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29. September 2017 41. Einbürgerungsfeier

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

41. Einbürgerungsfeier

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses. Er ist der prächtigste und feierlichste Saal, den wir anzubieten haben, und damit ist er genau passend für diesen Anlass. Eine Einbürgerung ist etwas ganz Besonderes. Es  gehört für mich zu den lohnendsten und schönsten Aufgaben im Amt des Ersten Bürgermeisters, die Einbürgerungen  gemeinsam mit den neuen Bürgerinnen und Bürgern zu feiern.

Die, die heute im Großen Festsaal ihre Einbürgerungsurkunde erhalten, kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken der Welt. Die Urkunde besagt recht knapp und nüchtern, dass Sie die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben. Was sie hingegen nicht erwähnt, ist das Warum. Welcher Lebensweg liegt hinter Ihnen, was hat zu der Entscheidung geführt und was bedeutet es Ihnen, jetzt Deutsche oder Deutscher zu sein? Dazu kann jeder von Ihnen eine andere Geschichte erzählen.

Und diese Geschichte endet nicht, nur weil Sie jetzt einen deutschen Pass in der Tasche haben. Sie nimmt nur eine andere Wendung.  

Sie sind jetzt Staatsbürgerinnen und Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland. Damit genießen Sie dieselben Rechte und haben dieselben Pflichten wie alle Deutschen. Vieles wird Ihnen mit einem deutschen Personalausweis leichter vorkommen und objektiv leichter sein. Aber es geht nicht nur um Erleichterungen. Sie dürfen jetzt wählen – das haben Sie wahrscheinlich in der vergangenen Woche schon getan –, und Sie dürfen sich in ein politisches Amt wählen lassen. Auf diese Weise können Sie unser gemeinsames Land mitgestalten.

Das ist wichtig. Denn eine Staatsbürgerschaft ist auch eine Art Gesellschaftsvertrag, im dem beide Seiten, das Land wie die Bürger, Verantwortung füreinander übernehmen. 

Der ehemalige Präsident der USA Barak Obama hat in seiner Abschiedsrede sehr treffend ausgedrückt, was das bedeutet.

Er hat gesagt:

„Trotz aller äußerlichen Unterschiede tragen wir doch alle den gleichen stolzen Titel des wichtigsten Amtes in einer Demokratie: Wir sind Bürgerinnen und Bürger.“

Eine Bürgerin oder ein Bürger sein – das ist das wichtigste Amt in einer Demokratie. Dieser Satz bringt auf sehr schöne Weise auf den Punkt, worum es geht.

Warum ist dieses Amt so wichtig? In einem Amt übernimmt man Verantwortung. Als Bürgerin und Bürger übernehmen wir Verantwortung für ein gutes und gerechtes Zusammenleben in diesem Land. Das ist es, was uns alle eint, unabhängig davon, woher wir kommen.

In einer liberalen und toleranten Demokratie zu leben, verlangt viel, zum Beispiel, dass Sie alle vier Jahre über die Zusammensetzung des deutschen Bundestages oder alle fünf Jahre über die Zusammensetzung der Hamburgischen Bürgerschaft mit abstimmen. Es ist aber auch wichtig, sich im Alltag dafür einzusetzen, dass wir alle miteinander klarkommen. Dass wir auch dort gut miteinander klarkommen, wo wir verschiedene Interessen verfolgen, wo uns unterschiedliche Überzeugungen leiten oder wo Lebenswelten sich wenig ähneln. Sich um ein gutes Miteinander zu bemühen – bei der Arbeit, in der Schule, in der Nachbarschaft –, das erwarten wir in Hamburg von denen, die hinzukommen, genauso wie von denen, die schon lange hier leben.

Der Hamburger Senat tut viel, damit alle eine Perspektive bei uns finden. In diesem Jahr haben  wir sogar gleich unser gesamtes  Integrationskonzept erweitert und modernisiert. „Wir in Hamburg!“ – so haben wir das Motto dafür genannt.

Der Bürger und die Bürgerin haben das wichtigste Amt in unserer Gesellschaft inne. Das stimmt. Aber dieses Amt kann man nur mit einer Staatsbürgerschaft im vollen Sinne ausfüllen. Deshalb freuen wir uns in Hamburg sehr über die vielen Einbürgerungen. Hamburg gehört zur Spitzengruppe der Bundesländer, in denen es proportional die meisten Einbürgerungen gibt. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

„Ohne Angst verschieden sein“ – so hat der deutsche Philosoph Theodor W. Adorno dieses Prinzip einmal genannt. Es ist die Voraussetzung für ein demokratisches und tolerantes Miteinander.

Eine lebendige Gesellschaft braucht die vielfältigen Erfahrungen und Horizonte ihrer Bürgerinnen und Bürger. Sie erweitern den inneren Horizont – und wir in Hamburg wissen, wie wertvoll ein weiter Horizont ist, im Kopf wie auf See. Aber wer die See kennt, weiß auch, wie wichtig ein Heimathafen und ein guter Anker sind. Hamburg ist eine Stadt, die es den Ankommenden leicht machen möchte, hier Anker zu werfen.

Hamburg mit seinem Welthafen hat immer ganz unterschiedliche Menschen angezogen: Städter und Landbewohner, Konservative und Liberale, Verfolgte und Etablierte. Seit Jahrhunderten sind die meisten Hamburger klug genug, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Unterschiede zu akzeptieren. Man ist hier gleich und kann doch anders sein – man ist eben unter Bürgerinnen und Bürgern.

Meine Damen und Herren,

ich war ein wenig neugierig und habe mich mal erkundigt, was Sie so arbeiten. Es war erstaunlich, wie viele Berufe da zusammengekommen sind. Hier im Festsaal sind heute Bürokräfte, Handwerker, Ingenieure, Kauffrauen, Musiker,  Reinigungskräfte, Ärzte, Servicemitarbeiter, Stadtplaner und viele andere.

Sie alle verdienen in Ihren Berufen nicht nur den Lebensunterhalt, Sie übernehmen wichtige Aufgaben. Sie helfen anderen, wieder gesund zu werden; Sie legen Leitungen oder planen, wie wir morgen wohnen werden; Sie arbeiten daran, dass Hamburg sauber ist, so dass man sich wohlfühlen kann; Sie sorgen für durchtanzte Nächte, ausverkaufte Konzertsäle oder dafür, dass nichts Wichtiges im Büro liegen bleibt. Kurzum: Sie kümmern sich. Sie übernehmen Verantwortung, damit das Zusammenleben funktioniert.

Hamburg braucht Bürgerinnen und Bürger wie Sie!

Wir freuen uns, dass Sie hier sind und wünschen Ihnen, dass sich Ihre Hoffnungen erfüllen mögen und Sie weiterhin für sich und Ihre Familie eine gute Perspektive finden.

Im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg gratuliere ich Ihnen sehr herzlich zur Einbürgerung!

Vielen Dank.

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