7. Mai 2018 Kleiner Überseetag

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Dr. Peter Tschentscher.

Kleiner Überseetag

Sehr geehrter Herr Behrendt,
sehr geehrter Prof. Stratmann,
sehr geehrte Botschafterin und Mitglieder des Konsularischen Korps,
sehr geehrter Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Abgeordnete,
meine sehr geehrten Mitglieder und Gäste des Übersee-Clubs, 

vielen Dank für die Einladung zum 69. Übersee-Tag. Eines der Ziele, die seit der Gründung Ihres traditionsreichen Clubs vor fast 100 Jahren verfolgt werden, besteht darin, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen und ein einheitliches Handeln von Wirtschaft und Politik zu fördern. 

Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – das sind drei Welten mit unterschiedlichen Denkarten, die Ihr Club zusammenbringen möchte. Eine respektable Aufgabe! Dass ich die Ehre habe, an einem Übersee-Tag ein Grußwort zu halten, liegt nicht an der wissenschaftlichen Arbeit in meinem früheren Leben, sondern an dem politischen Amt, das ich vor einigen Wochen übernommen habe. Gleichwohl bin ich gespannt darauf, was ein Wissenschaftler und Präsident der Max-Planck-Gesellschaft heute in seinem Vortrag auf die zwei Fragen antwortet „Brauchen Metropolen Wissenschaft?“ und „Braucht Wissenschaft Metropolen?“. 

Der Hamburger Senat hat die erste Frage - „Braucht eine Metropole wie Hamburg Wissenschaft?“ – für sich selbst und in meiner Regierungserklärung vor wenigen Wochen eindeutig mit „Ja“ beantwortet. Denn in den großen Metropolen der Welt stellen sich die Fragen und zeigen sich die Probleme der Zukunft früher als woanders. 

Wenn die Metropolen damit die Pioniere der gesellschaftlichen Entwicklung sind, können Sie sich in ihrem Handeln nicht an Vorbildern orientieren, sondern müssen die Lösungen selbst erstmalig erarbeiten. Das Wissen um die Potenziale des technischen und sozialen Fortschritts ist dabei die entscheidende Dimension. Am einfachsten erkennbar ist dies im technischen Bereich. 

Wenn wir in einer Stadt wie Hamburg 

  • mit den Anforderungen der Mobilität von bald 2 Millionen Einwohnern,
  • mit der höchsten Wirtschaftskraft und der höchsten Wertschöpfung pro Einwohner in ganz Deutschland,
  • mit einem starken industriellen Sektor,

wenn wir weiterhin wettbewerbsfähig bleiben und unter gesunden Lebensbedingungen, nachhaltig, im Einklang mit der Natur leben und arbeiten wollen, dann geht das nur mit neuen Technologien. Neuen Antriebstechnologien für eine emissionsfreie Mobilität, neuen Produktionstechnologien und der Digitalisierung in den Unternehmen, mit einer besseren Gewinnung, Speicherung, Übertragung und Nutzung regenerativer Energien. 

Mit anderen Worten: Wir alle wollen auf der einen Seite weiterhin eine starke Wirtschaft, am Wohlstand teilhaben, uns frei und komfortabel bewegen, aber auf der anderen Seite zugleich saubere Luft atmen, grüne Freiräume haben und wenig Lärm ertragen. 

Die Wissenschaft hilft uns, diesen Zielkonflikt zu lösen und beides gleichzeitig zu erreichen. Dabei ist die Frage „Brauchen Metropolen Wissenschaft?“, ist die Wissenschaft insofern für etwas zu gebrauchen und ist sie in diesem Sinne nützlich, für einige Wissenschaftler schon fast verdächtig. Die Frage nach der Nützlichkeit könnte die Freiheit von Wissenschaft und Forschung beeinträchtigen. 

In der Medizin - in der ich über 25 Jahre tätig war - ist dies kein großes Thema. Die medizinische Forschung dient im Bewusstsein aller der besseren Erkennung und Behandlung von Erkrankungen. Die Anwendung neuer Erkenntnisse der Grundlagenforschung auf praktische Behandlungsverfahren in der Universitätsmedizin ist dabei ein selbstverständlicher Zweck und eine eigene interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeit. Bei einer breiteren Anwendung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren, in die auch pharmazeutische, biotechnologische und medizintechnische Unternehmen einbezogen sind, entstehen wiederum neue Daten, Studienergebnisse und Fragestellungen für die Grundlagenforschung, sodass die Medizin ein Paradebeispiel darstellt für einen Innovationszyklus aus Wissenschaft im Sinne von Grundlagenforschung, der Anwendung und des Wissenstransfers in die Praxis und wiederum neuer Impulse für die Grundlagenforschung. 

Einen solchen Innovationszyklus wollen wir in Hamburg insbesondere auch im technischen Bereich der sogenannten MINT-Fächer und unserer Wirtschaft noch stärker nutzen, indem wir die klügsten Köpfe für die Wissenschaft und Wirtschaft ausbilden, sie aus aller Welt anziehen und in Innovationszentren zusammenbringen wie im bereits eröffneten Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung auf Finkenwerder, im Umfeld der Technischen Universität in Harburg, der innovativen wissenschaftlichen Einrichtungen in Bergedorf und einer neuen Science City in Bahrenfeld im Umfeld des DESY. 

Soweit die Sicht des Hamburger Senats auf das heutige Thema, bzw. die erste Frage. Ich bin gespannt auf den Vortrag von Professor Stratmann und besonders seine Antwort auf die zweite Frage, ob die Wissenschaft auch Metropolen braucht. Auf jeden Fall bedanke ich mich im Namen des Senats für die Arbeit des Übersee-Clubs, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenzubringen, was sehr im Interesse unserer traditionsreichen Hansestadt liegt - und für die Einladung zum 69. Übersee-Tag 2018. 

Herzlichen Dank.

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