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15. November 2017 77. Geburtstag von Eugen Block und Vorstellung der Block Wohltätigkeitsstiftung

Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

77. Geburtstag von Eugen Block und Vorstellung der Block Wohltätigkeitsstiftung

Sehr geehrter Herr Block,
lieber Ehrenbürger Uwe Seeler,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es war kreativ und innovativ, aber doch ein Irrtum: die These von Max Weber über die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. Als der deutsche Soziologe bemerkte, dass die protestantische Bevölkerung in Baden, Leipzig und Tübingen wohlhabender war als die dortige katholische, und dass Katholiken gerne in kleinen Handwerksbetrieben arbeiteten, während Protestanten in der Leitung von großen Unternehmen zu finden waren, schien ihm klar: dass muss an der Religion liegen. 

Die protestantische Arbeitsethik, erklärte Max Weber, habe eine innere Verbindung zum Kapitalismus: Der Glaube, dass Reichtum ein Gottesgeschenk sei – Weber dachte dabei vor allem an die Calvinisten – und man gut daran tue, mit dem Reichtum zugleich den Ruhm Gottes zu vermehren, durch Arbeit, Askese und Konsumverzicht, all das erkläre, warum Protestanten ökonomisch erfolgreicher seien.

Aber er hatte nicht mit Eugen Block gerechnet.

Der gute Katholik aus Harkebrügge machte sich daran, Max Weber auf seine Art zu widerlegen. 1968 gründete er das erste Block-House in Hamburg Winterhude. In nur 50 Jahren baute er daraus eines der größten Gastro-Unternehmen Deutschlands auf, etablierte das größte 5-Sterne Privathotel in der Bundesrepublik und eine prosperierende Unternehmensgruppe. Heute gehören zur Block-Gruppe die Block House Fleischerei, der Block House Handel sowie Block Menü. Sie vertreiben die Produkte europaweit an Groß- und Einzelhandel sowie 1500 Gastronomen und Hotels. Dazu kommen Jim-Block, der Zentraleinkauf, die Block Systems, die Block Daten und die Block Bau & Technik. Die Block-Holding umfasst inzwischen 18 Unternehmen, darunter 69 Restaurants. Sie beschäftigt 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat einen Umsatz von fast 400 Millionen Euro.

Ein fulminanter sozialer Aufstieg. Gestartet mit einem überschaubaren Kapital und mit dem, was ihm Familie, Schule und Ausbildung an Kenntnissen mitgegeben haben. Sein Rezept: Gutes Essen und gute Bewirtung. Seine Mission ist die, die Gäste zu begeistern und das gelingt. Es gibt Block-Fans, die kommen stets mit der ganzen Familie, Kollegen, die zu Eugen Block immer dann gehen, wenn es etwas zu feiern gibt und das übergreifend: jung sowie alt und egal, wie dick der Geldbeutel ist.

Dabei sollte Eugen Block eigentlich Theologie studieren und Pfarrer werden, katholisch natürlich, weil er in der Schule so gut in Religion war. Deshalb gehört zur Block-Gruppe auch eine Brauerei, so, wie es zum Katholischen Lebensstil selbst in Klöstern passt.

Selbstverständlich sind überall auch Frauen dabei, viele in verantwortlichen Positionen, wie die Tochter Christina Block. Ganz abgesehen davon, dass der Tipp nach Hamburg zu gehen, von der Mutter Maria Block kam und im Grunde das gesamte Block-Imperium eine Koproduktion von Christa Block (geborene Hauschild) und Eugen Block ist.

Nach Askese klingt das nicht, auch wenn es natürlich überall auch vegetarische Gerichte gibt und auf die Gesundheit von Mensch und Tier geachtet wird. Wohlfühlen sollen sich auch die Arbeitnehmer: Seit 1993 unterhält Eugen Block in Hamburg einen Kindergarten, damit die Eltern unter den Beschäftigten beruhigt zur Arbeit gehen können. Zudem wurden Block-House, das Grand Elysée und Jim Block 2017 als „Hamburgs beste Arbeitgeber“ ausgezeichnet.

Übrigens, interessant ist, wie sich der Irrtum Max Webers auflöst: Der Sozialökonom Ludger Wößmann, ebenfalls katholisch, erklärt es so: Luthers Idee, jeder solle die Bibel lesen können, wirkte wie ein riesiges Bildungsprogramm, mit Schulgründungen und endlich auch Bildung für Mädchen. So lagen dann die Schulbesuchsquote und die Alphabetisierungsquote in den (von Weber untersuchten) protestantischen Gemeinden damals deutlich höher. Nicht Religion, sondern Bildung ist der zentrale Aspekt für Wohlstand.

