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22. Januar 2018 Besuch Zeit-Stiftung mit Bundespräsident Steinmeier

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz. Thema der Veranstaltung: Was die Gesellschaft zusammenhält - Bürgerengagement und Stiftungen für ein starkes Gemeinwesen.

Besuch Zeit-Stiftung mit Bundespräsident Steinmeier

Sehr verehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Professor Göring, 
sehr geehrte Frau Professor Boele-Woelki,
sehr geehrter Herr Professor Lahnstein, 
meine Damen und Herren,

Wir wollen etwas zurückgeben: Dieser Satz fällt häufig, wenn man fragt, warum jemand fürs Gemeinwohl tätig wird – sei es als Stifterin oder Stifter oder durch ein Ehrenamt oder andere  freiwillige Dienste. Eine weitere Antwort lautet: Wir wollen etwas verändern, wollen Ungerechtigkeiten und Mängel beheben oder verringern. Und nicht selten kommt beides  zusammen: das Bewusstsein, selber unter insgesamt guten Bedingungen leben zu dürfen, und der Wunsch, dass es allen anderen ebenfalls gut gehen möge.

Schaut man mit diesem Blick auf unsere Stadt, dann ergibt sich dreierlei:

Fürs Allgemeinwohl setzt sich ein,

  • erstens: wer in unserer Stadt eine Perspektive gefunden hat – ob nun als Handwerker, als Eltern oder als Unternehmer;
  • zweitens: wer die Erfahrung gemacht hat, dass man hier mit seinen Anstrengungen tatsächlich etwas bewirken kann;
  • und drittens: wer sich als Teil eines Ganzen sieht und die Stadt insgesamt als wohlwollend und veränderungsfähig wahrnimmt.

Hamburg versteht sich als eine Stadt der Chancen. Der Chancen für Unternehmen, Startups, Wissenschaftler, Kreative; der Chancen für Innovationen, die die Welt unserer Kinder verbessern; der Chancen auf Bildung, auf eine bezahlbare Wohnung und gute Arbeit.

Anders als vor 800 Jahren, als in Hamburg die ersten Stiftungen gegründet wurden, kann man sich heute mit und ohne größeres Vermögen fürs Gemeinwohl einsetzen. Und beides ist wichtig für unsere Stadt: die Arbeit der Stiftungen und die vielen Spenden, ohne die weder die Elbphilharmonie noch das neue Kinderkrankenhaus des Universitätsklinikums – um nur zwei prominente Beispiele zu nennen – in dieser Form hätten gebaut werden können; aber auch die vielen Vereine und bürgerschaftlichen Projekte, die Fußballtraining organisieren, bei den Schulaufgaben helfen oder zusätzlichen Deutschunterricht für Flüchtlinge anbieten.

Hamburg hat eine starke Tradition bürgerschaftlichen Engagements. Und wir tun alles dafür, damit die Voraussetzungen stimmen und diese Tradition sich weiterentwickeln kann.

Dazu gehört, dass wir gute Rahmenbedingungen schaffen. Hamburg hat zum Beispiel ein vergleichsweise liberales Landesstiftungsgesetz. Potentielle Stiftungsgründer werden durch die Stiftungsaufsicht schon während der Anerkennungsphase umfassend beraten. Das ist gerade für jüngere, noch unerfahrene Stifter oft hilfreich. Wir haben ein Patenschaftsprogramm eingerichtet, welches die Vernetzung erleichtert, und machen durch einen Stiftungspreis auf neue Gründungen aufmerksam. Stifterinnen und Stifter sind bei uns sehr angesehen: In Hamburg weiß man, was die Stadt an ihren Stifterinnen und Stiftern hat.

Auf Beratung, Vernetzung und Anerkennung setzen wir auch bei den Ehrenamtlichen und Freiwilligen. Weil wir bürgerschaftliche Aktivitäten nicht dem Zufall überlassen wollen, haben wir 2013 als erstes Bundesland gemeinsam mit Behörden, Stiftungen, dem Landesnetzwerk Aktivoli und freiwillig Engagierten eine langfristige Engagementstrategie entwickelt. In diesem Rahmen werben wir in diesem Jahr zum Beispiel gezielt um Migrantinnen und Migranten und um Menschen mit Behinderungen, damit sie ihre  Erfahrungen noch mehr einbringen.

Meine Damen und Herren,

36 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger übernehmen regelmäßig Aufgaben für die Allgemeinheit – und da sind die vielen seit 2015 hinzugekommenen Flüchtlingshelfer noch nicht eingerechnet. Auch die Zahl der gemeinnützigen Stiftungen steigt – im Moment liegt sie bei 1.326. Dass das Netz aus Bürgerinnen und Bürgern, die sich auf vielfältige Weise für das Zusammenleben einsetzen, immer dichter wird, gibt unserer Stadtgesellschaft Halt. Es macht die Demokratie von innen heraus stark und widerstandsfähig.

Wir sind zuversichtlich, dass wir mit diesen tatkräftigen Bürgerinnen und Bürgern die vor uns liegenden Umbrüche und Herausforderungen gut bewältigen werden. Dazu ermutigt uns auch der Besuch unseres Bundespräsidenten: Noch einmal ein herzliches Willkommen – auch an Sie, liebe Frau Büdenbender! Wir freuen uns sehr über den Besuch und wünschen Ihnen beiden eine anregende Zeit in Hamburg.

Vielen Dank.

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