Symbol

21. Februar 2018 Gründung des Vereins "The Interface Society"

Rede des Ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz.

Gründung des Vereins "The Interface Society"

Sehr geehrter Herr Dr. Saxe,
sehr geehrter Herr Prof. Dowling,
sehr geehrter Herr Prof. Böhmann,
sehr geehrter Herr Prof. Krcmar,
Sehr geehrte Damen und Herren,

„Was heißt: sich im Denken orientieren?“ So lautet der Titel einer kleinen Schrift des Aufklärers Immanuel Kant. Ein ordentliches Durcheinander war in das Denken seiner Zeit geraten, weil so vieles neu und in Bewegung war – in der Wissenschaft, in der Politik und der Gesellschaft.

Dass auch das wissenschaftliche Denken Orientierung benötigt, war damals ein vollständig neuer Gedanke. Er trug den Geist der Demokratie und war deshalb nicht besonders populär. Überhaupt brachte erst dieser Text das Wort „orientieren“ in den deutschsprachigen Raum.

Noch wichtiger aber war die Empfehlung: Dogmatik ist nicht die Lösung! Vernunft ist der einzige Prüfstein der Wahrheit. Wer sich orientieren will, stützt sich auf Methoden, mit denen aus der Vielzahl der Erwägungen und Eindrücke solide Erkenntnisse entstehen.

Heute lautet die Kernfrage: „Was heißt es, sich im Zeitalter der digitalen Revolution zu orientieren?“ Denn wieder ist Orientierung angesichts der revolutionären Veränderungen enorm wichtig. Und weil das so wichtig ist, haben wir in Hamburg für das Nachdenken, die Entwicklung von Ideen und die Überprüfung ihrer Anwendbarkeit eine ganze Reihe Orte geschaffen.

Für die große Verknüpfung zwischen Wirtschaft und Innovation haben wir das Konzept der F&I-Parks entwickelt. Aber zu unseren Denk-fabriken und Innovationsprüfsteinen gehören auch die Inkubatoren aus dem Bereich der Wirtschaft, die Innovationen für ihre Unternehmen entwickeln oder als Ausgründung die Marktfähigkeit von Produkten testen. Oder die Innovationshubs und Acceleratoren etwa im Bereich der Medien, der Logistik und für Ausgründungen spielen eine wichtige Rolle im Wettbewerb der Ideen. Es gibt IT-Executive Club und viele Plattformen.

Mit ahoi.digital haben der Senat und die Hamburger Hochschulen neue Schnittstellen für den Wissenstransfer der digitalen Technologien zu den Anwendern geschaffen. Und dass wir die Ausschreibung für den Weltkongress für Intelligente Transport-Systeme 2021 gewonnen haben, zeigt ja auch ganz deutlich unseren Ehrgeiz, ein Top Informatikstandort zu werden.

Es ist gerade diese enorme Vielfalt der Themen und Orte, die zeigt: Hamburg hat den Schalter umgelegt, er steht jetzt auf Innovation!

Methodisch setzen wir dabei auf Kooperation und Vernetzung. Das ist das Prinzip, nach dem die Digitalisierung funktioniert und das ist auch das Prinzip, mit dem wir uns in den täglich wachsenden Erkenntnissen über die Möglichkeiten der Digitalisierung orientieren.

„Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden“, die Tragweite dieses Grundsatzes aus dem Silicon Valley zeigt sich inzwischen überall. 

Es gibt kaum noch einen Lebensbereich, der sich nicht schon durch die Digitalisierung verändert hat: Die Wirtschaft ist betroffen, das Gesundheitswesen, das Versicherungswesen, die Medien, Kunst und Kultur – die Verwaltung natürlich ebenso. Die Digitalisierung stellt neue Anforderungen an die Sicherheit auch an die militärische, und jeder Blick auf das Smartphone zeigt: auch unser Privatleben und das gesellschaftliche Miteinander haben neuerdings eine digitale Seite.

Je mehr sich verändert, desto mehr muss es Orte der Orientierung geben. Nicht nur die Unternehmen fragen danach, sondern auch die Geisteswissenschaften, Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie Gewerkschaften und Verbände. Sie wollen wissen, was Sache ist und welche Möglichkeiten es gibt, das zu regeln, was gesellschaftlich notwendig ist. Die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen wäre fahrlässig, insbesondere in der Politik und überall da, wo strategische Entscheidungen anstehen.

Oft geht es zunächst darum, die richtigen Fragen zu stellen. Dafür ist "The Interface Society" das richtige Umfeld. Es gehört zum Anspruch des Vereins "The Interface Society", kurz ThiS!, Räume für Diskurse zu eröffnen und Resonanzraum zu sein.

Schon mit den ersten Veranstaltungen, die geplant sind, zeigt ThIS welche Themen dafür relevant sind: Es geht um selbstlernende Algorithmen oder datenbasierte Infrastrukturen. Hochrangige Experten werden die Impulse liefern.

Und wir wissen alle, die Liste der Fragen, die wir beantworten müssen ist lang: Etwa die nach der Zukunft der Arbeit und der Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne die eine Umsetzung nicht möglich ist, der Verantwortung und Meinungsmacht globaler Plattformunternehmen, den Chancen und Risiken von Big Data, Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality sowie den zahllosen Herausforderungen, die mit der öffentlichen Kommunikation einhergehen.

Deutschland braucht Zentren des Diskurses. Knotenpunkte des Denkens, die über das Jetzt hinausweisen und die Diskussionen zum Thema Digitalisierung auf einem hohen Niveau halten. Ein Weg um Exzellenz auszuprägen, sind Orte wie der Münchner Kreis, das Hasso-Plattner-Institut und in Zukunft eben auch "The Interface Society" hier in Hamburg.

Mit ThiS bekommt Hamburg einen Resonanzraum, der von der Kooperation mit dem Münchner Kreis ganz erheblich profitieren wird. Ich danke Herrn Professor Dowling ebenso wie den Initiatoren und Gründern des Vereins "The Interface Society". Sie haben aus eigener Kraft einen prägnanten und prominenten Impuls gesetzt.  

Sicher könnte selbst der alte Kant hier eine Menge lernen. Er würde sich freuen, dass auch in einem Think-tank wie ThiS das Selbstdenken und die Selbstverantwortung im Zentrum stehen. Aber ThiS fügt dem Wahlspruch der Aufklärung, „sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ noch etwas hinzu, wenn auch mit einem augenzwinkernden Smiley-Ikon – wie es sich digital gehört.

Denn zur Vernetzung gehört ja schließlich immer auch der Grundsatz: Habe den Mut, Dich der Vernunftleistung anderer zu bedienen und von anderen zu lernen“.

„Wo lassen Sie denken?“ auch das ist eine zentrale Frage im digitalen Zeitalter, das so viel Wissen und Information bieten kann.

„In Hamburg“, kann man mit gutem Gewissen antworten, denn hier ist ein Knotenpunkt der Digitalisierung und der Innovation. Und mit "The Interface Society" gibt es künftig eine weitere sehr gute Adresse in Hamburg.

Meine Damen und Herren, ich freue mich auf Ihre Expertise.

ThiS will be a good idea!

Vielen Dank.

Empfehlungen