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18. Januar 2018 Besichtigung MVR (Müllverwertungsanlage am Rugenberger Damm) und Besuch der Betriebsratsversammlung

Grußwort des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Besichtigung MVR (Müllverwertungsanlage am Rugenberger Damm) und Besuch der Betriebsratsversammlung

Sehr geehrter Herr Herzberg,
sehr geehrter Herr Hoff,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist sehr beeindruckend, die hochmoderne Verwertungsanlage am Rugenberger Damm zu besichtigen. Vielen Dank für diese spannende Gelegenheit!  Und Dank auch für Ihre gute Arbeit. Das ist ja mit das Erste, das einem beim Gang durch die Anlage ins Auge springt: wie viel hoch qualifizierte und verantwortungsvolle Arbeit hier geleistet wird.

Der Begriff „Müll“ mutet nach der Besichtigung hingegen recht altertümlich an und man möchte eine Wette darauf abgeben, wann er ins Lexikon der bedrohten Wörter aufgenommen wird. Im Lexikon der bedrohten Wörter werden Begriffe gesammelt, die früher Gang und Gebe waren, heute aber nur noch von den Älteren verstanden werden. Begriffe wie Fräulein, Groschen, Wählscheibe oder Bandsalat – und sicher bald auch „Müll“. Denn Müll in seiner ursprünglichen Bedeutung gibt es für eine Anlage wie die MVR kaum noch. Dass der Müll durch hochqualifizierte Verarbeitungsmethoden zu einer Ressource für die  Energie- oder Wärmegewinnung geworden ist, das ist nicht zuletzt auch das Verdienst Ihrer guten Arbeit und der fortwährenden Modernisierung der Müllverwertungsanlage am Rugenberger Damm.

Die MVR spielt bei der Hamburger Energie- und Wärmewende eine wichtige Rolle. Damit Hamburg in den kommenden zehn, fünfzehn Jahren seine Klimaziele erreicht, brauchen wir Alternativen zur herkömmlichen Energiegewinnung, die nicht nur CO2 einsparen, sondern die auch wirtschaftlich sind und die qualifizierte Arbeitsplätze schaffen oder sichern.

Hamburg setzt bei der Wärmewende auf gute Rahmenbedingungen für die Einführung von Innovationen. Die MVR nimmt bei der  Automatisierung und Digitalisierung unter den deutschen Industrieanlagen einen Spitzenplatz ein. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag für die zukünftige Wärmeversorgung der Hamburgerinnen und Hamburger sowie für die Sicherung der Arbeitsplätze im Unternehmen.

Die Zukunft der MVR wird durch die sogenannte „Südvariante“ weiter gestärkt. Kurz vor Jahresende hat die Gesellschafterversammlung der Fernwärme Hamburg GmbH (VWH) beschlossen, für die Vorbereitungen zur Elbquerung 6,8 Millionen Euro bereitzustellen. Die Leitung verbindet das südliche mit dem nördlichen Ufer und wird die MVR an das Fernwärmenetz auf der anderen Elbseite anschließen. Das wird erheblich dazu beitragen, etwa 150.000 Bürgerinnen und Bürger im Hamburger Westen bei einem zurückgehenden Einsatz fossiler Energieträger sicher mit Wärme zu versorgen.  

In Hamburg wird die Bedeutung des Abfalls als Ressource weiter zunehmen. Die Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm soll  auch nach dem April 2019, wenn der jetzt geltende  Entsorgungsvertrag mit der Stadtreinigung Hamburg ausläuft, eine wichtige Rolle in der Entsorgung von Abfall und der Versorgung mit Wärme und Energie spielen. Ich freue mich sehr, dass MVR und Stadtreinigung in einer Ausschreibung der südlichen Landkreise erfolgreich waren. Dadurch konnte die Auslastung der Anlage für die Zeit nach April 2019 schon heute zu mehr als einem Drittel gesichert werden.  

