4. April 2019 Senatsempfang 100 Jahre Elbkinder

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher. Es gilt das gesprochene Wort.

Senatsempfang 100 Jahre Elbkinder

Sehr geehrte Frau Dr. Larrá und Frau Ninaber,
sehr geehrte Frau Senatorin,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren, 

herzlich Willkommen zum Senatsempfang anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der „Elbkinder“! 

Die Erinnerung an die Gründung Ihres Unternehmens führt uns zurück in eine Zeit des Umbruchs und Aufbruchs. 

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs herrschten überall in Deutschland und auch in Hamburg Hunger und Verzweiflung. Nach den Schrecken des Krieges war die Versorgung der Bevölkerung schlecht. 

An der Spanischen Grippe starben damals Tausende auch deshalb, weil sie durch Unterernährung und ein schweres Leben geschwächt waren. 

Die Bürgerinnen und Bürger wollten ein besseres Leben. Es entstand eine revolutionäre Bewegung, die von weiten Teilen der Bevölkerung getragen wurde. 

Dabei richtete sich die Stimmung nicht nur ablehnend gegen die bis dahin herrschende Monarchie und den Obrigkeitsstaat, sondern es entstand auch ein positiver zuversichtlicher Geist, Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt zu erreichen. 

In einer Hamburger Zeitung vom November 1918 erschien damals eine ironische Traueranzeige. Darin heißt es: 

„…Heute verschied sanft und ohne nennenswerte Schmerzen (…) das Deutsche Kaiserreich. (…) Aus der Asche des deut-schen Reiches erblühte die Republik und bringt den Frieden. Presse- und Redefreiheit und viele andere gute Dinge bringt die Zukunft.“ 

„Viele andere gute Dinge bringt die Zukunft …“ 

Es ging also einerseits um demokratische Grundrechte, um das allgemeine Wahlrecht, auch für Frauen, um die Wahl der Regierung durch Parlamente, um Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit, die Unabhängigkeit der Justiz. 

Aber es ging auch um andere „gute Dinge“ - Arbeitnehmerrechte, Betriebsräte, soziale Institutionen, ein erstes öffentliches Wohnungsbauprogramm. 

Und es ging schon damals um die Erkenntnis - die bis heute Gültigkeit hat -, dass formale Rechte auf politische Beteiligung und Mitbestimmung nur der erste Schritt sind. Um solche Rechte auch praktisch wahrzunehmen und als Chance für das eigene Leben nutzen zu können, bedarf es guter Bildung. 

Deshalb wurden in Hamburg vor hundert Jahren nicht nur demokratische Rechte eingeführt, sondern zugleich eine Universität gegründet, zu der alle Zugang hatten und an der auch die Volksschullehrer eine akademische Ausbildung erhalten sollten. 

Es wurden die Hamburger Volkshochschule gegründet und Bücherhallen eröffnet. Die Hamburger Volksbühne sollte allen Hamburgerinnen und Hamburgern einen Zugang zu Kunst und Kultur ermöglichen. 

In diesem Zusammenhang einer breiten Offensive für Bildung und Teilhabe für alle stand auch die Gründung der ersten städtischen Kindertagesstätten. 

Dabei ging es durchaus darum, Müttern mit kleinen Kindern eine Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Die Pädagogin Anna Warburg und andere wollten aber auch für die Kinder eine gute persönliche Entwicklung erreichen und ihnen Chancen für eine gute Bildung eröffnen. 

Dieses Ziel verfolgen wir noch heute. Soziale Kompetenzen und Bildung haben ihren Ursprung bereits in den ersten Lebensjahren. 

Um allen Kindern – unabhängig von ihrer Herkunft und ihren Familien – eine gute Frühförderung zu bieten, hat in Hamburg jede Familie bzw. jedes Kind einen Anspruch auf einen gebührenfreien Kitaplatz. 

Dazu haben wir in den vergangenen Jahren die Kindertagesbetreuung deutlich ausgebaut. Die Zahl der Kinder in den Kitas, der Kindertagespflege und den Vorschulklassen ist seit 2011 um mehr als ein Drittel gestiegen. Seitdem wurden über 200 Kitas neu eröffnet, so dass mittlerweile über 1.100 Kitas an unserem Kita-Gutschein-System teilnehmen. 

Schrittweise erhöhen wir auch den Fachkräfteschlüssel und verbessern damit die Qualität der Betreuung in der Krippe und im Elementarbereich. 

Die Elbkinder – Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gGmbH leistet als öffentliches Unternehmen einen wichtigen Beitrag, um die hohen qualitativen und quantitativen Ziele der Stadt in der Kindertagesbetreuung umzusetzen. 

Die Vereinigung ist Hamburgs größter Kita-Träger. Ihre rund 7.000 Beschäftigten betreuen an über 200 Standorten mehr als 30.000 Kinder mit einem hohen pädagogischen Anspruch. 

Lange Öffnungszeiten – auch während der Schulferien – ermöglichen es den Eltern, die Betreuungszeiten nach ihren Bedürfnissen zu planen. 

Die Elbkinder-Kitas sind damit die tragende Säule einer modernen Kindertagesbetreuung, die Hamburg zu einer ausgesprochen familienfreundlichen Stadt macht und mit der wir unsere Kinder durch umfassende Betreuung und frühe Bildung gut auf die Schule und den späteren Lebensweg vorbereiten.  

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Elbkinder – Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten, 

im Namen des Senats der Freien und Hansestadt danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihr Engagement und Ihre Arbeit und wünsche Ihnen für die Zukunft weiterhin alles Gute. 

Herzlichen Dank.

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