Senatskanzlei

26. Juni 2018 Einbürgerungsfeier

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Dr. Peter Tschentscher.

Einbürgerungsfeier

Sehr geehrte Vertreter der Bürgerschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mädchen und Jungen, 

Hamburg gilt in Deutschland als das „Tor zur Welt“. Dieses Tor ist in beide Richtungen offen: für diejenigen, die in die Welt hinauswollen, und diejenigen, die zu uns kommen. 

Viele Menschen sind in den vergangenen Jahrhunderten über Hamburg und unseren Hafen ausgewandert. Seit Jahrhunderten kommen aber auch Männer und Frauen aus ganz unterschiedlichen Ländern in die Freie und Hansestadt Hamburg, um hier ihr Glück zu suchen und zu finden, sich ein sicheres und besseres Leben aufzubauen. 

193 Staaten sind Mitglied der Vereinten Nationen, Menschen aus über 180 Staaten leben in Hamburg. 

Wir sind dadurch eine internationale Stadt mit Beziehungen in alle Welt. Das ist gut für unsere Wirtschaft und führt zu Wohlstand, an dem alle teilhaben sollen. 

Es führt aber auch dazu, dass bei uns viele unterschiedliche Kulturen und Religionen gelebt werden, die sich gegenseitig respektieren müssen und als Bereicherung empfunden werden sollten. 

Über 630.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben in Hamburg. Das ist mehr als jeder Dritte. Auch Sie oder Ihre Eltern sind in anderen Ländern geboren, leben aber seit vielen Jahren in Hamburg. 

Sie haben die deutsche Sprache gelernt,

  • bekennen sich zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung,

  • achten also unsere Rechtsordnung und die Regeln der Demokratie

  • und Sie haben sich entschieden, nun auch die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, also offiziell Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland zu werden und einen deutschen Pass zu beantragen.

Das ist eine wichtige Entscheidung für Ihr zukünftiges Leben in Deutschland, über die wir uns sehr freuen und die wir heute in diesem festlichen Rahmen im größten Saal des Hamburger Rathauses gemeinsam feiern wollen. 

Viele bekannte Hamburgerinnen und Hamburger haben sich wie Sie für eine Einbürgerung in Deutschland entschieden. 

Unser Ballettdirektor John Neumeier zum Beispiel, die ehemalige Staatsministerin Aydan Özuguz, der frühere Hamburger Wirtschaftssenator Ian Karan, der ehemalige Europa-Abgeordnete Vural Öger und die Boxerin Susianna Kentikian. 

John Neumeier kam als Tänzer aus den USA nach Deutschland. 

Die Eltern von Aydan Özuguz reisten 1961 als Gastarbeiter aus Istanbul ein. 

Ian Karan wurde in Sri Lanka geboren, das bis 1972 Ceylon hieß. 

Er ging wie Vural Öger, der aus Ankara stammt, zum Studieren nach Europa. 

Susianna Kentikian verließ 1996 zusammen mit ihrer Familie ihr Herkunftsland Armenien wegen des Konflikts um Bergkarabach. 

Die Lebenswege dieser bekannten Hamburgerinnen und Hamburger zeigen: Wer nach Deutschland kommt, kann hier ein gutes Leben führen und viele Freunde finden. Dafür muss man nicht prominent sein. Es reicht, dass man guten Willens ist, sich anstrengt und Mühe gibt. 

Vielleicht haben Sie bei Ihrer Entscheidung für eine deutsche Staatsbürgerschaft  auch die Hilfe von ehrenamtlichen Einbürgerungslotsen in Anspruch genommen, denen ich für ihre Arbeit an dieser Stelle sehr herzlich danken möchte. 

Sie kennen sich mit den Formalitäten einer Einbürgerung gut aus. Die meisten können auch in andere Sprachen übersetzen, weil sie selbst vor einiger Zeit aus einem anderen Land zu uns gekommen sind. 

Im vergangenen Jahr 2017 wurden rund 5.600 Personen eingebürgert. Darüber freuen wir uns sehr. Einigen von Ihnen darf ich gleich – stellvertretend für alle anderen – die Einbürgerungsurkunde übergeben. 

Rechte und Pflichten

Eine Einbürgerung ist aber mehr als ein formaler Verwaltungsakt, bei dem man einen deutschen Pass und einen deutschen Personalausweis erhält. Sie ist auch ein Bekenntnis zu unseren Werten, zu unserem Grundgesetz, zur politischen Ordnung und zur Kultur unseres Landes. 

Mit der Staatsbürgerschaft erhalten Sie alle Rechte und Pflichten der Bürgerinnen und Bürger in Hamburg, in Deutschland und in Europa. 

Das heißt, Sie sind ab jetzt auch Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union mit den gleichen Rechten und Pflichten wie alle anderen über 500 Millionen Europäerinnen und Europäer. 

Das ist eine starke Gemeinschaft, die wichtig ist für den Frieden, die Demokratie und den Wohlstand in unseren Ländern. 

Zum Schluss möchte ich noch etwas ansprechen, was nichts mit Gesetzen oder einem Pass zu tun hat. 

Das ist der Begriff „Heimat“. Für einige ist die Heimat das Land oder der Ort, aus dem sie und ihre Eltern stammen, in dem sie geboren und aufgewachsen sind. 

Für andere ist Heimat dort, wo sie heute leben, wo sie zu Hause sind, sich geborgen fühlen, wo sie Freunde haben oder – um es poetisch zu sagen - wo ihr Herz wohnt. 

Ob Sie nun Ihr Herkunftsland oder Hamburg als Ihre Heimat bezeichnen, ist Ihre persönliche Entscheidung. Sie sind uns in Hamburg in jedem Fall herzlich willkommen. 

Wichtig ist, dass Sie sich in Hamburg wohlfühlen, dass Sie Ihre Fähigkeiten entwickeln, Ihr Glück finden und zum Wohle der Stadt beitragen können. 

„Hamburg. Mein Hafen. Deutschland. Mein Zuhause“ – so heißt das Motto unserer Einbürgerungskampagne. Ich hoffe, dass Sie sich bei uns zu Hause fühlen. 

Vielleicht sagen Sie eines Tages sogar „Hamburg ist meine Heimat“, auch wenn Sie in einem anderen Land eine zweite Heimat haben. 

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und gratuliere Ihnen sehr herzlich zur Einbürgerung. 

Vielen Dank.