Dieses Bekenntnis ist hoch aktuell. Und in dieser Tradition hat der Senat die Sanierung auf den Weg gebracht: Die Innen- und Außengestaltung wurde sorgfältig wiederhergestellt, der Eingangsbereich hat wieder eine Uhr und den Schriftzug „Gewerbliche Berufsschule“. Die Fenstergröße, die Fassaden und die Farbgebung im Inneren sind wieder so wie Oelsner es geplant hatte. Auch der Innenhof wurde neu erschlossen. Die ganze Schule ist an ihren Ursprung zurückgeführt worden – und – das haben wir zugleich mit modernster Technik kombiniert.

Das Berufsfeld der Elektrotechnik stellt sehr hohe Anforderungen an die technische Ausstattung.  Gebäudetechnik, Energietechnik und Automatisierung erfordern präzises Fachwissen, viel praktisches Lernen und die Fähigkeit, sich einer rasant verändernden Technologie ständig anzupassen. Die Schule bietet nun Lernfeldräume mit modernen Standards und einer hervorragenden IT-Ausstattung. Davon zeugen zahlreiche neue Leitungen, Steckdosen, Sicherungskästen, und Schaltanlagen und die Arbeitstische.

Dass das alles in einem denkmalgeschützten Gebäude installiert wurde und die gesamte Sanierung während des laufenden Schulbetriebs stattfand,  das ist eine wahrlich bemerkenswerte Leistung.

Für Ihre Arbeit und Ihre Geduld möchte ich allen Beteiligten ganz herzlich danken. Ausdrücklich erwähnen möchte ich die HEOS Berufsschulen Hamburg GmbH & Co. KG als ausführendes Unternehmen, die Otto Wulff Bauunternehmung GmbH und die Ed Züblin AG,  das Hamburger Institut für Berufliche Bildung, insbesondere das Baureferat und den Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen. Mein Dank gilt ganz besonders auch dem Kollegium sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BS 22.

Sie haben dieses wunderbare Gebäude auf den neusten Stand gebracht: Diese Schule ist in jeder Hinsicht ein hochmoderner Klassiker.

Der Senat hat in den letzten drei Jahren die berufsbildenden Schulen neu aufgestellt: Wir haben Standorte gesichert und Kompetenzen gebündelt. Verwandte Ausbildungsberufe wurden zusammengeführt, wie etwa hier im Bereich der Elektrotechnik, um die fachliche Expertise für große Zielgruppen an einem Ort anzubieten. 31,3 Millionen Euro Baukosten sind allein in dieses Gebäude geflossen. Seit 2014 haben wir in Hamburg bereits 400 Millionen Euro für die berufsbildenden Schulen investiert; bis zum Jahr 2027 sind sogar 720 Millionen Euro eingeplant.

Den neuen Anfang, den wir hier setzen, betont auch der neue Name „Berufliche Schule Energietechnik Altona, kurz BS 22. Innovative Berufsausbildung zu bieten, war immer schon der Anspruch dieser Schule. Und das zeigt sich natürlich auch im Ausbildungsangebot.

Aus der BS 22 kommen die Fachkräfte für drei große Herausforderungen der Industriegesellschaft: die nachhaltige Energieversorgung, die Digitalisierung der Gesellschaft und die Automatisierung der Produktion, Stichwort Industrie 4.0. Das ganze Berufsbild ist hoch komplex: Energie- und Gebäudetechnik gehört dazu, Maschinen- und Antriebstechnik, die Systemelektronik und die Automatisierungstechnik. Jedes dieser Gebiete umfasst noch einmal Duzende weiter spezialisierter Kompetenzen – all das kann lernen Schülerinnen und Schüler hier an der Beruflichen Schule Energietechnik.

Im Zentrum steht die duale Ausbildung, aber die Bildungsleistung der Schule geht weit darüber hinaus: Es beginnt damit, dass Lehrkräfte der BS 22 die Schülerinnen und Schülern der Stadtteilschule Blankenese bei der Berufswahl durch die Berufs- und Studienorientierung (BOSO) unterstützen. Es geht weiter mit der Ausbildungsvorbereitung für Migranten AvM-Dual. Die Vorbereitung auf die Ausbildung findet hier statt, an einer berufsbildenden Schule, damit der Bezug zu den Betrieben und dem beruflichen Umfeld gleich da ist.

