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29. September 2017 Eröffnung Bargheer-Museum

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Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Eröffnung Bargheer-Museum

Sehr geehrter Herr Justus,
sehr geehrter Herr von Buddenbrock,
sehr geehrter Herr Dr. Glasmacher,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Optische Fugen“, so hat Eduard Bargheer seine Form der Bildkomposition genannt. Wenn ich sein Gemälde „Südliche Stadt“ anschaue, das in meinem Amtszimmer hängt, dann wird mir sofort klar, was er damit gemeint hat. Wie in einer Fuge wiederholen sich dort die Stimmen beziehungsweise Motive und fügen sich stets etwas versetzt aneinander. Das ist auch heute noch eine sehr treffende Vorstellung von Urbanität. Und es ist ein schöner Kontrast, wie die formale Strenge der Fuge mit dem Flirren des südlichen Lichts zusammentrifft.

Eduard Bargheer gilt als der bedeutendste Maler der klassischen Moderne, den Hamburg hervorgebracht hat. Und er ist einer, den es lohnt, neu zu entdecken. Das gilt für seine Jahre in der Hamburger Sezession, für die intensive Schaffenszeit auf Ischia, wohin er sich während des Nationalsozialismus zurückgezogen hatte. Und es gilt ganz besonders für die Fünfzigerjahre, in denen die „Südliche Stadt“, von der ich erzählt habe, entstand.

Wer sich mit dem Maler Eduard Bargheer beschäftigt, dem wird noch einmal bewusst, wie der künstlerische Aufbruch in den Fünfzigerjahren dem Aufbruch der Gesellschaft in den 60ern vorherging. Und wie der Aufbruch damals ganz wesentlich den Weg dafür bereitet hat, dass die Bundesrepublik Deutschland wieder Anschluss an die Gemeinschaft westlicher Demokratien finden konnte. Die Fünfzigerjahre, das war nicht nur Wirtschaftswunder, das war auch der „Faust“ des Bargheer-Freundes Gustav Gründgens, der den Mephisto als nihilistischen Skeptiker darstellte. Das war die erste documenta, die 1955 unweit der sogenannten „Zonengrenze“ im teilzerstörten Fridericianum Künstler zeigte, die als „entartet“ verleumdet worden waren – darunter auch Eduard Bargheer. Für die Fünfzigerjahre stand auch der deutsche Beitrag auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel: Dort präsentierte sich die Bundesrepublik mit einem filigranen, fast völlig transparenten, achtgliedrigen Pavillon, dem sogenannten Wartesaal – einem radikalen Gegenentwurf zur faschistischen Repräsentationsarchitektur.

Eduard Bargheer gehörte zu denen, die in den fünfziger Jahren glaubhaft an den Aufbruch der 20er Jahre anknüpfen konnten – das ist ein großes Verdienst dieses Malers. Mit diesem Museum vergewissert sich Hamburg also auch ein wenig seiner eigenen Rolle als liberale und weltoffene Stadt.

Bargheers Leben und Werk war eng mit Hamburg verbunden. Drüben auf Finkenwerder ist er aufgewachsen, dort hatte er als junger Künstler Wohnkate und Atelier. Zu den Geschichten, die man über den Maler erzählt, gehört die, wie er samt komplettem Hausstand mit dem Ruderboot über die Elbe nach Blankenese umzog und dabei auch die zweiteilige „Klöndör“ aus seiner alten Kate mitnahm. Dass er nach Blankenese ging – und das Bargheer-Museum im Jenischpark nun ganz in der Nähe seines Wohnhauses eröffnet – lag übrigens daran, dass die Deutsche Werft sich auf Finkenwerder ausbreitete und dort eine Flugzeugfabrik gebaut wurde.

Eduardo – so wurde er in Forio und Florenz  genannt. Man muss wohl sagen, dass erst seine Zeit in Italien, die freiwillig gewählte wie die notgedrungene, ihn zu dem Maler gemacht hat, den wir heute feiern. Trotzdem blieb Eduard Bargheer Hamburg immer verbunden. Hier hatte er Künstlerfreunde, teils noch aus seiner Zeit auf Finkenwerder, hier waren die Geschwister nicht weit, und die Elbe war ihm seit Kindertagen vertraut. Aber die Nähe der frühen Jahre, die enge Verbindung zur Hamburger Kunstszene, die erlebte der Rückkehrer aus dem Exil später wohl nicht mehr.

Meine Damen und Herren,

das Eduard Bargheer Museum wird nun das Werk dieses großen Hamburgers dauerhaft zeigen und aufarbeiten. Zusammen mit dem Jenisch Haus und dem Barlach Haus entsteht im Jenischpark an der Elbe ein kleines, sehr feines Museumsensemble, das der Tradition Hamburgs als Stadt der Aufklärung und der Kunst gerecht wird. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die Realisierung des Eduard Bargheer Museums über einen so langen Zeitraum immer wieder voranzubringen.  Das war nicht unkompliziert. Aber heute können wir sagen: Die Anstrengungen haben sich gelohnt.

Ich danke allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben – und das waren viele. Ganz besonders danken möchte ich aber der Hans-Otto und Engelke Schümann-Stiftung, der Hermann-Reemtsma-Stiftung, Ernst Lichtenhahn stellvertretend für seinen  Bruder Fritz Lichtenhahn und dessen Frau, dem Vorsitzenden der Bargheer Gesellschaft, Dr. Peter Glasmacher, dem Freundeskreis und allen anderen zahlreichen Spendern und Unterstützern sowie Dirk Justus und Peter Silze, der die Eröffnung leider nicht mehr miterleben kann, für ihr herausragendes Engagement.  

Ab heute lädt das Eduard Bargheer Museum dazu ein, Hamburgs großen Maler der klassischen Moderne neu zu entdecken und mit ihm einen wichtigen Teil der Hamburgischen Kunstgeschichte.

Ich wünsche dem Museum und allen, die weiterhin daran arbeiten, die Hinterlassenschaft Eduard Bargheers zu ordnen und zugänglich zu machen, weiterhin viel Erfolg.

Besten Dank.

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