Nun, das weiß man im Hause Block schon lange: Heinrich Block, der Vater von Eugen Block, hat  immer betont: „Das Beste, was wir euch mitgeben können, ist eine solide Ausbildung.“ Daran hält sich auch der Sohn. So hat das Grand Elysée 2017 zum dritten Mal das Zertifikat „Exzellenter Ausbildungsbetrieb“ der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland bekommen.

Dennoch sollten wir nicht verschweigen, dass das unternehmerische Werk von Eugen Block auch von religiöser Überzeugung getragen wird. Zu den zentralen Prinzipien der Katholischen Soziallehre gehören das Bemühen um die persönliche Vervollkommnung, aber auch Prinzipien wie Solidarität, der Vorrang familiärer Verantwortung [Subsidiarität] und die Orientierung an der goldenen Regel.

Der Nestor der Katholischen Soziallehre, Arthur Utz aus Bern, lehrt: Allein das Gemeinwohl könne das Ziel sittlicher Entscheidungen sein. Es sei der „Wert, der als gemeinsam aufgetragenes Ziel die einzelnen Menschen eint“. Utz, der übrigens bis ins hohe Alter von über 90 Jahren eine enorme Produktivität zeigte, lobt dabei auch die bedeutende Rolle von Stiftungen.

Es scheint, als habe sich Eugen Block nicht nur die enorme Kraft von Utz, sondern auch seine Grundgedanken zum Vorbild genommen: Mit der Gründung der Stiftung Block, zeigt Eugen Block wieder einmal, wie wichtig ihm es ist, für das Gemeinwohl Verantwortung zu übernehmen. Die Themen der Stiftung spiegeln Blocks Talente und seine Biografie, sie speisen sich aus den Erfahrungen und blicken zugleich in die Zukunft der Hotellerie- und Gastronomie.

Stiftungen haben eine hohe Vertrauenswürdigkeit, da sie im Grunde kein Eigeninteresse haben. Das ist der große Unterschied zu einem privatwirtschaftlichen Unternehmen. Und doch haben die Unternehmensführung und das philanthropische Engagement viele Gemeinsamkeiten.

Der rechtliche Akt ist nur der Anfang,  für die eigentliche Dynamik braucht es viel mehr. Die Führung einer Stiftung ist durchaus mit dem Aufbau und der Leitung eines Unternehmens zu vergleichen. Das betont zum Beispiel auch Bill Gates, der ja bekanntlich beide Seiten kennt. Es sind oft Persönlichkeiten, die die Idee tragen, auch eine Stiftung muss mit begrenzten Ressourcen umgehen, die eigene Besonderheit kennzeichnen und den Austausch nutzen.

Hamburg ist dafür ein sehr guter Standort: Gut 1.400 Stiftungen haben wir bis heute, nun kommt ein weiterer kreativer Impuls dazu: Die Stiftung Block. Sie verbindet das christliche Anliegen Blocks mit denen des Unternehmers Blocks. Sie wird eine Bereicherung für Hamburg sein und weit darüber hinaus wirken. Aber sie wird auch Arbeit machen, für die Gründer und die Block-Familie.

Aber lassen Sie uns auch über die Pausen vom Alltag sprechen, die Festtage. Heute feiern wir ja auch – ein wenig verspätet – den Geburtstag von Eugen Block. Dass es wirklich schon 77 Lebensjahre sind, kann ich nicht bezeugen, und schauen Sie sich Eugen Block an: er auch nicht.

Wie dem auch sei. Es ist ja oft so, dass man zum Geburtstag ein Buch geschenkt bekommt. Mir gefällt eine solche Geste, zeigt sie doch, dass man den gedruckten Worten eine Bedeutung beimisst, die Fakten schätzt und das Erzählte mag.

Besonders ist es hingegen, wenn der Gefeierte zum Geburtstag ein Buch bekommt, in dem er selbst die Hauptperson ist. Ein Buch zudem, das eine zeitgeschichtliche Dokumentation ist, die viel über die Chancen beruflicher Veränderungen und Erfahrungen im Ausland erzählt, und die beweist, dass Hamburg eine Gründerstadt ist. Ich möchte mal behaupten, ein solches Buch zum Geburtstag zu bekommen, das kommt sehr selten vor.

Gänzlich ungewöhnlich scheint es mir jedenfalls, wenn das dann auch noch ein Buch ist, an dem der Beschenkte selbst mitarbeiten musste: um die Fragen zu beantworten und die Geschichten zu erzählen.

Lesen Sie selber, ich will nicht noch mehr verraten. Nur so viel: Am Ende, auch mit Blick auf die darin veröffentlichten Fotos, passt es ungemein auf die amerikanische Art zum Geburtstag zu gratulieren und zu sagen:

„For he’s a jolly good fellow.”

Und damit ist eigentlich auch das Wichtigste gesagt – über Eugen Block und über die Katholische Arbeitsethik.

Vielen Dank!

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