Die Stadtreinigung Hamburg sieht in der MVR auch für die Zukunft eine wichtige Säule der Hamburger Abfallwirtschaft. Die moderne Technik und die verkehrsgünstige Lage im Hafen unter der Köhlbrandbrücke sind wichtige Argumente im Wettbewerb auf dem Abfallmarkt. Eine aufwändige Rauchgasreinigungsanlage sorgt für beispielhaft niedrige Emissionswerte. Mit Vattenfall und der Stadtreinigung Hamburg hat die MVR zudem zwei starke Gesellschafter – und auch bei der Stadt müssen Sie keine lange Überzeugungsarbeit leisten, um sie von der Leistung des Unternehmens zu überzeugen. 

Über Vattenfall Wärme liefert die MVR unterbrechungsfrei Prozessdampf für die Ölwerke Schindler. Über den Wärmeabnehmer HanseWerk Natur wird ein Baugebiet in Neuwiedenthal mit Fernwärme aus der MVR versorgt. Diese kombinierte Nutzung der Energie für die Bereitstellung von elektrischem Strom, Prozessdampf und Fernwärme macht die Anlage hocheffektiv. Dass wir jetzt die Weichen für einen künftigen Anschluss der MVR an das Fernwärmenetz der Stadt stellen, wird erheblich dazu beitragen, die Arbeitsplätze hier zukunftssicher zu machen.

Es ist eine große Leistung des Unternehmens, dass es sich über die vergangenen 18 Jahre ständig weiterentwickelt hat und immer wieder mit Innovationen voranging. Diese Leistung war möglich, weil das Unternehmen sich auf ihre gut ausgebildeten, erfahrenen und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen kann. Der Erfolg der MVR ist auch ihr Erfolg. Darauf sind Sie alle hier hoffentlich auch ein wenig stolz.

Innovationen haben den Müll zu einem wirtschaftlich relevanten Stoff gemacht. Aber die Müllverwertung unserer Stadt ist auch selber ein Treiber für Innovationen. So arbeitet die Stadtreinigung Hamburg eng mit der Technischen Universität Hamburg zusammen. Dort wird zum Beispiel zur Rückgewinnung seltener Erden oder zur differenzierten Verwertung von Bioabfällen gearbeitet – das geht teilweise Richtung Grundlagenforschung.

Andere wissenschaftliche Projekte konzentrieren sich auf anwendungsreife Innovationen. Mit Beteiligung der Stadtreinigung wurde in den vergangenen Jahren etwa erfolgreich zur Energiegewinnung aus Biomasse oder zur Verwertung von Hausmüllverbrennungsschlacken geforscht. In der Folge arbeitet die Stadtreinigung Hamburg jetzt an einer entsprechenden Nachrüstung ihrer Anlagen zur Schlackenaufbereitung. Auch für die Erforschung des Autonomen Fahrens von Kleinkehrmaschinen auf Fußwegen gibt es konkrete Pläne. Hier ist eine Kooperation mit verschiedenen deutschen und internationalen IT-Unternehmen angedacht.

Forschung und Innovation sichern die Zukunft der der Stadt, der MVR und vieler Arbeitsplätze. Die Arbeit wird sich mit der Digitalisierung und dem technischen Fortschritt weiter verändern, aber Erfahrung und Expertise bleiben gefragt. Ohne sie lässt sich keine Innovation erfolgreich einführen und keine komplexe Technik nutzen. Die MVR steht auch dank ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut da. Sie kann einer weiteren Modernisierung des Systems von Ent- und Versorgung zuversichtlich entgegensehen. Das geplante Zentrum für Ressourcen und Energie der Stadtreinigung (ZRE) soll hier Impulse geben, die  die ganze Branche voranbringen.

Für die Zukunft wünsche ich Ihnen allen alles Gute. Ich habe mich über die Gelegenheit, die MVR einmal persönlich besuchen zu können, sehr gefreut.

Vielen Dank.  

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