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5. Oktober 2017 Eröffnung 25. Filmfest Hamburg

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Eröffnung 25. Filmfest Hamburg

Sehr geehrter Herr Wiederspiel,
sehr geehrter Herr Lynch,
sehr geehrte Mitglieder des Konsularischen Korps,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ein Viertel Jahrhundert – meinen Glückwunsch an das Filmfest Hamburg, an den heutigen Leiter Albert Wiederspiel und sein Team! Meinen Glückwunsch auch an alle Kinobegeisterten in Hamburg und drum herum – denn was wäre dieses Festival ohne sein neugieriges, anspruchsvolles und anhängliches Publikum!

Dieses Publikum macht den Unterschied. Es ist die entscheidende Größe, die aus einem Film erst Kino macht. Kino, das ist eine ganz besondere Form des Miteinanders auf Zeit. Diese 90 Minuten gemeinsames Erleben sind einmalig; sie sind veränder-, aber nicht ersetzbar.    

25 Jahre – das Filmfest Hamburg hat diese Zeit genutzt, um seine Rolle als Fixpunkt des Kinos im Norden beharrlich und klug auszubauen. Dabei gelingt es auch dieses Jahr wieder, den Reichtum des Weltkinos pars pro toto in der Hansestadt zu präsentieren und gleichzeitig vielversprechende, aber noch wenig bekannte Filmemacher vorzustellen.

Das Filmfest zeigt mit großem Einsatz Filme, die es auf dem Markt zunächst einmal schwer haben, die aber für die Kinokunst und für die gesellschaftliche Verständigung relevant sind. Das Festivalteam handelt dabei mit großer Überzeugungskraft und Treue gegenüber den Regisseurinnen und Regisseuren. Es gibt nicht wenige Filmemacher, die über Jahre immer wieder eingeladen werden – manche Karriere ließ sich so von Hamburg aus verfolgen.

131 Filme aus 59 Ländern stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Und wir alle hier im Saal sind  jetzt wohl gespannt auf „Lucky“, das Regiedebüt von John Caroll Lynch mit Harry Dean Stanton.  Der unnachahmliche Schweiger des amerikanischen Kinos hatte eine seiner größten Rollen 1984 in „Paris, Texas“ – und wenn Wim Wenders in diesem Jahr in Hamburg den Douglas-Sirk-Preis erhält, dann schließt sich hier auf schöne Weise ein Kreis.

Hamburg hat Wim Wenders einiges zu verdanken. Beim Filmfest der Filmemacher 1979 hat er zusammen mit Werner Herzog, Volker Schlöndorff, Hark Bohm und anderen in der sogenannten Hamburger Erklärung wichtige Impulse für eine unabhängigere Filmförderung gegeben – in der Folge wurde das Hamburger Filmbüro gegründet. Von 2002 bis 2017 war Wim Wenders dann 15 Jahre lang Professor für narrativen Film an der hiesigen Hochschule für Bildende Künste, die sich als äußerst produktive Talentschmiede einen Namen gemacht hat.  

Das lässt sich auch von der Hamburg Media School sagen, die gerade wieder von sich reden macht: Ihre Absolventin Katja Benrath und ihr Team holen für den Kurzfilm „Watu Wote“ den Student Academy Award, den sogenannten Studenten-Oscar, nach Hamburg. Und egal, ob dieser Oscar nun in Bronze, Silber oder Gold glänzen wird – ich gratuliere dem Team schon heute ganz herzlich zu dieser  außergewöhnlichen Auszeichnung und zu einem Film, der nicht nur vom Terror in Kenia, sondern vor allem vom Mut zur Menschlichkeit erzählt.

Meine Damen und Herren,

es zeichnet das Filmfest Hamburg aus, dass es nah an den Themen der Zeit ist, und das heißt im Jahr 2017: dass es sich besonders intensiv mit den Folgen der Globalisierung beschäftigt.

Filme berichten davon, wie Arbeitsplätze verlagert werden und Arbeitsprozesse sich verändern, sie beschäftigen sich mit der Zukunft der Städte und erzählen Geschichten von Migration und der Sehnsucht anzukommen. Spannend klingt das Programm zum Heimatfilm, für das zehn Geflüchtete ihren Lieblingsfilm aus der früheren Heimat ausgewählt und deutsch untertitelt haben. Und dann gibt es noch einen neuen Preis. Er trägt den Titel „Sichtwechsel“ und wird vom Auswärtigen Amt gestiftet. Mit dem Sichtwechsel-Preis werden erstmals Regisseurinnen und Regisseure ausgezeichnet, die außerhalb ihrer Heimat drehen, weil sie ihr Land verlassen mussten oder die Arbeit dort der Zensur unterliegt.

Für viele Filmemacher auf der Welt ist die Situation dramatisch. Einige versuchen, selbst unter schwierigsten Bedingungen weiterhin in ihren Heimatländern zu drehen; sie finanzieren ihre Filme privat, tragen das volle wirtschaftliche Risiko, bringen die Kopien beziehungsweise Festplatten außer Landes und brauchen dann einen Verleih und Festivals, die diese Filme zeigen. Dass das Filmfest Hamburg immer wieder Independent-Filme aus Ländern wie China oder Iran im Programm hat, die in ihren Produktionsländern  nicht aufgeführt werden dürfen, kann gar nicht genug gewürdigt werden.

Die Hauptsache am Menschen seien seine Augen und seine Füße. Man müsse die Welt sehen können und zu ihr hingehen. Das ließ Alfred Döblin seinen Franz Biberkopf in „Berlin Alexanderplatz“ sagen. Aber es trifft auch sehr gut auf das Filmfest Hamburg 2017 zu, das in besonderer Weise auf eine Welt zugeht, die nicht am Wegesrand liegt, und dabei genau hinschaut. Das Hamburger Filmfest holt das Weltkino nach Hamburg, das Kino der Welt, das diesen Namen wirklich verdient.

Ich wünsche Ihnen allen und auch all denen, die an den Kinokassen anstehen, kurzweilige, aufregende, nachdenkenswerte und zu Herzen gehende Kinostunden.

Danke für 25 Jahre Filmfest Hamburg!

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