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23. Januar 2018 44. Einbürgerungsfeier mit dem Bundespräsidenten

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz

44. Einbürgerungsfeier mit dem Bundespräsidenten

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Frau Büdenbender,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft (Veit),
meine sehr verehrten Damen und Herren,

was für ein feierlicher Moment! Es ist sehr berührend, in so viele freundliche und erwartungsvolle Gesichter zu schauen. Und dass auch Jugendliche und Kinder bei der Einbürgerungsfeier im großen Festsaal unseres Rathauses dabei sind, das freut mich besonders. Ein ganz herzliches Willkommen an Euch – schön, dass Ihr mitgekommen seid!

Ganz besonders herzlich möchte ich auch unseren Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender begrüßen. Dass das deutsche Staatsoberhaupt mit uns zusammen die Einbürgerungen feiert, das passiert nicht alle Tage. 

Es ist eine Ehre für Hamburg und für alle, die heute eingebürgert werden, dass Sie aus diesem Anlass zu uns sprechen werden. Und ich verstehe es auch als ein Zeichen! Wir freuen uns darüber, dass Sie, die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, sich zu Deutschland bekennen. Aus diesem Schritt spricht Zuversicht und Vertrauen in unser Land, unsere Demokratie und in unsere gemeinsamen Werte von Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Toleranz.

Als ich 2011 mein Amt als Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg antrat, habe ich sehr schnell damit begonnen, all diejenigen persönlich anzuschreiben, die seit Jahren hier leben und dauerhaft bleiben können. Sie sprechen unsere Sprache, üben ihren Beruf aus, engagieren sich mit uns in Vereinen und in der Nachbarschaft und erziehen ihre Kinder zu Mitgliedern der deutschen Gesellschaft. Es ist uns wichtig, dass aus diesen vielen und oft längst vertrauten Mitbürgern auch Staatsbürger werden – mit allen Rechten und Pflichten. 

Deshalb habe ich in meiner Amtszeit schon mehr als 155.000 Hamburgerinnen und Hamburger persönlich zur Einbürgerung ermutigt. Ich freue mich sehr, dass so viele von ihnen diese Anregung aufgenommen haben. Dass wir uns bei den Einbürgerungszahlen nun allmählich auf die 50.000-Marke zubewegen, das ist eine schöne Bestätigung für unseren weltoffenen Hamburger Weg. 

Seit Jahrhunderten kommen Frauen und Männer aus ganz unterschiedlichen Ländern nach Hamburg, um sich hier eine freies, sicheres und besseres Leben aufzubauen. Dadurch haben wir viel Erfahrung gesammelt, wie Bürgerinnen und Bürger unterschiedlicher Herkunft und Religion gut miteinander auskommen. Wir wissen, dass wir klare Regeln brauchen, wer zu uns kommen darf und wer bleiben kann. Wir sprechen unsere Erwartungen, zum Beispiel in Bezug auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Akzeptanz Andersdenkender oder Andersliebender, deutlich aus. Aber wir wissen auch, dass in einer Einwanderungsgesellschaft über das Zusammenleben diskutiert werden sollte und dass alle immer wieder aufeinander zugehen müssen. In Hamburg klappt das meistens ganz gut. 

Man müsse die Angst vor dem Verlust des Vertrauten loslassen, nicht die eigene Kultur, sagt der Hamburger Filmemacher Fatih Akin.  

Das scheint mir ein wichtiger Gedanke zu sein. Er könnte den neu Hinzugekommen wie den Alt-Eingesessenen dabei helfen, unvoreingenommen auf die schönen wie die schwierigen Seiten eines jeden Landes zu schauen. So wie Fatih Akin, der einen erschütternden Film über die furchtbaren, rassistisch motivierten Morde des NSU gedreht hat, aber auch sehr offen über die Verantwortung für und seine Liebe zu Deutschland spricht. Letztere habe für ihn zum Beispiel damit zu tun, dass in unserem Land nach wie vor viel gelesen werde und dass die Meinungsfreiheit so uneingeschränkt gelte, wie in kaum einem anderen Land auf der Welt, sagt Akin.  

Eine solche Ehrlichkeit in alle Richtungen ist für unsere Einwanderungsgesellschaft ganz wichtig. Sie ist eine Voraussetzung, um Hoffnungen, Sorgen und Konflikte zu verstehen, aber auch um den Unterricht in den Schulen oder die Gesetzgebung weiter zu verbessern. Auch der Schritt vom Mitbürger zum Staatsbürger hat etwas mit Ehrlichkeit zu tun. Er sorgt für klare Verhältnisse, klärt Rechte und Pflichten und schafft für alle Seiten Gewissheit. Diese macht es leichter, gelassen mit den vielen Unterschieden und Veränderungen, die es in einer großen und modernen Stadt wie Hamburg gibt, umzugehen. 

Meine Damen und Herren,

die Einbürgerungsfeiern im Hamburger Rathaus gehören zu meinen schönsten Terminen. Es geht dann immer etwas lockerer und fröhlicher zu als sonst und die Stimmung ist besonders zuversichtlich. Diese Zuversicht tut unserer Stadt gut. Wir haben noch viel vor in Hamburg. Jeden Tag arbeiten wir daran, die Lebensqualität für alle Hamburgerinnen und Hamburger weiter zu verbessern. Wir freuen uns über jeden, der sich mit uns aufmacht, die Zukunft zu gestalten und daran mitzuwirken, dass unsere Kinder wohlbehütet und chancenreich ins Leben starten können. 

Und jetzt darf ich Frank-Walter Steinmeier ans Rednerpult bitten.   

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, ganz herzlichen Dank, dass Sie nach Hamburg gekommen sind und zu uns sprechen. 

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