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4. Oktober 2017 Senatsempfang zur Eröffnung der Konferenz Model United Nations

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Senatsempfang zur Eröffnung der Konferenz Model United Nations

Dear students,
ladies and gentlemen,

willkommen im Hamburger Rathaus! Willkommen zum Senatsempfang für „Model United Nations of Hamburg“! Zum 9. Mal organisiert das Gymnasium Meiendorf diese internationale Konferenz. Das ist großartig. Ein herzliches Dankeschön an alle, die an diesem Projekt mitarbeiten!

Hamburg hat als Hansestadt eine lange Tradition der internationalen Zusammenarbeit. Die Hanse war die erste große Freihandelszone der Welt und im Mittelalter ein mächtiges Städtebündnis, dessen Einfluss von Lissabon bis Nowgorod reichte. Dass sich ehemalige Konkurrenten wie Hamburg, Bremen, Lübeck oder Köln zusammentaten und an internationalen Knotenpunkten wie London oder Brügge gemeinsame Geschäftszentralen einrichteten, das war im Mittelalter ein völlig neues Denken. 

Und dieses Denken hat Hamburg geprägt. Bis heute lädt die Hansestadt zum Beispiel jedes Jahr im Februar ihre Freunde ein und richtet ihnen ein Fest aus. Das Matthiae-Mahl gibt es seit 1356, es ist das älteste Gastmahl der Welt. In diesem Jahr hatten wir den kanadischen Premier Justin Trudeau zu Gast. 

Wir nehmen die Aufgabe, internationale Freundschaften zu pflegen, sehr ernst. So, wie es  in unsere Hamburgische Verfassung verlangt. Die Stadt wolle „im Geiste des Friedens eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt sein“, heißt es dort in der Präambel. 

Die Bedeutung der Vereinten Nationen und anderer Weltorganisationen wird in einer globalisierten Welt an Bedeutung weiter zunehmen. Eine besondere Verbindung zu den UN haben wir übrigens auch durch den Internationalen Seegerichtshof, der seit seiner Gründung 1996 in Hamburg seinen Sitz hat. Dem Seegerichtshof gehören 166 Staaten und die Europäische Union an. 

Hamburg ist also ein passender Ort für das „Model United Nations“. Ganz besonders freuen wir uns, dass so viele Schülerinnen und Schüler aus ganz Europa angereist sind, um sich gemeinsam mit den Hamburgerinnen und Hamburgern mit wichtigen Fragen der globalen Welt zu befassen und die Arbeit der UN kennenzulernen. Aus meiner Erfahrung als Politiker kann ich sagen: Das ist eine anspruchsvolle und sehr lohnende Aufgabe. 

Es ist eine große Stärke des Kongresses, dass Sie bei den UN nicht ihr eigenes, sondern ein anderes Land vertreten müssen. Dass man bereit und auch in der Lage ist, sich in die Fragestellungen und besonderen Sichtweisen eines anderen hineinzuversetzen, das ist eine wichtige Fähigkeit, um politische Ziele friedlich und auf demokratischem Weg zu erreichen. Und mit dieser Fähigkeit wird man nicht geboren, das muss man lernen. 

Wichtig ist auch, ein Gespür dafür zu bekommen, welches Wissen man sich aneignen muss. Dass in der Politik viel diskutiert wird, ist wichtig, aber es führt manchmal zu dem falschen Eindruck, es ginge vor allem um Meinungen. Politik besteht aber zu einem nicht geringen Teil aus inhaltlicher Arbeit. Man muss viel lesen und sich umfangreiche Kenntnisse auf ganz unterschiedlichen Gebieten aneignen. Politische Positionen muss man sich erarbeiten. Nur wer inhaltlich gut vorbereitet ist, kann auf lange Sicht überzeugend argumentieren und verhandeln. 

Das Model United Nations gibt Ihnen die einmalige Gelegenheit, politische Prozesse so nah wie möglich zu erleben. Sie reden nicht nur über Politik, Sie machen Politik, zumindest versuchsweise. Sie müssen sich das nötige Fachwissen aneignen, die Strukturen der UN verstehen und sich miteinander in Gremien den Kopf zerbrechen. Sie simulieren UN-Verhandlungen und sogar die Arbeit der Vollversammlung. Ich bin mir sicher, Sie werden es mit ganz anderen Ohren hören, wenn in Zukunft wieder eine UN-Resolution verabschiedet wird oder scheitert. 

Die Fragestellungen, mit denen Sie sich während der Konferenz befassen werden, haben es in sich:

  • Wie kann man in Krisengebieten zu Übereinkünften kommen, die die Sicherheit der Hilfsorganisationen gewährlisten?
  • Wie lässt sich der Seeverkehr rund um Afrika gegen Piraterie schützen?
  • Wie kann man den Schwarzmarkthandel mit menschlichen Organen stoppen?
  • Wie kann man den Konflikt um die Gebietsansprüche im südchinesischen Meer beilegen?
  • Wie lässt sich die radioaktive Verschmutzung maritimer Lebensräume reduzieren?

Das sind nur einige von ganz vielen komplexen Themen. Es ist wichtig, dass wir die Zusammenhänge verstehen. Und die Lösungen, die erarbeitet wurden, müssen auch durchgesetzt werden. Das ist auch für die reale UN oft sehr schwierig und es gelingt oft leider nicht, die Konflikte zu entschärfen. Manchmal dauern die  Abstimmungsprozesse auch einfach zu lange. Deshalb ist es wichtig, über die Struktur der UN erneut nachzudenken - um sie zu stärken und effektiver zu machen, nicht um ihr weitere Steine in den Weg zu legen. In unserer globalen Welt brauchen wir globale Regeln und globale Organisationen, die diese Regeln aushandeln und ihre Einhaltung durchsetzen.

Das Organisationskomitee und das Gymnasium Meiendorf leisten großartige Arbeit, um diesen Kongress vorzubereiten und durchzuführen. Und auch viele andere helfen mit – bei der Organisation, als Sponsoren oder Gasteltern. Das ist wirklich beeindruckend.

Ihnen allen wünsche ich viel Erfolg und viel Freude beim 9. Kongress Model United Nations in Hamburg. Und allen, die dabei vielleicht Gefallen an der Politik finden und überlegen, ob sie ihr Studium oder ihren Beruf in dieser Richtung wählen, kann ich nur Mut machen. Ich jedenfalls bin gerne Politiker, und das schon sehr lange.

Vielen Dank.  

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