Das alles passt hervorragend zum Kerngeschäft: die BS 22 ist die Berufsschule für den Großteil der Elektroberufe.

Selbstverständlich gibt es hier auch das Angebot der Berufsqualifizierung für Elektroberufe im Hamburger Ausbildungsmodell. Mit diesem Angebot ermöglichen wir Hamburger jungen Leuten, die trotz mehrfacher Bewerbungen noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, den direkten Einstieg in die Berufsausbildung. Und mehr noch: Wir geben Ihnen eine Ausbildungsplatzgarantie, wenn sie das BQ-Jahr erfolgreich absolviert haben.

Darüber hinaus ist die BS 22 Fachoberschule für den Fachbereich Technik, Fachrichtung Elektrotechnik. Hier kann man innerhalb eines Jahres das Fachabitur machen, zum Beispiel um anschließend auch Elektrotechnik zu studieren.

Und dann gibt es noch einen weiteren Bereich. Die BS 22 bietet Leuten mit Berufserfahrung, die sich noch einmal verändern wollen eine Aufstiegsqualifikation: Sie ist auch eine Fachschule für Technik, Fachrichtung Elektrotechnik/Energietechnik und Prozessautomatisierung. Hier lernen die Fachleute für die Führungsebene, die Chefs von Morgen. Der Abschluss (staatlich geprüfter Techniker) hat die gleiche Wertigkeit wie ein Bachelor nach einem Studium an der Universität. 

Dass die BS 22 als „absolut top innovativ“ für Zukunftsprojekte und moderne Betriebe gilt, hat aber noch einen weiteren Grund: Sie ist selbst eine lernende Schule, denn sie ist sehr gut vernetzt.

Zum Beispiel ist die BS 22 gemeinsam mit weiteren Fachschulen am standortübergreifenden Angebot „Fachschule Industrie 4.0“ beteiligt und kooperiert im Bereich Logistik mit der Technischen Universität Hamburg. Zudem gibt es einen regelmäßigen und sehr dynamischen Austausch zwischen Schule und Wirtschaft.

Berufliche Bildung braucht die Zusammenarbeit mit den Unternehmen, den Kammern und Sozialpartnern. Das hält unsere berufsbildenden Schulen kontinuierlich auf hohem Leistungsniveau. Die verbindliche Kooperation der Lernorte Schule und Betrieb haben wir in Hamburg schon 2006 mit der damaligen Schulreform eingeführt. Wir haben damit bundesweit Maßstäbe gesetzt.

Übrigens: Die Schule ist auch in kultureller Hinsicht gut verknüpft: Die Räume werden für Lesungen genutzt, hier übernachten Künstler der altonale, die Volkshochschule macht Kurse und auch die Koreanische Schule in Hamburg hat hier ihren Sitz. Und dann gibt es ja auch noch die Freundschaft mit dem Altonaer Theater gleich nebenan.

Meine Damen und Herren,

wenn wir die deutsche Wirtschaft betrachten, die Zahlen der Erwerbstätigen und die Leistungen unserer Industrie dann sehen wir, wie wichtig die duale Ausbildung ist. Wir wollen, dass jeder die Möglichkeit bekommt, eine berufliche Ausbildung abzuschließen. Für sehr viele Berufswege ist die duale Ausbildung das Fundament. Danach kann es weiter gehen, als Meister oder Techniker, in die Selbstständigkeit oder als Führungskraft im Unternehmen oder nach einer Zeit im Job mit einer zusätzlichen akademischen Ausbildung.

Um diese Flexibilität der beruflichen Wege zu stützen, brauchen wir überall in Deutschland berufliche Schulen wie diese. Die hohe Spezialisierung und hohe Qualität der beruflichen Bildungsangebote ist entscheidend für die Zukunft unseres Landes.

Die berufliche Schule Energietechnik Altona, die wir heute einweihen, ist längst viel mehr als ein „Haus der Jugend“. Sie ist ein Zentrum der beruflichen Bildung, mit beeindruckend hoher Fachlichkeit und für die, die hier lernen: Eine großartige Chance für eine selbstbestimmte Karriere in einem Zukunftsberuf.

Ich wünsche dieser Schule, den Lehrenden und den Lernenden alles Gute.

Ich bin mir sicher, wir können ganz im Sinne Max Brauers sagen: Dieses Haus ist mehr als ein Schulgebäude, von hier aus werden wir Brücken in die Zukunft schlagen.

Vielen Dank!

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