22. Juli 2018 Gedenkfeier 75 Jahre Operation Gomorrha

Rede des Ersten Bürgermeisters, Dr. Peter Tschentscher.

Gedenkfeier 75 Jahre Operation Gomorrha

Sehr geehrte Frau Bischöfin,
sehr geehrter Herr Erzbischof,
sehr geehrte Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Mitglieder des konsularischen Korps,
sehr geehrter Herr Batz und Herr Pastor Röder,
sehr geehrte Damen und Herren, 

„Operation Gomorrha“ ist die militärisch-technische Bezeichnung der wohl größten Zerstörung und Not, die unsere traditionsreiche Stadt in ihrer Jahrhunderte langen Geschichte erlebt hat. 

An Gedenktagen wie diesen ist es üblich zu beschreiben, wie durch die Bombenangriffe der Alliierten in den Tagen vom 24. Juli bis 3. August 1943 ganze Stadtteile Hamburgs dem Erdboden gleich gemacht, große Teil der Stadt verwüstet und historische Gebäude wie die stolze St. Nikolai-Kirche zerstört wurden. 

Die damit verbundene menschliche Not lässt sich dagegen schwer in Worte fassen. 

Nur wenige Monate, nachdem die Nationalsozialisten die deutsche Bevölkerung  mit der Propagandarede „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ noch einmal auf die bevorstehenden militärischen Kampfhandlungen eingeschworen hat, erlebte Hamburg, was ein solcher „totaler Krieg“ für die Menschen bedeutet. 

Und zwar unabhängig davon, ob sie etwas dazu beigetragen hatten, dass die Nazis die Macht übernehmen konnten, eine systematische Ermordung von Menschen jüdischen Glaubens organisierten und Europa in den Zweiten Weltkrieg stürzten. 

Im Sommer 1943 richtet sich der Schrecken eines Krieges, der zuvor Not und Zerstörung nach Polen und in die Sowjetunion, nach Frankreich, Griechenland und andere europäische Länder gebracht hatte, im Sommer 1943 richtet sich der Schrecken dieses Krieges gegen die Bürgerinnen und Bürger Hamburgs. 

Die militärische Strategie der Alliierten ist darauf gerichtet, den Kriegswillen der Deutschen zu brechen und eine baldige Kapitulation herbeizuführen. 

Die Tage Ende Juli, Anfang August 1943 waren ähnlich sommerlich warm wie heute in diesen Tagen. Durch eine gezielte Abfolge von Angriffen mit Spreng- und Brandbomben kommt es zu Explosionen und einem Feuersturm, der Zehntausende Menschen das Leben kostet: Tätern und Unterstützern des Nazi-Regimes, aber auch vielen unschuldigen Menschen in Hamburg bis hin zu Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. 

Die Trümmer der Bombardierungen wurden nach dem Krieg bald beseitigt. Die Erinnerungen an die Kriegserlebnisse aber haben die Betroffenen für ihr Leben lang geprägt und begleitet. 

Die Berichte der heute noch lebenden Zeitzeugen stammen von Menschen, die den Feuersturm als Jugendliche oder Kinder erlebt haben. Sie waren vor Kriegsbeginn, in den Jahren als die Nationalsozialisten die Macht übernommen und die junge Demokratie der Weimarer Republik beendet hatten, entweder noch gar nicht geboren oder so jung, dass sie keinen Einfluss auf den Gang der Dinge nehmen konnten. 

Ihre Elterngeneration hätte zum richtigen Zeitpunkt etwas ändern können am Schicksal Europas im zwanzigsten Jahrhundert. 

Zum 50. Jahrestag der Operation Gomorrha vor 25 Jahren hat Helmut Schmidt in einer Gedenkveranstaltung im Hamburger Rathaus gesagt, „man muss dem Übel schon im Beginn widerstehen, möglichst aber gemeinsam mit anderen.“ 

Deshalb gehört zu einem Gedenken an die Operation Gomorrha in Hamburg auch immer das Gedenken an den Weg der Deutschen in den totalitären Staat und an die Ursachen von Aggression und Feindschaft zwischen Völkern, unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Populismus und Fremdenfeindlichkeit ist ein solches Übel, und das gibt es bis heute auf der Welt, in Europa und bei uns in Deutschland. 

Meine Damen und Herren, 

die Erinnerung an die Operation Gomorrha und die nationalsozialistische Zivilisationszerstörung dient immer auch als Mahnung und Aufforderung, sich heute für Demokratie und Menschenrechte und für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung stark zu machen. 

Das ist unsere eigene historische Verantwortung für den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der sich in den Sommertagen des Jahres 1943 mit der Operation Gomorrha in besonderer Härte gegen die Freie und Hansestadt Hamburg gerichtet hat. 

Wir trauern und gedenken heute nicht nur der Opfer der Operation Gomorrha, sondern auch der Opfer von Bombardierungen der Alliierten in Lübeck und Rostock, Köln, Dresden und weiteren Städten in Deutschland. 

Und wir gedenken der Opfer deutscher Angriffe auf Coventry, Rotterdam, Belgrad, Warschau und viele andere Städte in Europa, in Polen, Russland, Frankreich, Großbritannien und anderen Ländern. 

Ich bedanke mich im Namen des Senats bei allen, die zu den Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag der Operation Gomorrha beigetragen haben. 

Herzlichen Dank.

Regierungserklärung

Bundespolitik

Der Senat